Die Linke erweist sich immer mehr als klassische säkulare Partei, und zwar in Ost und West. Laut einer Untersuchung des FORSA-Instituts sind 64 Prozent ihrer Wähler konfessionslos, also fast exakt doppelt so viele wie im Durchschnitt aller Wähler. Autor: Gerhard Rampp —– Weiter zum Bericht auf der Seite des humanistischen pressedienstes (h/pd) schon vom 02.10.09
Daß sich ausgerechnet in der Linkspartei der höchste Anteil an konfessionslosen und säkularen Wählern findet, ist keine wirkliche Überraschung, wenn man den streng atheistischen Hintergrund der sozialistischen und kommunistischen Traditionen in Rechnung stellt. Die radikale Linke konnte sich bis auf vergessene Ansätze direkt nach der Oktoberrevolution- siehe das Buch von Boris Groys ‘Die Neue Menschheit’ bzw. die kursorischen Zusammenfassung davon im aktuellen Bestseller von Peter Sloterdijk ‘Du mußt dein Leben ändern’ – allerdings nie zu einer bewußten und aktiven Propagierung der physischen Unsterblichkeit durchringen, wie es in der immanenten Konsequenz einer materialistischen und diesseitigen Weltanschauung gelegen hätte. Die furchtbare Wiederkehr des verdrängten Todes in den Höllen des Stalinismus und des Maoismus sind daher ebensowenig ein Zufall, wie der Umstand, daß die Oppositionsbewegung in der DDR, die die Mauer und schließlich den ganzen Sowjetkommunismus zum Einsturz brachte, im Schatten der christlichen Kirchen ihren Ausgang nahm, also im Kontext einer traditionell-religiösen Unsterblichkeitsbewegung.
Der menschlichen Urangst vor dem Tode hatte die kommunistische Ideologie nur blasse und voraufklärerische Surrogate des ewigen Lebens anzubieten, in der rhetorischen Dauerbeschwörung der Identifikation mit kollektivistischen Symbolen und Idealen. Der Tod ist und bleibt aber ein existentielles Phänomen, das primär vom einzelnen Individuum erfahren wird. Geistige wie praktisch-politische Orientierungen auf übergeordnete Kollektive, die diesem individualistischen Kernaspekt nicht angemessen Rechnung tragen, sind daher ihrem Wesen nach illussionär und können nur vorübergehend kompensatorisch wirken.
Siehe dazu auch das Kapitel über „Die politische Abwehr” (der Todesangst) in Luigi De Marchis Buch ‘Der Urschock – Unsere Psyche, die Kultur und der Tod’.