Orgasmen verlängern das Leben. Beim sexuellen Höhepunkt schüttet der Körper Endorphine aus, die das Immunsystem stärken. Außerdem macht Befriedigung glücklich und das wiederum schützt vor Schlaganfällen. Deshalb sollen Männer und Frauen viel Sex haben und mit ihrem Arzt darüber reden — vor allem im Alter. Weiter zum Artikel auf WELT-Online vom 22.01.10
Na da kann man nur hoffen, daß niemand die typisch journalistisch-plakative Schlußbemerkung des Artikels – “je mehr Orgasmen, desto höher die Lebenserwartung” – wörtlich nimmt, etwa nach dem alten falschen Prinzip “viel hilft viel”, denn so leicht ist der Weg zur Unsterblichkeit denn doch nicht. Die tendenzielle Überwindung der bürgerlich-christlichen Sexualrepression, die den Alten ein Recht auf sexuelle Erfüllung gänzlich absprach, ist sicher ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur extremen Langlebigkeit, insbesondere bei der Schaffung neuer Altersselbstbilder, aber solange der biologische Alterungsprozeß im Kern ungebrochen ist oder nur leicht verzögert werden kann, muß auch auf diesem Gebiet mit pathologischen Defiziten und fortschreitenden Einschränkungen gerechnet werden. Wer also die alte Versagensmoral platt in eine neue Norm der exzessiven Verausgabung ummünzen wollte, täte seiner Gesundheit und seinem Lebensglück keinen besonderen Gefallen, wie man Sexualität sowieso nicht bloß unter viel zu engen rein medizinischen Gesichtspunkten betrachten sollte…
Mehr dazu etwa aus der Sicht der Anti-Aging-Medizin findet man z.B. im Buch von Dr. Michael Klentze ‘Anti-Aging – Die Macht der eigenen Hormone’ oder in der Perspektive des altchinesichen Taoismus im Klassiker von Jolan Chang ‘Das Tao der Liebe’ sowie etwas grundsätzlicher in der einführenden Übersicht ‘Sex und Unsterblichkeit’ vom Frühjahr 2004.