Der Plazebo-Effekt hat ein negatives Gegenstück: Eingebildete Risiken oder die Angst vor Nebenwirkungen können Patienten massiv schaden. Autor: Werner Bartens —- Weiter zum Artikel auf Süddeutsche-Online vom 03.07.09
Der Plazebo-Effekt hat ein negatives Gegenstück: Eingebildete Risiken oder die Angst vor Nebenwirkungen können Patienten massiv schaden. Autor: Werner Bartens —- Weiter zum Artikel auf Süddeutsche-Online vom 03.07.09
Wo es konstruktive, aufbauende und heilsame Gedankenkräfte gibt, existieren auch negative und destruktive, so weit, so banal. Trotzdem wird im Spiegel schädlicher Effekte die prinzipielle Macht der Gedanken noch einmal gut sichtbar und insoweit ist dieser Text eine aktuelle Untermauerung und ergänzende Illustration, wie sehr die subjektive innere Einstellung ein Krankheitsgeschehen prägt oder umgekehrt einen Heilungsprozeß fördern kann.
Für den Mainstream der Schulmedizin ist dabei die Rede vom „Plazebo-Effekt” normalerweise mehr ein Kampfbegriff, um weiterhin die Erkenntnisse von Psychosomatik und Sozialmedizin (samt verschiedenster alternativer Medizintraditionen) auszugrenzen bzw. in ihrer therapeutisch-praktischen Relevanz abzuwerten oder zumindest entscheidend zu relativieren. In Wirklichkeit müsste es dagegen noch viel mehr um die sozialen, politischen, ökonomischen usw. Rahmenbedingungen des Alltags gehen, also um die Gesamtheit der Lebenswirklichkeit und insbesondere der sozialen Beziehungen, denn sie sind die Basis der individuellen Kommunikationskultur, die wiederum den persönlichen „Gedankenhabitus” prägt. Über die Macht der Gedanken zu theoretisieren und zu spekulieren, ohne die interaktive Natur des menschlichen Geistes grundlegend zu berücksichtigen, führt jedenfalls in die Irre und zu einer strukturellen Überforderung. Trotz aller berechtigten Kritik an der Schulmedizin muß hier allerdings zugegeben werden, daß eine solch umfassende Integration aller Lebensfaktoren vom ärztlichen Spezialisten kaum erwartet werden kann, allein deshalb schon nicht, weil er dafür gar nicht ausgebildet ist oder die Medizin für viele Lebensbereiche prinzipiell nicht zuständig ist. Letztlich kommt es hier auf Mitverantwortung für die eigene Gesundheitsprävention an, denn für bestimmte Kernaspekte des eigenen Wohlergehens kann jeder nur sein eigener Experte sein und sich allenfalls noch mit intimen Partnern, Freunden oder nahestehenden Personen gezielt austauschen.
Über die Macht der Gedanken in der zugespitzten Perspektive körperlicher Unsterblichkeit liest man schon in den Essays von Unsterblichkeitspionier Prentice Mulford vom Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Besprechung in FOREVER seines all-time-Bestsellers „Unfug des Lebens und des Sterbens” hat dabei schon Ende 2003 seine Einsichten einer Prüfung im Lichte neuerer Erkenntnisse der Psychologie unterzogen.