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FOREVER       Magazin für Physische Unsterblichkeit

 (2. Jahrgang)                                     Anti-Aging

Kommentar zu Edmund Chein

Autor: Lothar Michael Muth ----------  Datum: 26.7.04

(Vorbemerkung 1/05: Dieser Text erschien zuerst im Forum auf unsterblich.de, als Antwort auf die kurze Anfrage eines anonymen Teilnehmers, wie der Ansatz des US-Mediziners Edmund Chein einzuschätzen sei, über den der SPIEGEL in einem längeren Text geschrieben hatte.)

Ich wollte diesen Artikel zwar erst in der nächsten News-Folge von FOREVER kommentieren, aber ich kann's ja hier auch schon mal vorziehen. Neu ist daran eigentlich nur, daß der SPIEGEL so - relativ - euphorisch darüber berichtet, wenn man bedenkt, wie sie letztes Jahr noch über den armen Ulrich Strunz ('Forever Young') hergezogen sind. Im Grunde geht es in der Anti-Aging Medizin immer gerade auch um das Anheben des Hormonspiegels, und die verschiedenen Herangehensweisen unterscheiden sich nur darin, mit welchen Methoden sie das erreichen wollen. Das ganze Buch 'Forever Young' ist beispielsweise auch von diesem Focus geprägt, wobei Ulrich Strunz eine Mischung aus Lauftraining, bestimmter Ernährung, gezielter Nahrungsergänzungsmittel plus eine kräftige Prise 'positives Denken' empfiehlt, um die gleichen Effekte auf mehr natürlichem Wege zu erzielen wie Chein mit seiner radikalen und chemischen Hormonersatztherapie. Diese Übereinstimmungen sind kein Zufall, weil Strunz letztlich auf den gleichen neureren Forschungsergebnissen und Beobachtungen der Endokrinologie, der Sexualmedizin, der Ernährungsphysiologie, der Sportmedizin und ähnlicher Bereiche wie der amerikanische Hormontherapeut aufbaut. Die positiven Effekte liegen dabei nicht nur in einer allgemeinen Krankheitsprävention wie die von dir erwähnten Auswirkungen auf die Osteoporose sondern vor allem auch auf der subjektiven und selbstevidenten Ebene einer gesteigerten Leistungsfähigkeit, zurückkehrenden Libido, Stimmungsaufhellung und größeren generellen Vitalität wie einem jugendlicheren äußeren Erscheinungsbild. Das kommt in diesem Artikel ja alles ziemlich klar zum Ausdruck.

Was man von der künstlich forcierten Hormonkur halten soll, ist schwer zu sagen, weil die Wissenschaftler sich über die längerfristigen Nebenfolgen und insbesondere über das höhere Krebsrisiko nicht einig sind. Der Standardrat von Anti-Aging-Ärzten lautete jedenfalls schon immer, daß man solche gezielten Hormongaben nur unter der kontrollierten Aufsicht von Medizinern machen sollte, die ihr Handwerk auf diesem Gebiet beherrschen. Und daß man den Hormonspiegel nur in Extremfällen künstlich anheben sollte, etwa bei bestimmten krankhaften Veränderungen, in den Wechseljahren der Frau o.ä. Bei Menschen jenseits der 70 kann man aber natürlich tatsächlich eine andere Folgen- und Risikoabschätzung vornehmen als bei jüngeren Menschen, und das wurde ja auch ganz gut mit den gezeigten Beispielen verdeutlicht.

Das grundlegende theoretische Motto - der Hormonspiegel sinkt nicht, weil wir altern, wir altern weil der Hormonspiegel sinkt - finde ich zwar interessant, aber noch etwas zu reduktionistisch. Gut gefällt mir aber die prinzipiell systemische Herangehensweise von Chein und letztlich auch schon bei Strunz u.a., daß es auf das Wechselspiel ganz verschiedener Hormone ankäme, weshalb man eben auch einen ganzen Hormoncocktail in wohl überlegter Zusammensetzung spritzen muß. Das scheint mir einen generell entscheidenden Gedanken auszudrücken, den es noch viel umfassender zu berücksichtigen gälte, wobei man als Laie und Außenstehender den genaueren medizinischen Wert seiner Methode natürlich nicht beurteilen kann, schließlich hat er nicht umsonst ein Patent auf sein Verfahren angemeldet. Im Lichte des Titelthemas von FOREVER Nr. 4 ist es außerdem auch noch interessant, welchen starken Stellenwert die Sexualität sowohl für die subjektive Einschätzung der Betroffenen aber wohl auch als klinischer Indikator für die Wirksamkeit der Hormontherapie besitzt, wobei das natürlich auch keine neue Erkenntnis darstellt, man siehe beispielsweise nur das populäre Sachbuch 'Anti-Aging. Die Macht der eigenen Hormone' des Anti-Aging Papstes Michael Klentze.

Was ich aber auch nach zweimaligem Lesen nicht verstanden habe, war die Frage, ob man diese teure Kur mit Kosten von über 1000 Dollar ununterbrochen jeden Monat wiederholen muß, um die beschriebenen Effekte zu erhalten oder ob eine seltenere Auffrischung in größeren Abständen dafür auch ausreicht!?? Ist dir das vielleicht klarer geworden oder stand das da gar nicht genau drin (Ich habe meine Kopie des Textes gerade verliehen)? Im ersteren Falle wäre das für die normale Bevölkerung natürlich bedeutungslos und tatsächlich nur etwas für reiche Rentner, weil sich das der Normalbürger auf Dauer nicht leisten könnte...

Den ziemlich umfangreichen(fünfseitigen)Text inclusive Hinweise auf deutsche Ableger des US-Mediziners gibt's übrigens nur als Premium-Link für 50 Cent im Netz, kann man aber auch in jeder kleinen Stadtbücherei nachlesen, in der Ausgabe vom 19.7.2004.

(Anmerkung 1/05: Es folgte dann noch ein weiterer anonymer Hinweis und Link auf eine Ausgabe von GEO-Wissen aus dem Jahre 2002, in der ebenfalls neuere Ansätze der Hormontherapie populär aufbereitet wurden. Dazu schrieb ich folgenden kurzen Kommentar:)

@ Anonym: Vielen Dank für diesen Hinweis und Link, denn der GEO-Artikel macht sehr gut die riesige Komplexität physiologischer Prozesse klar, womit es nicht nur die Hormonmedizin sondern letztlich jegliche medizinische Intervention zur Lebensverlängerung zu tun hat. Er hat mir auch nochmal in Erinnerung gerufen, warum ich bei den vielen monokausalen Ansätzen, die in der Medizin und biomedizinischen Forschung diskutiert werden, so skeptisch bin, denn ohne angemessene Berücksichtigung der systemischen Natur körperlicher Abläufe und der multifaktoriellen Natur des Alterungsprozesses sind keine wirklichen Durchbrüche in der Alternsforschung zu erwarten. Auch das Zahlenmaterial zur Verteilung medizinischer Spezialisierungen samt praktischer Konsequenzen ist interessant und werde ich sicher einmal bei passender Gelegenheit verwenden.

(In News-Folge 11 vom 18.1.05 wies ich schließlich noch mit folgendem Text auf eine neuere Veröffentlichung zu Edmund Chein hin:)

Das Winter-Heft 2005 der Fitness- und Wellness-Zeitschrift ‘My life’ enthält wieder einige interessante Artikel zum Thema Anti-Aging, darunter vor allem auch Porträts von Menschen, die sich bei dem US-Mediziner Edmund Chein einer radikalen Hormonersatztherapie zu Verjüngungszwecken unterziehen, über den letzten Sommer schon der SPIEGEL in einem ausführlichen Artikel berichtet hatte. In dem interessanten Artikel fand sich diesmal auch der Hinweis auf eine Homepage seines Instituts, über die man Adressen von Spezialisten in seiner näheren Umgebung finden kann, die nach dem Konzept von Chein behandeln. Es ist sogar eine virtuelle Betreuung durch den Meister himself möglich, der übrigens im My life-Artikel explizit auf die Warnungen vor einem erhöhten Krebsrisiko eingeht, vor dem viele Experten und so auch wieder einer in einem Zusatzinterview in diesem Heft warnen. Meinen letztjährigen Kommentar anläßlich des SPIEGEL-Artikels, was man generell von den künstlichen Hormongaben halten soll, habe ich jetzt für das eigene Archiv aufbereitet.

 

              

 

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