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FOREVER       Magazin für Physische Unsterblichkeit

 (2. Jahrgang)                                     Empirie

Die Grenzen der Demographie

Autor: Lothar Michael Muth ----------  Datum: 27.7.04

1. Der Diskussion um Frank Schirrmachers ‘Methusalem-Komplott’ sowie der damit verbundenen Debatten um die drohende Krise unserer sozialen Sicherungssysteme liegen bestimmte demographische Entwicklungen und Zukunftsszenarien zugrunde, die zwar weitgehend bekannt sind, die aber in ihren Eckdaten kurz

 

Methusalem-Komplott

 

skizziert werden sollen. Vor diesem Hintergrund lassen sich dann auch einige Aussagen über die prinzipiellen Grenzen demographischer Annahmen treffen.

Demographie ist eine Bevölkerungswissenschaft, die mit statistisch-mathematischen Mitteln Aussagen über den Aufbau, vergangene Veränderungen und zukünftige Trends der Bevölkerungsstruktur trifft, so z.B. über Geburten- und Sterberate, die Geschlechterverteilung, Wanderungsbewegungen und eben auch den grundlegenden Altersaufbau der Gesellschaft. Der langfristige Trend der Altersstruktur in Deutschland sowie in den übrigen westlichen Industrieländern ist dabei von einem kontinuierlichen Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung gekennzeichnet, der aus einer verbesserten Ernährung und Hygiene, gesunkenen Säuglings- und Kindersterblichkeiten, Überwindung anderer Krankheiten insbesondere der Infektionskrankheiten, verbesserten Arbeitsbedingungen, höherer Bildung, mehr Freizeit und weiteren Verbesserungen der allgemeinen Lebensumstände herrührt. Für lange Phasen der Prähistorie aber auch den überwiegenden Teil der bekannten Geschichte betrug die durchschnittliche Lebensdauer nur etwa 30 bis 35 Jahre. Einen ersten entscheidenden Anstieg gab es in Deutschland zwischen 1870 und 1910, wo sich dieser Wert um etwa ein Drittel von 37 auf 49 Jahre erhöhte, und worin sich neben dem allgemeinen Produktivitätsfortschritt durch die zunehmende Industrialisierung wohl vor allem auch die Bismarcksche Sozialgesetzgebung niedergeschlagen hat. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts erhöhte sich diese Zahl in mehreren Schüben noch einmal weiter um die Hälfte auf den heutigen Wert von 75 bis 80 Jahre, wobei Frauen im Durchschnitt etwa 6 Jahre länger leben als Männer.

Es sei hier auch noch einmal besonders die Eigenart statistischer Aussagen hervorgehoben, die immer nur von allgemeinen Durchschnittswerten sprechen und keine ungebrochene Gültigkeit für den je besonderen individuellen Einzelfall oder einzelne historische Etappen beanspruchen, die durchaus von einem gegenläufigen Trend gekennzeichnet sein können. Die konkrete Lebenserwartung eines einzelnen Menschen hängt von sehr vielfältigen Faktoren ab, die unter Umständen völlig außerhalb der statistischen Norm liegen, im positiven wie im negativen Sinne, wenn jemand z.B. zu bestimmten Risikogruppen gehört oder Krankheitsdispositionen aufweist etc. oder wenn er umgekehrt einen präventiven Lebensstil pflegt. ‘Durchschnittliche’ Lebenserwartung bedeutet daher statistisch-mathematisch zunächst nichts anderes als eine etwa 50%-ige Wahrscheinlichkeit das jeweils in einer bestimmten Gesellschaft und Zeit herrschende Durchschnittsalter zu erreichen. Das Erreichen eines geringeren Lebensalters ist dementsprechend mit einer höheren Wahrscheinlichkeit versehen, das Erreichen eines höheren Alters mit einer geringeren. Es sollte ebenfalls klar sein, daß all diese Zusammenhänge tatsächlich nur für die westlichen Wohlstandsländer gelten, da in weiten Teilen der Welt noch dramatisch schlechtere Lebensbedingungen und entsprechend niedrigere durchschnittliche Lebenserwartungen von teilweise sogar deutlich unter 50 Jahren existieren wie beispielsweise in manchen afrikanischen Ländern. Allerdings gibt es den Trend zum Anstieg der Lebensdauer weltweit, wie gerade auch Schirrmacher in seinem Buch hervorhebt, er wird in vielen Ländern aber noch durch den hohen Geburtenüberschuß überdeckt.

Für die projizierte Hochrechnung der Bevölkerungszahl und der Altersstruktur einer Gesellschaft in der ZUKUNFT ist vor allem eben auch noch die Geburtenrate sowie das Ausmaß der Immigration entscheidend. Für den bloßen Erhalt unserer Bevölkerung bei gegebener Sterblichkeitsrate müßte jede Frau im statistischen Durchschnitt etwa 2,1 Kinder zur Welt bringen. Mitte des 19. Jahrhunderts bekam eine Frau im Schnitt noch etwa 5 Kinder - bei allerdings extrem hoher Säuglings- und Kindersterblichkeit - heute sind es nur noch ca. 1,4, wobei die Geburtenrate gerade in Deutschland schon seit einigen Jahrzehnten auf einem ähnlich niedrigen Wert verharrt. Rechnet man auf Basis heutiger Geburten- und Sterbensraten die Entwicklung hoch, werden um 2050 daher etwa 15 bis 20% weniger Deutsche in Deutschland leben, also statt 82 Millionen nur noch ca. 65 bis 70 Millionen. Diese kleinere Bevölkerung wird außerdem eine andere interne Altersstruktur als die heutige aufweisen, da der Anteil der über 60-jährigen kontinuierlich zunehmen wird, von heute 20% auf vielleicht über ein Drittel um 2050. Alle diese statistisch-demographischen Zusammenhänge und Annahmen lassen sich auch graphisch darstellen, wodurch man zu der bekannten Gegenüberstellung des traditionellen Altersaufbaus der Gesellschaft zur heutigen kommt. In der Vergangenheit ergab der Zusammenhang zwischen alt und jung graphisch eine stilisierte Pyramide, wenn man die Entwicklung für Männer und Frauen komplementär getrennt abbildet, da vielen Jungen nur wenige Alte gegenüberstanden. Heute und in der Zukunft dagegen nähert sich dieser Graph mit der Zunahme und dem Überwiegen der Älteren immer mehr dem Schema eines Pilzes an, man vergleiche die obige mit der nebenstehenden Abbildung.

Auf den ersten Blick mag das alles ziemlich abstrakt erscheinen, die politisch-ökonomischen und höchst konkreten Konsequenzen aus diesen Zusammenhängen sind allerdings schnell zu verdeutlichen. Mit dem erreichten Niveau unserer durchschnittlichen Lebensdauer und der anhaltenden Geburtenschwäche kommt unser umlagefinanziertes Rentensystem in eine heute schon mit ziemlicher Sicherheit feststehende Schieflage, weil immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner finanzieren müssen. Die obigen Zahlen ließen sich dabei weiter differenzieren, denn es zählt hier natürlich nicht das absolute Verhältnis von jüngeren zu älteren Menschen, da nur die aktiv im Erwerbsleben stehenden mit ihren Rentenbeiträgen ins heutige System der Alterssicherung einzahlen. Dadurch entstehen deutlich dramatisch erscheinendere Proportionen von Beitragszahlern zu Rentnern, die in entsprechenden Büchern, Zeitungsartikeln, Diskussionen usw. unter dem Stichwort ‘Krieg der Generationen’ immer wieder neu problematisiert werden.

2. Im folgenden geht es nicht darum, bestimmte unbezweifelbare Schwierigkeiten, die auf uns zukommen, zu verharmlosen, aber es sollen doch einige zentrale Argumente angeführt werden, die in der allgemeinen Debatte entweder gar keine Rolle spielen oder völlig unterschätzt werden, um das ganze Problem in einem anderen Licht zu sehen. Frank Schirrmacher, der durch seinen alarmistischen Ton kräftig an der Dramatisierung des Generationenproblems mitwirkt, schreibt an einer Stelle seines Buches ‘Das Methusalem-Komplott’: ‘Die Tatsache, dass in all unseren demographischen Szenarien wissenschaftliche und medizinische Entdeckungen überhaupt nicht eingerechnet sind, lässt erwarten, dass wir keineswegs die extremste Prognose wählen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Medizin und Genforschung das Leben weiter verlängern oder den Alterungsprozess verzögern, ist zumindest groß genug, um Effekte noch in unser aller Lebenszeit zu erwarten.’(S.150)

Schirrmacher neigt dazu, diese herrschenden Ausblendungen eher noch als Verschärfung der skizzierten Schwierigkeiten anzusehen, aber das ist etwas zu kurz gedacht. Die Schlüsselkategorie bei der Frage, wieviel jüngere Menschen wieviel ältere ernähren können und auf welchem Wohlstandsniveau, sind keineswegs nur abstrakte Zahlenverhältnisse aus der Bevölkerungswissenschaft sondern besteht in der grundlegenden Produktivität unserer Volkswirtschaft! Theoretisch spricht daher überhaupt nichts dagegen, daß immer weniger jüngere Menschen immer mehr ältere ernähren können, vorausgesetzt, daß die Produktivität immer weiter ansteigt, was aber in der praktisch-politischen Umsetzung natürlich auch eine Frage des subjektiven Gerechtigkeitsempfindens, allgemeiner Legitimitätsvorstellungen und gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse wäre. Dieser kontinuierliche Produktivitätsanstieg fand in der Vergangenheit jedenfalls tatsächlich statt und hält unvermindert an, beschleunigt sich eher noch, so daß heutige Industriearbeiter mit hochwertigen Fertigungsmaschinen in einer geringeren Zeit ein Vielfaches an Gütern in verbesserter Qualität herstellen können als ihre Kollegen und Vorfahren vor 20 , 40 Jahren oder gar 100 Jahren. Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten noch fast 90% der Bevölkerung in der Landwirtsschaft, heute können dagegen weniger als 5% nicht nur alle übrigen Menschen ernähren sondern sogar noch Überschüsse für den Export produzieren. Einseitig negative Zukunftsszenarien sind daher schon allein aus diesem zentralen Grund nicht zwangsläufig sondern stellen immer nur EINE Möglichkeit unter verschiedenen alternativen Entwicklungssträngen dar.

Wie an anderer Stelle ausgeführt - siehe die entsprechende Rezension - ist es eine grundlegende Schwachstelle von Schirrmachers Buch, daß die Ausdehnung unserer Lebenserwartung in den meisten Fällen unter negativen Vorzeichen kommentiert wird. Statt ‘Hurra, wir leben länger!!’ heißt es zumeist nur ‘Ach du liebe Güte, wir werden immer älter!?’. Dabei geht ihm auch der Blick für längst schon eingetretene oder stattfindene Veränderungen z.B. unserer Altersselbstbilder verloren. Die Gerontologen stellen aber schon seit vielen Jahren fest, daß mit dem Trend zur Langlebigkeit auch eine sogenannte ‘Verjüngung’ des Alters einhergeht, sowohl was die äußere Erscheinung, die körperliche und gesundheitliche Fitneß aber auch die Selbstwahrnehmung angeht. Hielt sich beispielsweise vor 25 bis 30 Jahren noch die Mehrheit der über 70-jährigen für ‘alt’, so gilt dies heute nur noch für ein Drittel der über 75-jährigen, woraus z.B. auch Probleme im Marketing resultieren, die gar nicht mehr wissen, wie sie die Senioren der älteren Generationen ansprechen sollen, die gar keine ‘Senioren’ mehr sein wollen. Sollte sich dieser Trend tatsächlich fortsetzen, wie von Schirrmacher erhofft oder befürchtet, sollte es gar irgendwelche entscheidenden medizinischen Durchbrüche auf dem Weg zur körperlichen Unsterblichkeit geben, würde nichts dagegen sprechen, die heutigen Grenzen des Renteneintrittsalters deutlich anzuheben, vorausgesetzt die Arbeitsbedingungen verbesserten sich weiterhin kontinuierlich, wie sie das auch in der Vergangenheit getan haben. Dies ist allerdings kein technischer Automatismus sondern immer auch Ausdruck sozialer, politischer und gewerkschaftlicher Kämpfe bzw. Errungenschaften, und so, wie es zur Zeit und schon seit längerem im Kontext neoliberaler Globalisierungsvorstellungen aussieht, wäre ein Anheben des Renteneintrittsalters im Moment mehr gesellschaftlicher Rückschritt als eine konstruktive Lösung des drohenden Rentenproblems. Es versteht sich jedenfalls von selbst, daß echte Verjüngung, echte physische Unsterblichkeit, mit einer kompletten Abschaffung des Rentensystems einhergehen könnte, weshalb der immer wieder einmal vorgetragene Einwand, Unsterblichkeit würde unser Rentensystem sprengen, völlig lächerlich ist. Das gleiche gilt für den starken Rückgang der Geburten, der bei extremer Langlebigkeit stattfinden MUß, aber eben ja schon seit langem sowieso schon stattfindet, auf Basis sehr viel kleinerer Steigerungen der allgemeinen Lebenserwartung.

Der harte Kern jeglicher demographischer Prognosen betrifft einzig und allein die unbezweifelbare Tatsache, daß die jeweils existierenden Generationen einen spezifischen quantitativen Umfang besitzen bzw. eine Proportion von älteren zu jüngeren, die sich nicht über Nacht ändern läßt sondern nur im Laufe vieler Jahrzehnte. Alles, was die Demographen oder ihr Leserpublikum aber daraus ABLEITEN, ist mehr oder weniger plausible INTERPRETATION, je nachdem, ob spezifische Zusatzannahmen und -erklärungen zutreffend oder auch nur wahrscheinlich sind oder nicht. So ist es z.B. durchaus ‘wahrscheinlich’, daß die gegenwärtigen Geburtenraten auf dem aktuell niedrigen Stand verharren werden, SICHER ist das keineswegs, da sie sich theoretisch schon morgen verändern könnten. Man denke an den dramatischen Einbruch der Geburtenrate in Ostdeutschland nach der Wende, der zeigt, daß hier keine biologisch-medizinischen Faktoren ‘der Natur des Menschen’ wirken sondern sehr viel kurzfristigere sozioökonomische und kulturell-mentale Bedingungen. Menschen, die heute oder in den letzten 20 bis 30 Jahren nicht geboren wurden, können aber heute und in den nächsten 20 bis 30 Jahre keine Kinder kriegen, so daß sich in diesem Rahmen tatsächlich bestimmte Szenarien der Bevölkerungsentwicklung mit großer wissenschaftlicher Sicherheit vorhersagen lassen. Dies gilt vor allem auch deswegen, weil die Zahl der bereits existierenden Menschen in seiner grundlegenden Dimension immer schon feststeht.

Die Demographen bzw. ihre Interpreten neigen allerdings in fataler Weise dazu, zum einen bestimmte heutige Einzelerscheinungen aus dem gesellschaftlichen und historischen Gesamtkontext zu reißen, um sie linear in die Zukunft zu projizieren, siehe das Beispiel mit der Produktivität, zum anderen rechnen sie auch zuwenig mit systemischen Wechselwirkungen, die eben einfache lineare Projektionen und Extrapolationen verbieten. So schrieb beispielsweise Frederic Vester, der Mentor des systemischen Denkens, schon 1976 in seinem Buch ‘Phänomen Stress’ zu diesem Thema, ‘daß ein Geburtenrückgang wie bei uns immer nur eine vorübergehende Überalterung bedeutet. Sobald die jüngste Generation herangewachsen und die älteste ausgestorben ist, haben wir sowieso wieder einen gleichmäßigeren Aufbau. Wenn dann die Bevölkerungsdichte später insgesamt sogar auf ein vernünftiges Maß verringert ist - um so besser für die Population.’ (S. 307) An der gleichen Stelle weist er ebenfalls auf die unsinnige Vorstellung hin, eine Altersaufbau, der einer pyramidenartigen Struktur entspräche, sei in irgendeiner Weise besser oder gesünder als die heutige, denn Länder wie Indien oder Bangladesh, in denen massenhaftes Elend herrscht, seien gerade von solchen Bevölkerungsstrukturen geprägt. Ähnliches gilt für den quantitativen Umfang einer Bevölkerung überhaupt. Eine ähnlich systemisch-dialektische Rückwirkung, wie von Vester generell beschrieben, tritt beim vielbeschworenen ‘Krieg der Generationen’ auf, da etwa die wenigen jungen von den vielen alten noch viel mehr erben könnten, als es heute schon bei der oft zitierten Erbengeneration der Fall ist. Kritische Wirtschaftswissenschaftler weisen beim vielzitierten Thema der sich zuspitzenden Staatsverschuldung auch noch gerne darauf hin, daß kommende Generationen nicht nur die Schulden sondern als Gläubiger auch die Anrechte auf die Schuldtitel erben würden. Auch durch diese politökonomischen Zusammenhänge stellt sich ‘die Krise des Rentensystems’ politisch sofort völlig anders dar als in gängigen Szenarien gezeichnet. Analoges gilt für sämtliche Negativprognosen in einer außenpolitischen Linie, wo aktuelle kriegerische Konflikte, Kulturkämpfe, Einwanderungsprobleme u.ä. umstandslos und monokausal in eine fernere Zukunft verlängert werden, aber auch hier kann man mit gleichem Recht auch positive Veränderungen erwarten, wenn Demographie nicht einfach nur eine Unterabteilung eines spezifisch modischen Kulturpessimismus sein soll.

Demographen neigen dazu, die heutige Normalität in die Zukunft zu projizieren, als seien die Gegenstände ihres Wissensgebietes die einzigen, die sich veränderten. In Wirklichkeit gehören sie nur zu den wenigen, die sich tatsächlich BERECHNEN lassen, während das, was beispielsweise nur schon an kulturellen, politischen, sozialpsychologischen und individualpsychologischen Faktoren in die Entwicklung der Geburtenrate miteingeht, MIT ALLEM ÜBRIGEN kompliziert und letztlich unberechenbar zusammenhängt. Man sollte ein Gespür für den Unterschied demographisch prognostizierbarer Fakten und bloßer überzogener Interpretationen dieser Fakten entwickeln, um Wahrheit und Ideologie auseinanderhalten zu können.

 

          

 

Es scheint allerdings, daß die Beliebtheit demographischer Argumente gerade an diesem Aspekt der Berechenbarkeit in einer prinzipiell unberechenbaren Welt liegt. Daß Negativprognosen überwiegen oder zumindest die öffentlichen Debatten prägen, kann man dabei aber auch an einer so grundlegenden wie eigentümlichen Ausblendung des demographischen Blickwinkels festmachen, der immer nur statistisch-mathematisch von allgemeinen Durchschnittswerten und kollektiven Erscheinungen spricht, aber nie die subjektiv-individuelle Perspektive berührt. Der TOD ist aber eine existentielle Qualität, die sich primär auf der individuellen Ebene und dort mit großer Berechenbarkeit manifestiert - jedenfalls unter den Vorzeichen des konventionellen Denkens - so daß einseitig-verzerrte negative Kollektivszenarien auch als bloße Projektion des drohenden individuellen Schicksals des Demographen SELBST verstanden werden können bzw. des Schicksals seiner Interpreten.

(PS: Dieser Text erschien zuerst in der Empirie-Rubrik von FOREVER Nr. 5 Ende Juli 2004.)

                  

 

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