Gute Luft verlängert das Leben

Eine amerikanische Studie untersucht die Beziehung zwischen Feinstaub-Luftverschmutzung und Lebenserwartung. Autor: Thomas Pany —- Weiter zum Artikel auf Telepolis-Online schon vom 23.1.09

3 Antworten zu “Gute Luft verlängert das Leben”

  1. admin sagt:

    Ereignishorizont der Ewigkeit oder
    Was bedeutet individuelle Nachhaltigkeit?

    Die ganze ökologische Problematik ist normalerweise ein wichtiger Bestandteil der Langlebigkeitsdebatte, denn es kann keine individuelle Langlebigkeit geben, wenn die Zerstörung wesentlicher natürlicher Lebensgrundlagen nicht gestoppt wird. Da dieses Thema aber gewöhnlich sowieso schon wissenschaftlich, gesellschaftlich und politisch diskutiert wird und es hier zumindest ansatzweise ein angemessenes kollektives Problembewusstsein gibt, wird in FOREVER gewöhnlich auf die detaillierte Berichterstattung zu Umweltverschmutzung, Klimawandel, Atomkraft etc. verzichtet, um nur an einzelnen Beispielen wie dem hier ausgewählten an den Grundzusammenhang zu erinnern.

    Klar wird jedenfalls auch bei der ökologischen Frage, daß die einseitige Focussierung der Alternsüberwindung wenig Sinn macht und wieder das moderne Alltagsbewußtsein verfehlt, während umgekehrt das weit verbreitete Öko-Bewußtsein trotz des vorherrschenden Weltuntergangspessimismus auf einer psychologischen und sozialpsychologischen Ebene die in immortalistischer Perspektive so überaus notwendige Langsicht einübt. Nur wer in sehr langfristigen Zeitmaßstäben denkt und die dafür vorausgesetzte Fähigkeit zur ‘deferred gratification’ entwickeln kann, zur aufgeschobenen Bedürfnisbefriedigung, wie die Sozialpsychologie das nennt, hat überhaupt die Chance, ein modernes Unsterblichkeitsbewußtsein zu entwickeln. Jegliche Kurzfristigkeit und Unmittelbarkeit, wie sie dem Kind und Jugendlichen, dem vormodernen Menschen, dem emotional Impulsiven bzw. dem narzisstischen Apologeten einer naiven Spontanität eigen sind, dringt dagegen nicht zum „Ereignishorizont der Ewigkeit” vor.

    Welche verheerende soziale Wirkung mangelnde Langsicht generell entfalten kann, wird aktuell im Kontext der globalen Finanzkrise wieder demonstriert, wie auch die Handlungsperspektive der politischen Entscheidungsträger nur selten über eine Frist von wenigen Jahren hinausreicht. Langsicht geht üblicherweise einher mit der Ausbildung wissenschaftlicher Rationalität, aber zum einen bleibt dies auf nur kleinere Teile selbst in den modernen westlichen Wohlstandsländern beschränkt, zum anderen wird sie auf Sachzusammenhänge reduziert und gewöhnlich nicht auf die alltägliche psychische Verfasstheit der Menschen angewendet, so daß es beispielsweise zu widersprüchlichsten Aufsplitterungen zwischen Berufs- und Freizeitrolle, zwischen Öffentlichkeit und Privatleben, zwischen Verstand und Gefühl usw. kommt. (Eines der außergewöhnlichsten Werke der modernen Literatur, Robert Musils ‘Mann ohne Eigenschaften’, versucht dagegen genau dies, die Übertragung wissenschaftlichen Denkens auf intimste Verhältnisse: „Es geht in der Wissenschaft so stark und unbekümmert und herrlich zu wie in einem Märchen. Und Ulrich fühlte: die Menschen wissen das bloß nicht; sie haben keine Ahnung, wenn man sie neu denken lehren könnte, würden sie auch anders leben.” Kapitel 11)

    Wie in der Vergangenheit schon mehrfach angedeutet: die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit in Bezug auf die äußere Welt und natürlichen Lebensgrundlagen muß im Kontext des modernen Immortalismus explizit um die Dimension der „individuellen Nachhaltigkeit” ergänzt und erweitert werden, also um die „Nachhaltigkeit” des einzelnen körperlichen Organismus! Implizit ist die individuelle Langlebigkeit in den verschiedenen Ausprägungen des Öko-Diskurses und den damit verbundenen sachlich begründeten oder auch nur hysterisch übertriebenen Angstwellen überraschenderweise immer schon enthalten, wenn Gift in der Nahrung, radioaktive Verseuchung, ‘Peak-Oil’ und Energiefrage, Klimakatastrophe oder eben verschmutzte Luft usw. aufgeregt thematisiert werden, denn wenn die einzelnen Gefahren nicht – zumindest prinzipiell oder potentiell – auch als direkte persönliche und existentielle Bedrohung und vor allem als echtes gesundheitliches Risiko empfunden würden, könnte man sie auch nicht in dieser Weise politisch-ideologisch aufladen.

    Der Öko-Diskurs enthält daher ähnlich wie einige Grundfiguren traditioneller Religion Keim- oder Kristallisationszellen eines modernen Unsterblichkeitsbewußtseins (man denke nur an den kollektiven Trend zu Biokost und gesundheitsbewußter Ernährung etc.), die aber erst durch die kontinuierliche Kritik sowohl an den Ausblendungen, Schattenseiten und Defiziten der Ausgangsideologien wie aber auch an deren unzureichenden Widerlegungen zugespitzt und freigesetzt werden müssen. Dies läuft auf einer persönlich-psychologischen Ebene zumeist auf die kritische Analyse lebensfeindlicher bzw. selbstdestruktiv-masochistischer Grundhaltungen hinaus, die die Basis einer neu-alten Moral der Askese, des Verzichts oder schuldgetriebener Selbstaufgabe bilden, als ob sich uralte christliche Dispositionen in den modernen Öko-Moralismus hineinsublimiert hätten.

    Der Transhumanismus beispielsweise versagt bislang noch weitgehend angesichts der hier geforderten doppelten Dialektik, in dem er sich trotzig-einseitig und bloß reaktiv (also bloß einfach dialektisch) auf aggressiven Atheismus oder die polemische Kritik der Öko-Ideologie beschränkt und die realen ökologischen Gefahren leugnet oder zumindest verharmlost bzw. entscheidend relativiert. Man kann dies allein daran ablesen, daß er sich dabei gewöhnlich auf Autoren stützt, die ihrerseits selbst gar keine transhumanistische oder immortalistische Ausrichtung besitzen, man denke etwa an Richard Dawkins, Björn Lomborg, die Journalisten Maxeiner und Miersch oder andere sogenannte ‘Klimaskeptiker’ etc.

    Wie an anderer Stelle schon einmal vorgeschlagen muß der Transhumanismus daher um etwas erweitert und ergänzt werden, das versuchsweise Transhedonismus genannt wurde, in dem die Hinzunahme der psychoexistentiellen Dimension auch ein ganzes psychologisches, soziales und interaktives Praxisfeld eröffnet. Dieses Feld wird sich vor allem in einem neuen Verständnis intimer Beziehungen und einer neuen erotischen Kultur manifestieren, was aber an dieser Stelle noch nicht genauer ausgeführt werden kann. Im Kontext individueller Nachhaltigkeit unterscheiden sich transhedonistische Haltungen jedenfalls vom blossen und vorherrschenden Alltagshedonismus damit dann eben auch durch den zentralen Aspekt der Langsicht – wie sich blosser Sex von kultivierter Erotik dadurch unterscheidet, daß zum Ausleben unmittelbarer sexueller Triebhaftigkeit ein distanzierendes Element der geistigen Reflexion sinnlicher Lüste hinzutritt…

  2. admin sagt:

    Anhang:

    Siehe auch den Text ‘Die Top Ten der Einwände gegen die physische Unsterblichkeit’, wo sich die Ökologie-Problematik vor allem in den Einwänden 2 und 3 verbirg und deren allgemeine Bedeutung bzw. Wirkung verstärkt. Für soziologisch näher interessierte seien außerdem die drei Bücher von Norbert Elias ‘Über den Prozeß der Zivilisation’, ‘Über die Einsamkeit des Sterbenden’ und ‘Über die Zeit’ empfohlen. Als Einstieg dazu bzw. zu den Begriffen Langsicht, Distanzierung oder deferred gratification hier noch einige Wikipedia-Links:

    Langsicht bei Norbert Elias als Teil von Rationalität:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rationalit%C3%A4t#Sozialwissenschaften

    Das Buch von Norbert Elias ‘Über den Prozeß der Zivilisation’, in dem es u.a. auch um die Veränderung des individuellen wie kollektiven Zeit-Bewußtseins geht:

    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_den_Proze%C3%9F_der_Zivilisation

    Deferred gratifaction als Voraussetzung für Langsicht (aber auch für emotionale Intelligenz, siehe Link):

    http://en.wikipedia.org/wiki/Impulse_control

    Die Fähigkeit der Distanzierung zur äußeren und emotionalen Realität als Basis wissenschaftlichen Fortschritts, damit auch zur Langsicht:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Distanzierung

    Norbert Elias Buch ‘Über die Zeit’, das den Zusammenhang von natürlichen und sozialen Bedingungen für die Entwicklung des menschlichen Zeit-Bewußtseins beschreibt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_die_Zeit

  3. admin sagt:


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