Die Religionen, wie eine mathematische Studie erkannt haben will – oder die Religionslosen, wie Sarrazin meint? Autor: Michael Prüller —– Weiter zum Artikel der Wiener Pressevom 16.04.11
Die Religionen, wie eine mathematische Studie erkannt haben will – oder die Religionslosen, wie Sarrazin meint? Autor: Michael Prüller —– Weiter zum Artikel der Wiener Pressevom 16.04.11
“Das heißt aber natürlich nicht, dass Menschen ohne Religion eine aussterbende Rasse sind. Sie sind ja kein auf einer fernen Insel isoliert lebendes Volk, sondern dürfen sich in säkularen Ländern eines stetigen Zuzugs aus den Religionen erfreuen.”
Genau so ist es. So wie die Immigranten von gestern und vorgestern die Deutschen und Europäer von morgen und übermorgen sind, so sind viele Christen oder Muslime von heute (bzw. deren Kinder und Kindeskinder) die Atheisten oder Agnostiker der Zukunft.
Die Säkularisierung ist zunächst ein Großtrend, der in Europa schon seit vielen Jahrhunderten anhält, nachdem das Christentum über tausend Jahre lang die absolute Vormachtstellung innehatte (und letztlich auch nur andere, vorchristliche Religionstraditionen ablöste). Sie wird damit auch von sozialen Kräften, intellektuellen Impulsen und geistigen Dynamiken getragen, die sich gegen diese traditionelle Übermacht durchsetzen mussten und käme nur dann in eine existentielle Krise, wenn die religiöse Tradition nicht nur zur alten Stärke zurückfände sondern sogar noch die alten Defizite, die die fundamentalen Glaubenskrisen im Ausgang des Mittelalters einst ausgelöst hatten, gleich mitüberwinden würde! Dies wäre immer nur – zumindest theoretisch-abstrakt – als eine neue Synthese zwischen wissenschaftlicher Aufklärung und religiöser Tradition denkbar, kaum aber als ein wie auch immer geartetes blosses Zurück zu längst vergangenen Zeiten.