EVOLUTION 3.0: Wie Maschinen uns eines Tages versklaven könnten

Früher streuten wir nur Gene – dann begannen menschliche Gehirne, Meme zu verbreiten: Ideen, Gedanken, Wörter. Die Evolutionstheoretikerin Susan Blackmore glaubt, dass wir mit Computern und Internet eine neue Evolution in Gang gesetzt haben, die wir eines Tages bereuen könnten. Autor: Susan Blackmore —- Weiter zum Artikel aus SPIEGEL-Online vom 21.1.09

Eine Antwort zu “EVOLUTION 3.0: Wie Maschinen uns eines Tages versklaven könnten”

  1. admin sagt:

    Gene, Meme, Treme?

    Das ganze Mem-Konzept ist ungeheuer prätentiös aber wenig erklärungskräftig. Man setze jedesmal an die Stelle von ‘Mem’ z.B. den altehrwürdigen Begriff ‘Idee’ (oder Gedanke, Theorie etc.) und achte einmal darauf, inwiefern ‘Mem’ die Zusammenhänge tatsächlich besser, umfassender oder genauer erklärt. Sicher kann man die Entwicklung von Ideen, Theorien oder geistigen wie kulturellen Mustern analog zur genetischen Evolution beschreiben, aber der Mem-Begriff beansprucht sehr viel mehr, in dem die Abfolge oder Veränderung von Ideen HOMOLOG zur natürlichen Entwicklung sei! Man will oder verlangt quasi, daß menschliche Verhältnisse oder gesellschaftliche Prozesse mit der Sicherheit naturwissenschaftlicher Aussagen beschrieben oder erklärt werden können, ähnlich wie das einst – vergeblich – der Historische Materialismus versucht hat, landet aber regelmässig bei entweder ganz vagen oder trivialen Allgemeinplätzen (wenn nicht bei dogmatisch-ideologischen Machtveranstaltungen), die nie Anschluß an die konkreten Wirklichkeiten der menschlichen Kultur oder des menschlichen Alltagsbewußtseins finden.

    Die in bestimmten immortalistischen Kreisen wie z.B. unter Transhumanisten oder bei vielen Mitgliedern des Immortality Instituts verbreitete Rede vom ‘Unsterblichkeits-Mem’ beansprucht dabei genau jenen illussorischen Überschuss an allgemeiner und quasi-naturgesetzlicher Gültigkeit der eigenen Ambitionen, die das bescheidenere Wort von der Unsterblichkeitsidee erstmal nicht liefern kann. Sie stellt somit schon im Begriff die eigene Ohnmacht dar, wirklichen Anschluß an kollektive Meinungsbildungsprozesse zu gewinnen, wobei auch noch fatalerweise ein Insiderjargon entsteht, der Außenstehende oder Neulinge zunehmend ausschließt. Denn: wer in der allgemeinen Bevölkerung weiß denn schon wirklich, was ein ‘Mem’ ist oder sein soll!?

    Schließlich sollten gerade Immortalisten bedenken, daß der Urheber des Mem-Begriffs Richard Dawkins sich bislang vor allem durch seinen aggressiven Atheismus bemerkbar macht, keineswegs aber durch ein wie auch immer gearteten konstruktiven Bezug zu den Zielen des modernen Immortalismus. Letztlich sind für Dawkins nur die Gene oder vielleicht auch die Meme – mit Blackmore jetzt sogar auch noch die ‘Teme’ oder ‘Treme’! – die Subjekte der Evolution bzw. die Einheiten des Überlebens, nie das konkrete einzelne Individuum! (Man bedenke allein schon den von ihm eingeführten Begriff ’survival machine’ für den körperlichen Organismus überhaupt, wobei immer gemeint ist: ‘Überlebensmaschine’ FÜR DIE GENE, während der Organismus im Dienste der evolutionären Adaptivität hinfällig ist und sein muß!) Allein das sollte einen bei der Verwendung dieser Terminologie schon vorsichtig stimmen.

    Ahnung: Meme, Teme, Treme… Das sind alles fiktive Überbauten, die genauso die Verbindung zur materiellen Welt verloren haben, wie bestimmte Finanzprodukte zur Sphäre der industriellen Produktion im Kontext der aktuellen globalen Finanzkrise. Es resultieren Unsterblichkeitskonzeptionen, die zwar, was die Mittel ihrer Verwirklichung angeht, hochgradig materialistisch orientiert sind, deren Ziel aber nicht der konkrete physische Körper sondern letztlich die völlige Entkörperlichung darstellt – als hypermoderne Neuauflage uralter traditionell-religiöser Konzepte von der Unsterblichkeit der Seele.

    Siehe auch den witzigen Artikel ‘Musikalisches Schwermetall’ vom 24.1.09 ebenfalls auf SPIEGEL-Online über Roboterbands, den man auch als spöttischen Kommentar zu den Befürchtungen Susan Blackmores lesen kann sowie das SPIEGEL-Online Interview mit Soziobiologe Eckhard Voland vom 26.1.09 über Gene und Verhalten, der an einer Stelle auch kritisch auf den impliziten Kulturpessimismus von Susan Blackmore eingeht. Weitere Anregungen zur Mem-Debatte finden sich im zugehörigen Diskussionsstrang im SPIEGEL-Online Forum mit aktuell über 200 Beiträgen.

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