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FOREVER       Magazin für Physische Unsterblichkeit

 (5. Jahrgang)                                     Alternsforschung

                                                 Ending Aging                                                                                             Buch von Aubrey de Grey erschienen

Autor: Lothar Michael Muth ---------- Datum: 1.10.07

Anfang September erschien das lang angekündigte Buch des britischen Alternsforschers Aubrey de Grey (zusammen mit Co-Autor Michael Rae) zu den tieferen wissenschaftlichen Grundlagen des SENS-Projektes zur Überwindung des menschlichen Alterungsprozesses. Es trägt den Titel ‘Ending Aging’, Untertitel ‘The Rejuvenation Breakthroughs That Could Reverse Human Aging in Our Lifetime’, hat 400 Seiten und kostet 17,79 Dollar zuzüglich Versandkosten, da es vorläufig nur über die Seiten angloamerikanischer Buchversender zu beziehen ist. Ins Deutsche könnte man den Titel etwa mit ‘Das Altern beenden. Die Verjüngungsdurchbrüche, die das menschliche Altern noch zu unseren Lebzeiten aufheben könnten’ übersetzen. Der obige Link führt denn auch zum Nachweis des Buches auf amazon.com, der neben einer Kurzbeschreibung und dem Inhaltsverzeichnis auch einen Auszug aus dem ersten Kapitel als Extra-Anreiz bereithält. Darin beschreibt De Grey anschaulich den biographischen Moment, als sich bei ihm Kerneinsichten seines ganzen Ansatzes schlagartig verdichteten, was wiederum neue geistige Horizonte eröffnete, gewissermassen das ‘SENS-Eureka’, von dem sich all’ seine weiteren Überlegungen und Aktivitäten herleiten. Das Buch gliedert sich in drei Abschnitte und fünfzehn Kapitel, ist eine Mischung aus wissenschaftlicher Analyse, autobiographischen Elementen und populärem Sachbuch und bringt den neuesten Stand seiner Auffassungen zum Alterungsproblem zum Ausdruck, wie er sie seit mehreren Jahren schon in seiner Zeitschrift ‘Rejuvenation Research’, anderen wissenschaftlichen Artikeln oder auf seiner Homepage ausgebreitet hat.

Es ist sehr wahrscheinlich, daß die weitere Konjunktur seines ganzen Projekts in allererster Linie von der kurz- und mittelfristigen Rezeption seines Buches abhängen wird, sowohl durch die fachwissenschaftliche Kritik innerhalb der Alternsforschung als auch in der weiteren medialen Öffentlichkeit und nicht zuletzt anhand seiner Verkaufszahlen. Der seit 2005 massive Gegenwind durch Koryphäen seines Fachs, der zwiespältige Ausgang des SENS-Challenges im Sommer 2006, der kaum weitere öffentliche Resonanz nach sich zog, sowie die eher stagnierenden Spenden für die Methusalemmaus-Stiftung seit der (freilich an Bedingungen geknüpften und zeitlich begrenzten) Millionen-Zusage von Pay Pal-Gründer Peter A. Thiel vor gut einem Jahr zeigen deutlich, daß De Grey und SENS einen markanten Erfolg benötigen, um weiterhin das Gesetz des Handelns zu behalten und die benötigte Unterstützung für die ehrgeizigen Ziele zu aktivieren. Da er sich in der Vergangenheit allzu deutlich und allzu polemisch als Außenseiter, Kritiker und unkonventioneller Querdenker der Biogerontologie positioniert hat, als enfant terrible seiner Disziplin, wird sein Ansatz kaum einfacher Teil des üblichen akkumulativen Fortschrittsprozesses innerhalb seiner Wissenschaft werden. Erhält er daher nicht bald die von ihm seit langem geforderte finanzielle Förderung, dürfte es ihm längerfristig schwerfallen, den aktuellen Aufmerksamkeits- und Zustimmungspegel auch nur aufrechtzuerhalten, geschweige denn kontinuierlich zu erhöhen.

Für eine solche Unterstützung gibt es dabei prinzipiell drei Quellen. Zum einen wäre an privilegierte, begüterte und besonders motivierte Einzelne zu denken, aktuell wohl noch die wahrscheinlichste Option, siehe oben, Peter A. Thiel, zum anderen an eine medial und politisch verstärkte Massenbewegung, die über eine Vielzahl an kleineren Spenden die benötigten Gelder aufbringt. Von letzterem ist allerdings weit und breit wenig zu sehen, wenngleich eine solche Möglichkeit auch nicht ausgeschlossen ist, wobei man sich auch eine Kombination aus wenigen Großspendern und vielen Kleinspendern denken könnte. Die dritte Alternative dagegen, nämlich ein fachinterner Zusammenschluss innerhalb der Biogerontologie und verwandter Wissenschaftszweige zugunsten von de Grey und SENS, um über übliche akademische Institutionen und Fördertöpfe für wissenschaftliche bzw. technologische Großprojekte die geforderte Milliarde bereitzustellen, erscheint im Lichte der vergangenen Entwicklung der letzten Jahre und des konservativen Zuschnitts der biomedizinischen Alternsforschung nahezu ausgeschlossen.

Im Grunde muß De Grey zumindest auf einer taktischen und strategischen Ebene der Werbung für sein Projekt genau jene kurzfristigeren Motivationen und Zeithorizonte bedienen, die er sonst auf einer tieferen inhaltlichen Ebene mit der einseitigen Zuspitzung des Langlebigkeitswunsches auf die blosse Alterungsproblematik notorisch ausblendet - wahrlich ein ganz pikantes und eigentümliches Beispiel für die Wiederkehr des Verdrängten, die verschiedene irrationale Aspekte sowohl seines Auftretens wie von Teilen seiner Unterstützerszene verständlich macht. Altern ist eben zwar wichtig aber nicht dringend, um noch einmal dieses Kategorienpaar aus dem populären Zeitmanagement zu zitieren, jedenfalls nicht für all’ jene jüngeren Generationen, die prinzipiell nur für die potentiellen Erfolge von SENS in Frage kommen, wenn mindestens 25 Jahre für die Verwirklichung von ‘escape velocity’ anvisiert werden. Und damit hat man genau 25 ältere Jahrgänge schon aufgegeben und zwar immer genau jene, für die die pathologischen Probleme des Alterns tatsächlich in sich zuspitzender Weise dringend wären und werden, während das Engament für die Überwindung des Alterns bei den Jüngeren immer in ungünstige Konkurrenz mit anderen wichtigen aber eben auch DRINGENDEREN - weil zeilich näheren - Lebensaufgaben tritt: berufliche und materielle Existenzsicherung, Partnersuche/Familiengründung, äußere und innere Sicherheit, Gesundheit, Sinn, Lebensglück...

Im Moment besitzt De Grey jedenfalls zweifellos noch die Initiative, nicht nur durch die erfolgreiche Herausgabe seines Buches sondern auch mit der gerade beendeten Durchführung der 3. SENS-Konferenz (siehe eine entsprechende Kurzmeldung in News 29), seiner anhaltenden weltweiten Vortragstätigkeit oder auch seiner fortgesetzten Medienpräsenz wie z.B. einem kürzlichen Radioauftritt in einer New Yorker Radiosendung. Über die Resonanz auf sein Buch informieren dabei der News-Bereich im Forum auf der Seite der Methusalemmauspreis-Stiftung sowie ein entsprechender Diskussionsstrang im Forum des Immortality Instituts, in dem Anhänger von de Grey auch Ideen für die gezielte Weiterverbreitung von ‘Ending Aging’ austauschen. Eine eigene Besprechung wird es in FOREVER dagegen auf absehbare Zeit nicht geben, weniger aus Gründen des erschwerten Bezugs oder der in Deutschland sich sowieso in engen Grenzen haltenden Rezeption eines fremdsprachigen Werkes sondern weil eine genauere inhaltliche Bewertung fachlich qualifizierteren Geistern vorbehalten bleiben soll. Dafür werden an dieser Stelle kommende Buchbesprechungen und Kritiken aus externen Quellen aufgelistet, so sie denn zahlreich erscheinen, weshalb der geneigte Leser in größerem Abstand immer wieder einmal diese Seite aufrufen kann. Ein Hinweis auf entsprechende updates wird sich allerdings auch in der Rubrik ‘Kurz notiert’ in den aktuellen News finden.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden schon drei Rezensionen publiziert: eine am 8.9. auf den Online-Seiten des Wall Street Journals , eine zweite in einer Zeitung des US-Bundesstaates Utah am 16.9. und eine dritte in einem weiteren englischsprachigen Nachrichtenportal am 18.9.07.

 

                  

 

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