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5.11./Alternsforschung:
Technology Review zu positiven Nebeneffekten der Alternsforschung
Ein ausführlicher Text in der Novemberausgabe der
deutschen ‘Technology Review’ liest sich wie eine Fortsetzung oder kritische Ergänzung der Spektrum-Titelgeschichte von Oktober über die neueren Ansätze und Ergebnisse der experimentellen Alternsforschung zur
Kalorienreduktion bzw. zu genetischen Regulationsmechanismen, die mit altersbedingten Krankheiten in Verbindung stehen sollen (siehe News 26). Der neue Beitrag machte einerseits klar, daß die
Zusammenhänge keineswegs schon so eindeutig und bewiesen sind, wie es der Spektrum-Artikel zumindest nahelegte. Zum anderen stellte er heraus, daß Forscher wie Sinclair oder Guarente bzw. Firmen wie Elixir Pharmaceuticals, die mit ihnen in Verbindung stehen, sich in ihrem expliziten Selbstverständnis keineswegs primär als unspezifische Lebensverlängerer sehen, sondern daß die Kernintention in der Entwicklung von Medikamenten gegen ganz bestimmte altersbedingte Krankheiten besteht. Diese Umkehrung der Intention und Motivation war auch der zentrale Aufhänger des ganzen Artikels, in dem der Wunsch nach Langlebigkeit und die ganze Alternsforschung in einer Art mehr oder weniger gewolltem Nebeneffekt zu neuen Behandlungsmethoden oder Medikamenten gegen Alterskrankheiten führe. Ganz abstrakt gesehen erscheint diese Gegenüberstellung als ein unreflektierter, unfruchtbarer und künstlich- bis irreführender Gegensatz, denn es war schon immer klar, daß niemand am Altern an sich stirbt sondern der Tod geht immer nur mit altersbedingten Krankheiten einher, die mit steigendem Lebensalter exponentiell zunehmen. So arbeitete der Text dementsprechend auch ganz richtig heraus, daß umgekehrt eine effektivere Behandlung von Alterskrankheiten logischerweise auch mit einer Verlängerung des Lebens einhergehe. Nur: das ist nichts neues sondern war schon immer so!?
Aus der forschungspraktischen und ökonomischen Perspektive der beteiligten Wissenschaftler löst sich dieser Widerspruch aber durchaus auf, denn
deren Interesse ist auf patentierbare Stoffe oder Verfahren gerichtet, die sich auf definierbare und abgrenzbare Symptome und Krankheitsbilder beschränken müssen, wenn sie konkret anwendbar und einsatzfähig sein
sollen. Aubrey de Grey hat diese Herangehensweise der konventionellen experimentellen Gerontologie und der Geriatrie, die sich immer nur auf die - aus seiner Sicht - ‘Spätfolgen’ bzw. auf die pathologischen Manifestationen des allgemeineren Alterungsprozesses konzentriert, zwar einer fundamentalen Kritik unterzogen und verfolgt mit seinem SENS-Projekt einen anderen wenngleich hochumstrittenen Ansatz. Trotzdem klingt in diesem Artikel an, daß sich genaugenommen ein grundsätzlicher Wandel auch in der herkömmlichen Alternsforschung anzubahnen beginnt, in dem die Bekämpfung einzelner Alterskrankheiten prinzipiell viel effektiver wäre, wenn man tieferliegende und allgemeinere Alterungsprozesse gezielt beeinflussen könnte. Letzlich ist schliesslich auch der Ansatz von Sinclair/Guarente schon auf einer solch allgemeineren oder tieferen Ebene angesiedelt, da sie in der Gruppe der Sirtuine oder ähnlicher Enzyme bzw. genetischer Regulationssysteme molekulare Schalter sehen, deren effektive Manipulation gleich eine ganze REIHE altersbedingter Krankheiten verhindern soll. Es scheint dagegen umgekehrt das Problem von de Grey und SENS zu sein, daß hier zwar auf methodologischer Ebene ständig ein praktisch orientierter ‘Reparaturansatz’ beschworen wird, der aber zunächst und für viele Jahrzehnte auf die typische Grundlagenforschung hinausläuft, deren ‘problem-’ oder ‘rätsel’orientierte Grundhaltung er sonst ununterbrochen polemisch attackiert. Ähnliches gilt übrigens für die Streitfrage, ob sein Verständnis von ‘Reparatur’ tatsächlich in einem Gegensatz zu den üblichen Präventionsstrategien steht, die er ebenfalls angreift, denn in Bezug auf die klinische Manifestation von konkreten Alterskrankheiten zielt SENS natürlich ebenfalls auf die präventive Verhütung spezifischer Alterssymptome, die er nur anders und umfassender definiert. Je weiter er freilich weg ist sowohl vom herrschenden Krankheitsverständnis in der Medizin und in der Arzneimittelforschung wie vom subjektiven Erleben der Betroffenen, desto schwerer dürfte es ihm fallen, das gewaltige Potential an finanzieller Investions-, Förder- und Spendenbereitschaft in ausreichendem Maße zu mobilisieren.
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5.11./Besprechung:
Zeitschriftenschau November 2006
In den übrigen Novemberausgaben großer
Zeitschriften finden sich folgende interessante Texte und Artikel: Sowohl ‘Spektrum’ wie ‘natur und kosmos’ bringen weitere Besprechungen von Al Gores Klimadokumentation ‘Eine unbequeme Wahrheit’; ‘Geo’ zeigt sehr
anschaulich anhand der genetischen Steuerung der Entwicklungsstadien von Insektenpuppen, daß die genetischen Regulationsmechanismen sehr viel komplexer sind als bislang gedacht. Ein zweiter Beitrag widmet sich den
neuen aber zwiespältigen Möglichkeiten der Gendiagnostik; ‘National Geographic Deutschland’ interviewt E.O.Wilson, den Begründer der Soziobiologie, zu Fragen des Artenschutzes, des Kreationismus und des Klimawandels; ‘Psychologie Heute’ bringt eine kurze Nachricht
über die Langlebigkeit der Japanerinnen, die im internationalen Vergleich führend sind, eine Buchbesprechung zum Thema ‘Gottes-Gen’ und vor allem ein ausführliches Interview mit einem emeritierten Professor der
Medizin zum grundlegenden Verhältnis von Körper und Psyche in der Medizin bzw. zur ‘neurobiologischen Unterfütterung’ der Psychosomatik; ‘P.M.’ interviewt einen evangelischen Theologen zum blasphemischen Gehalt von
Dan Browns Mega-Bestseller ‘Sakrileg’ (dessen Verfilmung mit Tom Hanks seit Anfang November auch als DVD erschienen ist); der Titelschwerpunkt ‘Sterben’ der ‘Osho-Times’, die sich der Verbreitung des Werks des einst
als ‘Sexguru’ titulierten Bhagwan Shree Rajneesh (oder eben ‘Osho’) verschrieben hat, bringt geradezu idealtypische Texte zur spirituellen Begründung von Todesakzeptanz, wie sie weit über die entsprechende Szene hinaus verbreitet ist:
‘Der Tod ist gewiss’ (Kommentar folgt, der Link führt nur zur Online-Kurzfassung einer der Schwerpunkttexte); die Frauenzeitschrift ‘Madame’ enthält ein 52-seitiges Special zum Thema ‘Best Aging’, in dem es vornehmlich um die Bewahrung jugendlicher Schönheit, um Hautpflege-, Ernährungs-, Fitness- und Gesundheitstips geht sowie um frauenspezifische Fragen der Veränderung des Selbstbildes mit voranschreitendem Alter; das Frauen-Gesundheitszeitsmagazin ‘Healthy Living’ bringt eine recht einfach gestrickte aber anschauliche Erläuterung der sogenannten ‘Mittelmeerdiät’ und des ‘französischen Paradoxons’, die beide eine wichtige Rolle im Anti Aging spielen; Heft 12/06 der Zeitschrift ‘Süddeutsche Wissen’
berichtet so anschaulich wie erschreckend über die Sozialpsychologie von Selbstmordattentätern und deren kulturelle Hintergründe; schon im September-/Oktoberheft der Zeitschrift ‘Novo’ (Nr. 84) stand ein weiterer Text des britischen Soziologen Frank Furedi zur Kritik von Negativprognosen:
‘Der Terror der Untergangspropheten’ (zu Furedi, siehe allerdings auch News 25, unter 1.) und hingewiesen sei schließlich auch noch auf die Anti
Aging-Kolumne von Peter Ragnar in der vierteljährlich erscheinenden Ken Wilber-Zeitschrift ‘Was ist Erleuchtung?’ In der Herbstausgabe der WIE (Nr. 21) lautet seine Überschrift: ‘Du bist nicht dement, du bist nur dehydriert’. Der US-Amerikaner Peter Ragnar ist ein westlicher Taomeister und seit diesem Jahr auch Imminst-Mitglied, falls ihn der dort herrschende Szientismus nicht schon wieder vertrieben hat, wie man aus einigen Diskussionsverläufen im Sommer schliessen könnte.
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7.11./Alternsforschung:
SPIEGEL-Online über Mäuse und Resveratrol
SPIEGEL-Online setzte die Berichterstattung zur
experimentellen Alternsforschung Anfang November mit gleich zwei neuen Beiträgen fort. Am 2.11. wurden die Ergebnisse einer neuen Studie zur Wirkung von Resveratrol auf übergewichtige Mäuse dargestellt, die ähnliche Schlüsse wie in der Spektrum-Titelgeschichte von Oktober (s.o.) nahelegen, nach der dieser Stoff spezifische Gene bzw. Enzyme und Selbstheilungskräfte des Organismus aktiviert, die die Krankheitswahrscheinlichkeit senken und damit indirekt die Lebenserwartung erhöhen. Diese ursprünglich jüngst in ‘Nature’ veröffentlichte Untersuchung hat generell eine größere Publizität erhalten und auch im (englischssprachigen) Forum des Immortality Instituts starke
Resonanz ausgelöst, wo die potentiell lebensverlängernde Wirkung von Resveratrol-Präparaten schon seit längerem diskutiert wird. (Vorsicht, insbesondere der zweite Diskussionsstrang hat einen sehr großen Umfang!) Bei manchem vehementen Verfechter des Stoffes scheint allerdings ein monokausales und eher unkritisches Wunschdenken vorzuherrschen, wenn man Ergebnisse an Fischen und Mäusen bzw. die fragwürdigen Selbstversuche renommierter Forscher wie von David Sinclair schon als ausreichende Bestätigungen für die segensreiche Wirkung auch beim Menschen ansieht. Dabei werden die expliziten Warnungen von Sinclair selbst, seinem Beispiel zu folgen (‘bis wir mehr wissen’) genauso in diesen Diskussionssträngen zitiert wie andere wissenschaftliche Quellen, die deutlich zeigen, daß die Wissenschaft weder eindeutige Beweise dafür besitzt, ob Resveratrol beim Menschen wirkt, ob es gar lebensverlängernde Wirkungen besitzt, wie es wirkt und vor allem auch in welcher
Dosierung es wirken könnte. Zu Resveratrol gibt es dabei mittlerweile über 1000 Studien, die sich teils widersprechen oder die teils offenlassen müssen, ob andere interne und externe Umstände wie z.B. weitere Nahrungsbestandteile die eigentliche Wirkung oder auch nur die Resorbtion des Stoffes und seine Verarbeitung im Körper mitbedingen oder modifizieren.
Die Frage der Dosierung entfaltet dabei auch ganz praktisch-finanzielle und im weiteren dann wieder soziale Konsequenzen. Reichen Spurenelemente aus, langt eine entsprechende und
preiswerte Diät; benötigt man höhere Dosen, braucht man zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel, deren regelmäßige Einnahme auch psychologisch einen spezifischen Einschnitt bedeutet; wären aber tatsächlich gar
Hochdosierungen von mehreren Milligramm pro Kilo Körpergewicht und Tag für die relevanten Effekte notwendig, wie von einigen behauptet, addieren sich die Kosten pro Monat bei den aktuellen Marktpreisen der
entsprechenden Präparate schnell mal auf mehrere hundert Dollar pro Person! Letzteres könnte sich dann nur noch der wohlhabendere Teil der Gesellschaft auf Dauer leisten, wie sich allerdings auch umgekehrt der Druck
auf die Beweislage für die behaupteten Wirkungen bei solchen Preisen erhöht. (Es entstehen auch indirekte Konkurrenzphänomene zu anderen Langlebigkeits- und Unsterblichkeitsstrategien, von weiteren teuren
Nahrungsergänzungsmitteln, über die Hormonersatztherapie oder dem umfassenden Anti Aging-check up, über Mitgliedschaften und Spendenbereitschaften z.B. für den Methusalemmauspreis bis hin zur Kryonik usw.)
Einen kritischen Kommentar zum Thema, der u.a. die ökonomische Interessensverflechtung von Sinclair anspricht, liest man übrigens auch im Gesundheitsblog der ZEIT, unter dem Datum vom 1. November: ‘Das fette Wunder’.
Inwiefern es generell sinnvoll ist, mittels einer Art von Medikament jene Art von Wirkung zu erzielen, die prinzipiell auch durch eine einfache
Lebensstiländerung erreichbar ist, wäre dabei wiederum eine ganz andere Frage. Im Einzelfall mag das als psychologisch-praktische Unterstützung durchaus hilfreich sein, als generelle Grundorientierung ist es völlig
verfehlt, da Langlebigkeit immer den individuellen Wunsch und Willen als primäre Grundbedingung voraussetzt. Bei morbiden und lebensfeindlichen Grundhaltungen ist dagegen die bloße Symptomverschiebung in immer neue und noch weitgehend unerforschte Krankheitsbilder schon vorprogrammiert, der auch die fortgeschrittenste High Tech-Medizin nie Herr werden könnte, weil sie immer zu spät käme.
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7.11./Alternsforschung:
SPIEGEL-Online: Herabgesetzte Körpertemperatur und Lebenserwartung
In einem anderen Beitrag auf SPIEGEL-Online wurde dagegen am 3.11. von einer Studie
berichtet, daß Mäuse, deren Körpertemperatur durch einen genetischen Eingriffe herabgesetzt ist, ebenfalls eine längere Lebenserwartung aufweisen. Der Text problematisiert auch die damit potentiell verbundenen ethischen Probleme beim Menschen, wie ja generell alle Forschungsansätze, die an der menschlichen Keimbahn ansetzen, zu extrem langen Zeitperspektiven führen und auch nur wenig Bedeutung für die jetzt schon lebenden Menschen besitzen. Allein schon nur diese drei Punkte zusammengenommen - und von allen Fragen der unterentwickelten Machbarkeit noch ganz abgesehen - lassen die Erwartungen an praxisrelevante Ergebnisse aus den entsprechenden Forschungszweigen in überschaubarer Zeit ziemlich zusammenschrumpfen.
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14.11./Alternsforschung:
New York-Times über neuere Ansätze zur Kalorienreduktion
Anlässlich einer Langzeitstudie mit
Rhesus-Affen der Universität Wisconsin berichtete die New York Times am 31.10. ausführlich über neuere Forschungsergebnisse zur Kalorienrestriktion: ‘One for the Ages: A Prescription That May Extend Life’. Caloric restriction, also die eingeschränkte Zufuhr von Nahrungsmitteln, gilt als die einzige gesicherte Methode, die durchschnittliche
Lebenserwartung bei Tier und Mensch um bis zu 30% zu erhöhen. Der Artikel stellte die vielversprechenden Aussichten dieses Ansatzes, die sich in den jüngsten Resultaten zu bestätigen scheinen, seine
wissenschaftshistorischen Hintergründe aber auch die kontroverse wissenschaftliche Diskussion dar, da der behauptete Lebensverlängerungseffekt beim Menschen auf Grund von anderen Befunden umstritten ist, zumindest
in diesem Ausmaß. Problematisch sei vor allem die psychologisch-praktische Umsetzung, da die dauerhafte Anstrengung einer verminderten Nahrungszufuhr den möglichen Effekt nicht wirklich aufwiege. Trotzdem zeigten
die neueren Ergebnissen immer deutlicher, daß der Alterungsvorgang plastisch und beeinflussbar sei und keineswegs so starr z.B. genetisch festgelegt, wie es lange Zeit Wissenschaft und Alltagsbewußtsein angenommen hatten.
Der Text stellte außerdem eine Verbindung zur aktuellen Forschung über die potentielle lebensverlängernde Wirkung von Resveratrol her - siehe
oben, 7.11. - da dieser Stoff eventuell die positiven Gesundheitswirkungen der Kalorienbeschränkung simuliert, freilich ohne mit deren Nachteilen behaftet zu sein. Die optimistische Einschätzung von Richard Miller, Pathologe der Universität Michigan, wurde dabei zitiert, der die generalisierende Wirkung der Kalorienrestriktion auf gleich ein ganzes Bündel von altersbedingten Krankheiten hervorhob, so daß eine Substanz, die diesen Effekt therapeutisch gezielt hervorrufen könnte, nicht nur ein Milliardengeschäft für die Pharmaindustrie wäre sondern die durchschnittliche gesunde und vitale Lebenserwartung auf 112 erhöhen würde, mit Spitzen der maximalen Lebenserwartung von 140! (Miller ist interessanterweise in der polemischen Kontroverse mit Aubrey de Grey als ‘Pessimist’ aufgefallen!?) In diesem Zusammenhang wurde zudem die Initiative der ‘Langlebigkeitsdividende’ erwähnt, in der führende Alternsforscher und darunter auch Miller in den letzten Monaten eine deutliche Erhöhung der US-Ausgaben für die Alternsforschung verlangt haben, um der drohenden Steigerung der Ausgaben im Gesundheitswesen auf Grund der demographischen Entwicklung Herr zu werden (siehe
News 22). Dies geht vor allem auch mit einer Art Paradigmenwechsel bei der Bekämpfung von Alterskrankheiten einher, in dem man sich weniger auf einzelne konkrete
Krankheitsbilder konzentrieren will, um sich vermehrt den tieferliegenden allgemeineren Alterungsprozessen zuzuwenden. Gegen Ende wurden schliesslich noch Einwände des konservativen Bioethikers Leon Kass zitiert,
der den Tod und die Begrenztheit der Lebensspanne glorifizierte, was aber mit einer Schlussaussage von David Sinclair gekontert wurde: ‘Es ist einfach eine riesige Verschwendung von Weisheit und Talent, wenn die
Menschen mit Mitte 60 oder Mitte 70 sterben.’
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15.11./Zitate:
‘Altersrabatt gibt’s leider nur bis 100!’ (Aktuelle Werbung der Apollo-Optikerkette zu einem Bild von Johannes Heesters
(‘geb. 1903’), die pro Lebensjahr 1% Rabatt für ihre Brillenfassungen gewährt. Darunter steht noch: ‘Länger leben lohnt sich!’)
‘Ich fühl mich nicht wie 102, ich fühl mich nur wie 100.’ (Johannes Heesters Mitte Oktober bei einer Preisverleihung.)
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21.11./Alternsforschung:
Paul Baltes gestorben
Professor Paul B. Baltes, einer der renommiertesten
Altersforscher Deutschlands, ist am 7. November in Berlin gestorben. Er erlag im Alter von nur 67 Jahren einem Krebsleiden. Von Hause aus Entwicklungspsychologe war Baltes u.a. langjähriger Direktor des Berliner
Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Initiator und Leiter der Berliner Altersstudie und Gründer des Max Planck International Research Network on Aging (MaxNetAging). Einerseits beschrieb und erforschte er
seit langem die neuen Möglichkeiten des sogenannten dritten Lebensalters, ‘der jungen Alten’, war aber andererseits eher pessimistisch, was die Aussichten der Hochaltrigen ab 80 Jahre aufwärts, ‘der alten Alten’,
anging. Eine anschauliche Erläuterung von Baltes zur Unterscheidung des dritten und vierten Lebensalters war erst im Magazin ‘Süddeutsche Wissen’ Nr.8 im Frühjahr diesen Jahres zu lesen, siehe die Besprechung
‘100 Jahre - na und?’. Dort findet man auch eine Kritik an der tendenziell zu starren und schematischen Interpretation dieser an sich nützlichen Differenzierung. In einer Kontroverse
in der Wochenzeitung ‘DIE ZEIT’ schon im Frühjahr 2005 mit James Vaupel, Direktor des Max-Planck-Instituts für demographische Forschung in Rostock, über die weitere Entwicklung der durchschnittlichen Lebenserwartung
vertrat er dementsprechend den konservativen und warnenden Part, da er von nahenden Grenzen der bislang anhaltenden Steigerung der Lebensalter ausging, die mit tieferliegenden biologischen und genetischen
Bedingungen zu tun hätten, siehe zwei verschiedene Texte in News 15
. Zusammen mit dem Bio-Psychologen Frank Rösler prägte er den Begriff des ‘biokulturellen Ko-Konstruktivismus’, um die komplexen Wechselwirkungen von
biologisch-natürlichen mit kulturellen bzw. sozialen Einflußfaktoren auf das menschliche Verhalten auf einen theoretischen Nenner zu bringen, siehe News 12. Dies besitzt gerade auch für ein integrales Verständnis von Alternsforschung eine entscheidende Bedeutung, da Alter und Altern sowohl biologisch-medizinische
als auch soziale und psychologische Aspekte aufweisen, die sich wechselseitig bedingen, verstärken und immer weiter aufschaukeln. Paul Baltes kann damit als einer der Pioniere einer wirklich interdisziplinären
Herangehensweise innerhalb der Alternsforschung gelten, die zwar in Lehrbüchern und Festreden oft beschworen aber im Forschungsalltag nur selten praktiziert wird.
In dem Text ‘Der Umfang der Forschung’ wurde schließlich hier schon vor zwei Jahren eine Auskunft von Baltes als Sachverständiger vor einem Bundestagsausschuss als zentrale Quelle benutzt, um die nationalen wie die internationalen Ausgaben für die Alternsforschung in einer ersten groben Annäherung abzuschätzen. Baltes hatte damals in einem spezifischen Vergleich mit den entsprechenden Forschungsausgaben in den USA eine gravierende Unterausstattung der Alternsforschung in Deutschland festgestellt und unter Hinweis auf die sich abzeichnende demographische Entwicklung eine deutliche Erhöhung gefordert. Mit anderen Worten: er hat schon vor vier Jahren die Sache der ‘Langlebigkeitsdividende’ betrieben, bevor dieser Begriff und diese Initiative überhaupt in der Welt waren, da es für den seit vielen Jahren informierten Experten wohl selbstverständlich erschien, daß man mit einer kurzfristigen Steigerung von Forschungsaufwendungen mittel- und langfristig sehr viel größere finanzielle Kosten im Gesundheitswesen würde einsparen können. Auf der
Internet-Seite von Baltes liest man übrigens nicht nur den Nachruf seiner Kollegen vom Max-Planck-Institut, sondern dort sind auch eine ganze Reihe von Nachrufen aus den Medien verlinkt bzw. eingescannt, so z.B. aus der FAZ vom 10.11., dem Berliner Tagesspiegel vom 10.11. oder der ZEIT vom 16.11.06.
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22.11./Zitate:
‘(...) but take your time - think a lot - think of everything you’ve got,
for you will still be here tomorrow - but your dreams may not. (...)’
(Aus dem Song ‘Father and Son’ von Cat Stevens alias Yusuf Islam, der nach über 25 Jahren nun eine neue Platte herausbringt, nachdem er in der zweiten Hälfte der 70er zum Islam konvertiert war. Diese religiöse Konversion hatte mit einer dramatischen Begegnung mit dem Tod zu tun, da er damals beinahe beim Schwimmen im Meer ertrunken wäre, wie in einem kürzlichen Interview mit dem STERN zu lesen war.)
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26.11./Klimawandel:
Aktuelle Medienberichte zum Klimawandel
Anlässlich der Welt-Klima-Konferenz in Nairobi brachte die Ausgabe der ZEIT vom 16.11. erneut einen Schwerpunkt zur drohenden Klimaerwärmung, nachdem sie diesem Thema zur Premiere von Al Gores Klimadokumentation erst Anfang Oktober mehrere Beiträge gewidmet hatte, siehe
News 26. Der Leitartikel von Bernd Ulrich stellte die vorherrschende Angststrategie von Klimaschutzaktivisten und -organisationen in Frage, ohne allerdings die Tatsache
des Klimawandels selbst anzuzweifeln, der man sich mit einer sachlicheren bzw. konstruktiveren Haltung stellen müsse. Eine einführende Übersicht zur aktuellen Lage arbeitete u.a. das Trittbrettfahrerproblem
bzw. das Problem der mangelnden Anreize für viele Staaten heraus, sich aktiv am Klimaschutz zu beteiligen. Rettende Maßnahmen würden hier und heute gewaltige finanzielle Beträge kosten, wobei die positiven
Auswirkungen erst in einigen Jahrzehnten zu sehen sind, von denen auch solche Staaten profitierten, die sich um eigene Beiträge drücken wollten, eben die ‘Trittbrettfahrer’. Dies und die Schwierigkeit weit über
hundert Nationen, transnationale Konzerne und das Alltagsbewußtsein von Milliarden Menschen unter einen Hut zu bringen, behindere die Konsensfindung erheblich, wobei ein Vorschlag im Raum steht, daß einige wenige
große Staaten, die über 80% der Bevölkerungen der Welt und der CO 2-Emissionen repräsentieren, eigenständig vorangehen sollten, um den Abstimmungsprozess zu vereinfachen.
In drei weiteren Texten wurde die spezielle Situation in China, in Australien und auch in Großbritannien dargestellt, das politisch immer mehr
eine Vorreiterrolle einzunehmen scheint. Ein zusätzlicher Artikel schilderte anhand von Beispielen aus Jared Diamonds Bestseller ‘Kollaps’, wie alte Kulturen durch ökologisches Versagen untergegangen sind oder
dieses Schicksal doch noch in letzter Sekunde abwenden konnten. In einem Interview
mit David Rees, führender Astrophysiker und Vorsitzender der britischen Royal Society, der auch Premier Tony Blair berät, fand sich schließlich u.a. folgende Passage. ZEIT:
‘Geht es beim Klimawandel wirklich um Leben und Tod unserer Zivilisation?’ Rees: ‘Nicht auf kurze Sicht. Aber wenn wir nichts dagegen tun, werden es unsere Nachkommen in 50 oder 100 Jahren uns anrechnen, dass die
Polkappen abschmelzen und die meisten Städte unbewohnbar werden. Wir haben noch die Wahl. Künftige Generationen nicht mehr.’
Die Titelgeschichte des SPIEGEL schon vom 6.11. widmete sich aus dem selben Anlass unter der Überschrift ‘Achtung, Weltuntergang! Wie gefährlich
ist die globale Erwärmung wirklich?’ dem gleichen Thema. Hier wurde u.a. klar, daß es wohl ökonomisch noch machbar wäre, sich auf die Kompensation der Folgeschäden einer weltweiten Temperaturerhöhung von
durchschnittlich zwei Grad zu beschränken, um dafür eine Erhöhung bis zu fünf Grad mit allen Mitteln zu verhindern. Dazu müssten die CO 2-Emissionen bis 2050 nur um ca. 25% vermindert werden, bezogen auf den CO
2-Ausstoss des Jahres 1990. Das ehrgeizigere wenngleich ökologisch sinnvollere Ziel einer Reduzierung um 5O % könnte dagegen eventuell sowohl die Weltwirtschaft als auch den kollektiven politischen Willen
überfordern, da nicht nur unterschiedliche Interessen, Bewußtseinslagen oder nationale Ressourcen im Spiel sind, sondern sich die Auswirkungen des Klimawandels auch noch einmal regional wie lokal jeweils verschieden
darstellen. Je nach Ausmaß der Erhöhung und je nach Region gibt es beispielsweise partiell oder kurzfristig sogar Gewinner der Temperaturerhöhung, z.B. durch höhere Ernteerträge in den nördlichen Ländern, sinkende Heizkosten, Umsatzsteigerungen in Touristenregionen u.ä., wie umgekehrt Küstenregionen, Wüstenregionen, ärmere Länder etc. stärker betroffen wären. Der ‘Weltuntergang’ im eigentlichen Sinne fände sowieso nicht statt, wohl aber sei mit katastrophalen politischen, wirtschaftlichen und natürlich auch gesundheitlichen Verwerfungen zu rechnen, von denen Abermillionen direkt und indirekt über die globalen Verflechtungen so gut wie alle betroffen sein würden.
Der Klimawandel und seine Folgen ist auch das Titelthema der Dezemberausgabe der ‘Technology Review’, wobei man auch hier davon ausgeht, daß die Tatsache selbst Fakt ist und nur noch die Folgen abgemildert und abgebremst werden können, wenn rechtzeitig ausreichende Maßnahmen ergriffen werden. (Der Link führt zu einer kurzen Zusammenfassung der Titelgeschichte, wobei im Kontextmenü verschiedene Basisinformationen zum Thema abgerufen werden können.) Aus immortalistischer Sicht ist klar, daß es keine extreme Langlebigkeit auf einem Planeten mit einem gekippten Klima geben kann, und sei es ‘nur’, weil die damit einhergehenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Krisen einem das Leben so sehr erschweren, daß man die Überlebens-Mittel oder auch schlicht den Lebensmut verliert. Wie generell im Zusammenhang mit der ökologischen Krise scheint eine wirkliche rettende Massenbewegung solange unwahrscheinlich, wie der allgemein herrschende Zukunftspessimismus das Alltagsbewußtsein bestimmt. 2050 sind die meisten heutigen Erwachsenen sowieso tot oder hoch im Rentenalter. Krisenbeschwörungen mit einer solch extrem fernen Zeitangabe können daher nur bei den allerwenigsten an konventionelle Motivationsstrukturen anknüpfen und selbst der Appell des Einsatzes für die eigenen Kinder und Kindeskinder setzt ja voraus, daß ein solcher Nachwuchs vorhanden wäre. Dies ist aber immer weniger der Fall, abgesehen davon, daß auch hier die zeitliche Nahstruktur von motivierenden Gefühlen völlig unterschätzt wird, denn wer denkt schon wirklich an die Lebenswirklichkeit seiner Enkel und Urenkel in fünfzig oder hundert Jahren. Der aktuelle Zukunftspessimismus hat sicherlich viele Gründe, aber er dürfte nicht zuletzt auch aus der verdrängten Sterblichkeit von säkularen Rationalisten resultieren, durch die der Zukunftshorizont in einer viel fundamentaleren Weise beschnitten ist als durch die jeweiligen kollektiven Bedrohungen, seien sie nun ökologischer, politisch-militärischer oder wirtschaftlich-sozialer Art. Die Ausbreitung eines modernen Unsterblichkeitsbewußtseins wäre daher nicht nur hilfreich bei der praktisch-konkreten Bewältigung der ökologischen Krise sondern man könnte eigentlich erst dann wirklich sagen, was spezifische Zukunftsangst ist, die sich tatsächlich aus dem jeweiligen Problem speist, und was reine Todesprojektion, die sich nur wechselnde Anlässe, Gründe und
Rationalisierungen für eine viel tiefere und allgemeinere existentielle Furcht zusammensucht. Die resultierende irrationale Überfrachtung der einzelnen konkreten und höchst realen Gefährdungen ist jedenfalls für
deren Bewältigung sicherlich nicht gerade förderlich, der zu Grunde liegende psychoexistentielle Mechanismus erklärt aber sehr gut das kollektive Auf und Ab der verschiedenen Angstkonjunkturen, das man gerade am
Beispiel des Klimawandels sehr gut demonstrieren kann.
Die drei skizzierten Quellen geben eine gute aktuelle und zusammenfassende Übersicht zum Thema. Eine allerjüngste Bestandsaufnahme findet sich
dagegen in einem SPIEGEL-Online-Artikel vom 25.11. anlässlich eines Vortrags von Nicolas Stern, britischer Top-Ökonom und Regierungsberater, vor zweihundert geladenen Gästen in der britischen Botschaft letzten Freitag: ‘Motivationstraining in Sachen Klimawandel’. Darin eingebettet bzw. in den Kontextmenüs sind Links zu weiteren Artikeln, so z.B. zum Stern-Report über die Kosten des Klimawandels, der
international einen großen Wirbel verursacht hat, zu Fragen des Emissionshandels, zum Interview mit Bundesumweltminister Gabriel über die Ergebnisse der Klimakonferenz u.ä. mehr.
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27.11./Zitate:
‘Bis vor kurzem lebte ich in dem Glauben, sehr alt zu
werden. Mein Vater wurde über 100 Jahre alt, meine Mutter 96. Es heißt ja immer, »die Gene, die Gene, die Gene!«, also dachte ich mir: Ich achte auf mich, hatte hochbetagte Eltern, alles klar. Dann las ich eines Morgens in der New York Times: Gene bedeuten
überhaupt nichts, Langlebigkeit ist nicht erblich. Na ja, solange ich gesund bin, Ideen habe und es Leute gibt, die das finanzieren, werde ich weiter Filme machen. Warum sollte ich das nicht tun?’
(Aus einem aktuellen Text von Woody Allen, den die Wochenzeitung ‘DIE ZEIT’ in ihrer Ausgabe vom 2.11. anlässlich der Premiere seines neuen Films ‘Scoop’ abdruckte. Im Forum des
Immortality Instituts war übrigens schon Mitte Oktober noch mal ein Hinweis auf einen älteren Diskussionsstrang verlinkt, in dem eine interessante Information über die Hintergründe seiner frühen Science Fiction-Komödie von Anfang der 70er ‘Der Schläfer’ mitgeteilt wurde, in der er u.a. die Kryonik und das Klonen auf die Schippe nahm. In den USA gibt es einen populären Sachbuch- und SF-Autor namens Ben Bova, der im Oktober eine Lesung in Arizona abhielt. Bruce Klein, Gründer von Imminst, berichtete in diesem älteren Strang von einem Mailwechsel mit Bova, wobei sich herausstellte, daß Allen jenen anscheinend schon damals bekannten Autor als eine Art Sachverständigen für die wissenschaftlichen Aspekte seines Films verpflichtet hatte. Wer also einmal den tieferen Quellen des populären Komödienklassikers genauer auf den Grund gehen will, der muß sich mit den Werken von Ben Bova beschäftigen. Zu Woody Allens generellem Verhältnis zur Unsterblichkeit bzw. seiner eigentümlichen Rolle innerhalb des modernen Immortalismus, siehe dagegen
News 16.)
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30.11./Langlebigkeitsdividende:
US-Politiker unterstützen Langlebigkeitsdividende
Wie eine kürzliche Nachfrage im Forum des Immortality Instituts jetzt erst ergab, war das Treffen von führenden Alternsforschern mit hochrangigen US-Politikern zur Initiative der sogenannten ‘Langlebigkeitsdividende’, das am 12. September in Washington D.C. stattfand, ein voller Erfolg! Wie schon in
News 22 ausführlich berichtet, hatten sich im Frühjahr 54 Wissenschaftler und Funktionäre entsprechender Institutionen in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit und an die Politik gewandt, um unter Hinweis auf die sich abzeichnenden dramatischen demographischen Veränderungen und resultierende Kostenexplosion im Gesundheitswesen eine Erhöhung der US-Ausgaben für die Alternsforschung um 3 Milliarden Dollar pro Jahr zu verlangen. Dies würde wahrscheinlich mehr als einer Verdoppelung des gesamten US-Budgets für diesen Bereich entsprechen, siehe
‘Der Umfang der Forschung’. Mittel- und längerfristig ginge eine solche Steigerung der Forschungsausgaben aber mit einer Verringerung, Ersparnis oder eben einer
Langlebigkeits’dividende’ einher, weil Fortschritte bei der Bekämpfung altersbedingter Krankheiten, die sich jetzt schon in breiter Front abzeichneten, eine Senkung der Krankheitskosten, eine Zunahme der
Lebenserwartung von durchschnittlich sieben Jahre und eine Erhöhung der Lebensqualität im Alter erwarten liessen.
Der forschungsstrategisch wichtigste Punkt der ganzen Initiative besteht dabei in einer Art Paradigmenwechsel bei der Bekämpfung der unterschiedlichsten Alterskrankheiten, in dem sich die Wissenschaftler mit diesen angeforderten zusätzlichen Forschungsgeldern weniger den einzelnen Krankheitsbildern sondern verstärkt dem tieferliegenden und allgemeineren Alterungsprozess selbst zuwenden wollen. Dies hat sie zwar mit viel ambitionierteren Ansätzen wie vor allem dem SENS-Projekt von Aubrey de Grey im Prinzip gemein, der nicht zufällig ebenfalls zu den Unterzeichnern des offenen Briefes gehört, ihre wissenschaftliche Basis und viel bescheideneren therapeutischen Ziele entsprechen dabei aber dem aktuellen Mainstream in der biomedizinischen Alternsforschung und enthalten sich weitgehendst spekulativer Grundannahmen und Begründungen. Ein enfant terrible wie de Grey kann von den Mainstream-Gerontologen damit einerseits als eine Art Kontrastfolie benutzt werden, um die eigene größere Seriosität oder den vermeintlich größeren Realismus bzw. Pragmatismus zu unterstreichen, aus der Sicht von grenzüberschreitenden Visionären à la de Grey lässt sich dagegen umgekehrt die Initiative der Langlebigkeitsdividende als Brückenschlag in die richtige Richtung deuten, die längerfristig das richtige (Um-)Denken in der Alternsforschung hin zu extremen Langlebigkeitshorizonten initiiert. Welche dieser beiden Sichtweisen die angemessenere ist - die sich im Grunde genommen ja nicht einmal ausschliessen müssen - wird erst die Zukunft erweisen.
ImmInst-Mitglied Professor Olshansky (‘sjayo’), Epidemiologe der Universität Chicago, Autor des Buches ‘Ewig jung?’ (zusammen mit Bruce A. Carnes) und Mitinitiator des Vorhabens, berichtete nun am 10.11. auf ImmInst in zwar knappen aber äußerst zuversichtlichen Worten vom Treffen im September mit zwei US-Senatoren (Senator Craig und Senator Harkin), die den ganzen Ansatz unterstützen und befürworten, wobei Senator Harkin sie sogar dazu aufgefordert hat, die Terminologie der Langlebigkeitsdividende in eine entsprechende Bewilligungsvorlage miteinzubringen. Für Außenstehende, die mit den Einzelheiten der US-Innen-, Forschungs- und Gesundheitspolitik nur wenig vertraut sind, muß dabei zunächst offenbleiben, welchen Einfluß diese Politiker in ihrer Partei, im Kongress und in der Öffentlichkeit besitzen bzw. ob die kürzlichen Wahlen hier entscheidende Veränderungen zugunsten oder zuungunsten der Initiative gebracht haben. Zustimmende Erwähnung kam zumindest im oben am 14.11. schon erwähnten Artikel der renommierten New York Times über die neueren Ansätze zur Kalorienrestriktion, wobei ein anderer ImmInst-Teilnehmer auch noch auf die explizite Unterstützung des Vorsitzenden einer großen US-Seniorenvereinigung hinwies.
Prof. Olshansky schaltete schließlich noch einen Link zu einer entsprechenden Unterseite der ‘Alliance for Aging Research’, einer langjährig
etablierten US-Institution auf dem Gebiet der Alternsforschung, auf der verschiedene weiterführende Hintergrundinformationen angeboten werden. Darunter befinden sich vor allem auch ein Video und Folien, die beim Treffen am 18. September zu Präsentationszwecken benutzt wurden, sowie ein umfassender und einführender Artikel aus der März-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins ‘The Scientist’, in dem u.a. genauere Angaben über die vorgeschlagene Aufteilung und Verwendung der zusätzlichen Gelder nachzulesen sind.
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5.12./Anti-Aging:
Kassenzuschuss für Wellnessreisen
Wie der STERN vom 16.11. berichtete, gibt es nun schon
eine ganze Reihe von Krankenkassen, die bis zu 80% der Kosten für eine Wellnessreise übernehmen. Die Angebote richten sich - im Unterschied zu den langjährig bekannten Kuren und Rehabilitationsmaßnahmen bei
bestimmten Krankheitsbildern - explizit an gesunde Menschen, die aber etwas für ihre Entspannung und Krankheitsvorbeugung tun wollen. Voraussetzung für den Kostenzuschuss ist die Verpflichtung und aktive Teilnahme
an bestimmten und formal anerkannten Gesundheits- und Präventionskursen während des Ferienaufenthaltes, die außerdem einen gewissen zeitlichen Umfang haben müssen. Für die Krankenkassen ist dies wohl eine ganz
einfache Rechnung, denn sie können längerfristig sehr viel mehr teure Ausgaben für spätere Behandlungskosten schwerer Krankheiten einsparen, wenn sie die eigenverantwortlichen Präventionsbemühungen ihrer Mitglieder
gezielt und mit positiven Anreizen unterstützen. So seien beispielsweise die Behandlungs- und Folgekosten eines Herzinfarktes etwa hundertmal teurer als der Preis eines Kurses zur besseren Stressvermeidung. Bei den
Kassen müsste daher die breite Propagierung der ‘Langlebigkeitsdividende’ (siehe oben) auf offene Ohren stossen, da bei ihnen schon seit längerem ein geschärftes Bewusstsein dafür besteht, daß recht verstandenes
Anti-Aging, das mit dem Wellness-Trend große Überschneidungsbereiche besitzt, im Grunde genommen angewandte Präventionsmedizin hoch 2 ist, siehe z.B. die entsprechende Aufklärungsaktion, die die Barmer Ersatzkasse im Frühjahr diesen Jahres zusammen mit der Zeitschrift ‘Brigitte’ durchführte (
News 23, unter 3., ‘kurz notiert’). Angesichts der anhaltenden Kostenexplosion im Gesundheitswesen und der aktuellen Debatten um die Gesundheitsreform dürfte hier ein
Einsparvolumen von ungeahnten Ausmassen vorliegen, um so mehr, weil man davon ausgehen muß, daß die bestehenden Angebote und Kurse noch weiter ausgebaut und inhaltlich optimiert werden können. Wer dagegen die heute
schon existierenden Möglichkeiten praktisch in Anspruch nehmen möchte, findet in diesem Artikel nicht nur eine erste Informationsübersicht sondern auch den Namen eines Reiseveranstalters, der sich auf solche
Wellnessreisen spezialisiert hat.
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5.12./Zitate:
‘Der große Anti-Age Durchbruch: DNAge!’ (Großflächige
Werbekampagne der Firma Nivea im Berliner Stadtbild vor ca. zwei Monaten für eine neue Tagescreme.)
‘5 Jahre jünger aussehen. Sofort!’ (Aktueller TV-Werbeslogan für die Hautcreme ‘Age Renew’ von Max Factor by Ellen Betrix.)
‘Ich bin 68. Nicht schlecht, oder!?’ (Die jugendlich erscheinende Jane Fonda im aktuellen TV-Werbespot für die Gesichtscreme ‘Age Re-Perfect -
Pro Calcium’ von L’Oréal Paris.)
Zur medizinischen Qualität der drei Produkte, siehe die einschlägigen Testberichte der Zeitschrift ‘Ökotest’, von der Stiftung Warentest u.ä., soweit schon vorhanden.
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16.12./Alternsforschung:
Neues aus der Telomerforschung
Eine kurze Nachricht auf FOCUS-Online vom 5.12. über neue Ergebnisse der Telomerforschung liest sich fast wie ein kleines Beispiel von dem, was hier in FOREVER einmal ‘Ankündigungsoptimismus’ getauft wurde (siehe
Glossar), obwohl übertriebene Ankündigungen ja zum Glück dann doch ausbleiben. Erst klingt es wie eine Sensation: ‘Altersbremse’ gefunden, 40% Lebensverlängerung bei
Mäusen, ohne Einbuße der Lebensqualität im Alter, Krebsrisiko steigt nicht an u.ä.; dann denkt man, ‘ach so’: es baut auf so nicht auf den Menschen übertragbaren Genmanipulationen auf, die Telomere werden gar nicht
verlängert, man weiß noch gar nicht, wie man den speziellen Botenstoff anders hemmen soll etc.; und schließlich realisiert man wieder: Alterung ist eben ein komplexes Geschehen, Telomere sind nur ein Teilfaktor
davon und der große Durchbruch findet irgendwie, irgendwo und vor allem irgendwann statt, während von der neuen Einsicht - vielleicht und ‘eines Tages’ - einmal z.B. Patienten mit Leberzirrhose profitieren
könnten...
Genaugenommen sagt ja dabei auch dieses Forschungsergebnis nur wieder aus, daß die Verkürzung der Telomere gerade doch NICHT der einzigste/der
entscheidende Mechanismus sein kann, der die Anzahl der Zellteilungen regelt und damit, wie einst vermutet, als eine Art ‘Zelluhr’ gelten müßte. DAS ist also von Michael Fossels so vielversprechender und
bestechender Telomerhypothese und seiner großspurigen Ankündigung der ‘baldigen’ Überwindung des menschlichen Alterungsprozesses von vor genau zehn Jahren für das Jahr 2006 übriggeblieben, in seinem Bestseller von
1996 ‘Das Unsterblichkeitsenzym’: wenig bis nichts.
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16.12./Besprechung:
SPIEGEL und FOCUS über Resveratrol
Die Ausgaben des SPIEGELS und des FOCUS berichten
zeitgleich in ihren Ausgaben vom 11.12. über die neuesten Forschungsansätze zur vermeintlichen Rotwein-Wundersubstanz Resveratrol. Unter der Überschrift ‘Heilkraft des Hungerns’ (‘Rezept für die ewige Jugend’ bzw.
‘US-Forscher entwickeln Jungbrunnen-Pille’ im Inhaltsverzeichnis) fasst der SPIEGEL-Artikel zunächst die kürzlich veröffentlichten Zwischenergebnisse einer Langzeitstudie an Rhesusaffen zur Kalorienrestriktion zusammen, über die auch schon in der New York Times vom 31.10. zu lesen war, siehe oben. Im Anschluß wird dann ausführlich dargelegt, inwieweit Resveratrol die lebensverlängernden bzw. gesundheitsfördernden Effekte einer reduzierten Nahrungsmittelzufuhr künstlich simuliert, ohne mit den Nachteilen des Fastens einherzugehen und welche tieferen biologisch-genetischen bzw. evolutionären Mechanismen dabei eine entscheidende Rolle spielen könnten: ‘Die Vorstellung, das Altwerden eines Organismus mit einer simplen Pille manipulieren zu können, wurde bisher als Quacksalberei abgetan. Sollte sich nun doch der uralte Menschheitstraum von der ewigen Jugend erfüllen?’ (...)
weiter
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23.12./Zitate:
‘Wenn ich in 100 Jahren noch hier bin, hat es gewirkt.’
(Zitat des amüsierten Resveratrol-Forschers David Sinclair aus dem SPIEGEL-Artikel vom 11.12.06. Der Satz macht zum einen indirekt die gesamte methodologische crux der Langlebigkeitsforschung beim Menschen klar, da wirkliche Bestätigung, wirkliche wissenschaftlich-methodische Sicherheit, einen Zeitrahmen beansprucht, der jegliches herkömmliche Maß sprengt. Dabei scheint die Zahl 100 allerdings ein wenig übertrieben, denn die Menschheit wär’s wohl schon zufrieden, wenn der 37-jährige Sinclair in nur 50 Jahren noch wie ein gesunder, vitaler und quietschlebendiger heutiger Mitfünfziger herumspringen würde. Ärgerlicher aber anscheinend wohl unvermeidlich (??) ist der strukturelle Reduktionismus, der sich in dem kleinen unscheinbaren Wörtchen ‘es’ verbirgt und der die ganzen rein technisch-naturwissenschaftlichen Wege der Lebensverlängerung beherrscht, die die extreme Langlebigkeit immer nur von der Überwindung des Alterns abhängig sehen. Wenn er in 100 Jahren noch da ist, hat er in Wirklichkeit AUCH ALLE ANDEREN potentiellen Todesursachen gemeistert, deren Auftrittswahrscheinlichkeit ‘statistisch’ in den wohlhabenden Ländern und Schichten zwar momentan begrenzt sein mag, aber a) spiegeln sich darin keine Naturgesetze sondern höchst fragile soziale, politische und ökonomische Gesetzmäßigkeiten und b) geben allgemeine Durchschnittswerte noch keine individuelle Garantie! Es ist gerade die damit verbundene Ergänzungs- und Optimierungslogik von Alternsforschung, warum die kollektive Aufmerksam und Motivation für dieses ganze wissenschaftliche Feld so gering ist und auf sehr lange Zeit auch bleiben wird, denn die allermeisten Menschen müssen zunächst erst mal ganz andere und dringlichere Lebens- und Überlebensaufgaben bewältigen - geistig wie praktisch - bevor sie sich der Überwindung des Alterns zuwenden können.)
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23.12./Religion:
SPIEGEL-Titel zum Ursprung des Monotheismus
Die SPIEGEL-Titelgeschichte der Weihnachtsausgabe vom
22.12. bringt eine so ausführliche wie anschauliche Zusammenfassung neuester archäologischer Forschungsergebnisse und religionswissenschaftlicher Kontroversen zur Frage der Entstehung des Monotheismus. Im Mittelpunkt steht dabei die von verschiedensten Denkern und
Theoretikern schon seit langem vorgetragene Hypothese, daß der Ein-Gott-Glaube, der aktuell das religiöse Selbstverständnis von knapp über 3 Milliarden Christen, Muslimen und Juden prägt, ursprünglich auf den
altägyptischen Pharao Echnaton zurückgeht, der mehr als 1000 Jahre vor Christus die Vielzahl der altägyptischen Götterwelt zugunsten des einen (Sonnen-)Gotts Aton vorübergehend abgeschafft hatte. Die neuere und
neueste Forschung unterstützt diese Hypothese, da sich das Echo jenes Pharaos durch vielfältige historische Prozesse und religionsgeschichtliche Entwicklungen hindurch gebrochen, verzerrt und umgedeutet in der
biblischen Figur des Moses wiederfindet, dem legendären Begründer des jüdischen Monotheismus, der aber wahrscheinlich keine eigene historische Gestalt gewesen ist.
Eng mit der Frage nach dem Ursprung des Monotheismus zusammenhängend wird in dem mit vielen interessanten Details angereicherten und sehr
empfehlenswerten Artikel vor allem auch erörtert, ob der Ein-Gott-Glaube besonders gewalttätig sei bzw. sozialer Gewalt strukturellen Vorschub leiste, weil die monotheistische Gottesvorstellung zugespitzte
Wahrheitsansprüche begründe, aus denen wiederum religiös motivierte Kriege resultierten. In diesem Zusammenhang werden insbesondere die Bücher und Thesen des Ägyptologen Jan Assmann angeführt, die auf ein so lebhaftes wie gespaltenes und kritisches Echo in der zeitgenössischen christlichen Theologie stoßen. Das Werk Jan Assmanns fand in FOREVER dabei schon öfters Erwähnung - siehe z.B.
News 20, unter ‘kurz notiert’ oder gegen Ende einer Besprechung zu einem Kursbuch-Aufsatz über den Transhumanismus etc. - wobei der SPIEGEL-Titelgeschichte auch noch ein aktuelles Interview mit ihm beigefügt ist.
Kommentar: Die umstrittene Frage eines besonderen Gewaltpotentials des Monotheismus läßt sich wahrscheinlich nur hinreichend klären, wenn man die todeskompensierende
Funktion von Religion im allgemeinen und von Göttervorstellungen im besonderen explizit erörtert. Den christlichen Theologen und anderen Kritikern von Assmann ist zuzustimmen, daß die älteren polytheistischen bzw.
‘heidnischen’ Gesellschaften keineswegs per sé friedlicher oder toleranter waren, wie religiöse Kulte auch schon immer zur Quelle von Haß, Gewalt und menschlicher Zwietracht werden konnten. (Man denke nur an
archaische magisch-animistische Riten und Praktiken, in denen feindliche Stämme zum Zwecke der Kriegsführung ‘verhext’ werden oder die sogar mit Kannibalismus einhergehen können usw.) Der Monotheismus scheint aber
einfach deswegen ein größeres kollektives Gewaltpotential zu manifestieren, weil er zunächst tatsächlich eine stärkere Zivilisierungs- und Befriedungsmacht besitzt, in dem er größere soziale Integrationsleistungen
durch die Stiftung einheitlicherer oder verbindlicherer Moralsysteme vollbringt. Andererseits läßt er dabei das Ur- und Ausgangsproblem von Religion, nämlich die Überwindung des Todes, im Kern unberührt und schafft nur ein noch allgemeineres und
abstrakteres Unsterblichkeitssymbol: den einen und einzigen ewigen Gott, das bzw. der aber weiterhin seinen unbegriffen fiktiven bzw. projektiven Charakter behält!
Die sich im Laufe der Geschichte immer wieder aufs neue manifestierende Gewalt monotheistischer Religionen, wie sie gerade auch Luigi De Marchi
in seinem Buch ‘Der Urschock - Unsere Psyche, die Kultur und der Tod’ so eindringlich wie treffend analysiert hat, ist daher einfach nur die nach genauen psychoexistentiellen Mechanismen beschreibbare Wiederkehr des
verdrängten Todes oder der Schattenseite dieses fiktiven Unsterblichkeitssymbols, etwa nach der Formel: Der natürliche Tod in vielerlei Form erzeugt Angst - Angst erzeugt innere wie äußere Abwehr - abgewehrte Angst
wird zur Verleugnung und Verdrängung - ins Unbewußte verdrängte Angst speist Projektionsbereitschaften und Kompensationen verschiedenster Art, speist Schuldgefühle, idealisierte Überwesen (‘Götter’), Opferhaltungen
und Opferkulte sowie vor allem paranoide Sündenbockmechanismen, die schließlich in religiösem Wahn, Fanatismus und dem heiligen Krieg um den wahren Glauben und den wahren Gott enden. Wie in einer self fulfilling
prophecy entstehen so aus der primären Sterblichkeit des Menschen all die sekundären Todesursachen durch menschliche Gewalt, menschliche Unvernunft und gesellschaftliche Ungerechtigkeit, die in einer paradoxen
Verkehrung der ursprünglichen Reihenfolge und existentiellen Prioritäten das Leben immer noch stärker bedrohen und weiter verkürzen.
Am Ende steht eine Haltung, die paradoxerweise aber auch etwas verborgen positives besitzt, denn der Mensch erscheint im Lichte der religiösen
Tradition dann nicht mehr von Natur aus sterblich, sondern der andere, der Feind, der Ungläubige, der Böse - bzw. die eigene Ungläubigkeit, die eigene sündhafte Bosheit bzw. der selbst geschaffene zürnende Gott -
BRINGEN den Tod. Der positive Aspekt liegt dabei darin, daß in dieser religiösen Perspektive der Tod als prinzipiell GEMACHT, als bewußt und aktiv hergestellt erscheint, nämlich durch die Handlungen und Taten eines
ungläubigen Feindes oder eines zornigen ewigen Gottes, ergo kann man in dieser Sichtweise auch die Unsterblichkeit oder das ewige Leben ‘machen’! Die traditionelle Religion versucht dies durch das Befolgen
religiöser Gebote, durch Rituale, Moral und verbindlicher Lebensführung zu erreichen, wobei der moderne Immortalismus nun genau DARAN, an dieses voluntaristische Moment traditioneller Religion, anknüpfen kann, in dem er zunächst einmal mit gleicher moralischer Emphase aber tieferer psychoexistentieller Einsicht als Weltanschauung des Lebens, des Friedens und der umfassenden sozialen Gerechtigkeit sämtliche sekundären Todesursachen überzeugend bekämpft und so den gesellschaftlichen wie geistigen Boden dafür bereitet, daß man sich auch systematisch den natürlichen und ‘eigentlich’ primären Todesursachen zuwendet. Herkömmliche Religion ist daher durchaus mehr als nur die historische Quelle des modernen Unsterblichkeitswunsches, sie gibt in ihren höchsten Idealen - Gerechtigkeit, Güte, Wahrheit, allumfassende Liebe, Vollkommenheit, ewiges Seelenheil, Auferstehung der Toten - auch die geistige und moralisch-praktische Richtschnur bei der Überwindung menschlichen Leids und vieler eben vor allem menschengemachter oder jetzt schon durch menschliches Handeln vermeidbarer Todesursachen vor.
Der SPIEGEL-Artikel ist besonders gut, wo er zentrale Gegenstände des Alten Testaments in die konkrete historische Wirklichkeit des
altertümlichen Nahen Ostens rückübersetzt. Man erhält so eine lebhafte Ahnung davon, wie archaische Priesterkasten angesichts der sozialen, politischen und geistigen Nöte ihrer Zeit teils spezifisch macht- und
interessengeleitet, teils nach dem Stille Post-Prinzip religiöse Wirklichkeit auf Basis vielfältiger überlieferter
Traditionen konstruiert und immer wieder umgeschrieben haben, um ihre in die Krise geratenen Gemeinschaften stets aufs neue zu stabilisieren und den Menschen Hoffnung, Sinn und Orientierung zu geben. Wie fast immer in solchen Texten findet allerdings das todestranszendierende Wesen Gottes bzw. die todeskompensierende Kernfunktion von Religion leider kaum oder gar keine Erwähnung. (Sie klingt schwach nur gegen Ende in einem Assmann-Zitat einmal an.) Die tiefe strukturelle Ambivalenz der gesamten religiösen Tradition, die auch mit dem Streit um das Gewaltpotential des Monotheismus zusammenhängt, kann daher nicht verstanden werden, und sie wäre erst der Schlüssel, um das tiefere positive Potential von Religion auch unter (post-)modernen Vorzeichen erkennen und wertschätzen zu können. So bleibt unterm Strich nur die x-te rationalistische ‘Widerlegung’ von Religion übrig, die die Todesdrohung weiterhin unberührt läßt, unter der auch und gerade säkulare Rationalisten stehen, denen nicht mal mehr irgendeine Form von religiösem Trost oder religiöser Ersatzbefriedigung zur Verfügung steht. Zu welcher Art Wiederkehr des existentiell Verdrängten dabei die rationalistischen und weltlichen Ideologien aber selbst neigen, zeigt die Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts, und die fortgesetzte Krise der aufklärerischen Moderne sowie die seit längerem anhaltende Renaissance der traditionellen Religion samt fundamentalistischer Zuspitzungen sind angesichts von Auschwitz, Hiroshima, aktueller sozialer Verwerfungen der neoliberalen Globalisierung und des drohenden Ökozids wirklich kein Wunder.
Zum Monotheismus, siehe auch den Eintrag im Glossar. Zu einer immortalistischen Interpretation der Bibel, siehe die
Besprechung schon vor drei Jahren. Die Abbildung zeigt die bekannte und in Berlin ausgestellte Büste der Nofretete, die übrigens die Gemahlin des Pharaos Echnaton war.
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23.12./Zitate:
‘Gewöhnlich war er in triumphaler Begleitung der
Silene und Satyrn, die die Fruchtbarkeit der ungebändigten Natur verkörpern. Er wurde vor allem von Frauen verehrt, den Mänaden. Sie waren bekränzt mit Efeu, hüllten sich in Hirsch- oder Rehfelle und trugen Fackeln
und thyrsoi (mit Efeuranken umwundene Stäbe aus Narthexstaude, ein Pinienzapfen an der Spitze, auch „Bacchusstab“ genannt). Bei ihren orgiastischen Riten wurden wilde Tiere zerrissen und gegessen und „freie Liebe“ zwischen den Geschlechtern genossen. Sie tanzten begleitet von Flöten, Pauken und Tamburinen. Die frühesten Mänaden trugen zahme Schlangen um den Arm gewunden und der Gott erschien ihnen als Stier. Es gibt zahlreiche antike Darstellungen von Dionysos und seinem Gefolge, beispielsweise auf den römischen Campanareliefs. In seiner Eigenschaft als Gott der Freude wurde in Athen durch die Dionysien das Theater erfunden und der Prototyp des Theaters gebaut, das Dionysostheater Athen.’
(Aus dem Wikipedia-Artikel
über den griechischen Weingott ‘Dionysos’ - römisch ‘Bacchus’ - der zeigt, daß Rotwein nicht nur Resveratrol sondern auch noch ganz andere Ingredienzien enthält. Welche Bedeutung die Figur des Dionysos in einem nachchristlichen Zeitalter bei Dichtern und Denkern der Frühromantik bekommt, kann man übrigens in den Büchern des Tübinger Philosophen Manfred Frank ‘Der kommende Gott’ und ‘Gott im Exil’ nachlesen, die auch in die Begründungsmasse des ‘Clubarchivs der toten Dichter’ miteingegangen sind.)
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30.12./Religion:
FOCUS-Titel: ‘Was nützt Religion?’
Auch die FOCUS-Weihnachtsausgabe vom 23.12. stellt die
Religion ins Zentrum der Aufmerksamkeit und fragt nicht nur nach dem Ursprung des Monotheismus sondern nach dem Sinn und Ursprung des religiösen Glaubens überhaupt. Ausgehend von verschiedenen aktuellen
Beobachtungen, die für eine Wiederkehr oder ein Wiedererstarken der traditionellen Glaubensbekenntnisse sprechen - nicht unbedingt für ein Wiedererstarken der christlichen Kirchen, die in Deutschland weiterhin
Mitgliederschwund verzeichnen - wird vor allem die herkömmliche Annahme in Frage gestellt, daß mit der immer weiteren Zunahme von Rationalität und wissenschaftlicher Erkenntnis das Phänomen Religion quasi
automatisch verschwinden würde. Dies sei deshalb illussorisch, weil verschiedene und teils neuere Einsichten etwa der Religionswissenschaft, der Soziobiologie oder der Hirnforschung darauf hindeuteten, daß Religion
einen tieferen allgemeinen NUTZEN sowohl für den einzelnen wie insbesondere auch für die Integration und Stabilisierung sozialer Gemeinschaften besässe. Und dieser Nutzen bliebe tendenziell auch unter modernen und
aufklärerischen Bedingungen erhalten. ‘Was nützt Religion?’ lautet daher die titelgebende Überschrift auf dem Cover des Magazins, wobei der Kernaspekt der Nützlichkeit von religiösen Überlieferungen wiederum an
evolutionäre und anthropologische Vorbedingungen des Menschen angeknüpft wird. Der Mensch besitze eine Art biologisch vorgegebenen religiösen Grundinstinkt, der in bestimmten genetisch verankerten Gefühlsdispositionen
des individuellen Erlebens, in reziproken Erwartungen der einzelnen Mitglieder einer sozialen Gemeinschaft sowie in der adaptiven Funktion handlungsleitender Normen und Werte (‘Ethik’) wurzele. Dabei müssten vier
Grundelemente - Rituale, Ethik, Mythen, Mystik - von Verstand und Gefühl integriert werden, damit sich Religion entfalte. Der Autor wägt herkömmliche Einwände gegen bzw. Nachteile von Religion gegen die angedeuteten
Vorteile ab und zeichnet ein differenziertes Bild, wobei er sich ähnlich wie in der SPIEGEL-Titelgeschichte auch mit der Frage auseinandersetzt, inwiefern Religion zur Quelle von Gewalt wurde und wird. Im Sinne der
biologisch-evolutionären Grunderklärung ist der ganze Text im Innenteil schließlich so konsequent wie plakativ verkürzt mit ‘Der Gottesinstinkt’ überschrieben, wobei die Nutzenperspektive allerdings an der ein oder
anderen Stelle bzw. gegen Ende auch wieder selbstkritisch relativiert wird:
‘Vielleicht hat Religion einen Sinn jenseits praktischer Nützlichkeit? Wieso sollte sie mit ihrer wissenschaftlichen Erklärung erledigt sein? Die
Menschen lassen doch auch nicht vom guten Essen oder der Liebe, bloß weil beides letztlich der eigenen Reproduktion dient und streng wissenschaftlich erklärt werden kann.’ (S. 74)
Kommentar: Die Kategorie der praktischen Nützlichkeit mag analytisch gesehen ziemlich weit reichen, aber gerade unter dem im Text problematisierten Gesichtspunkt der religiösen Begründung ethisch-moralischer Einstellungen ist sie tatsächlich keinesfalls ausreichend. Dies gilt aber ebenso für die zum Schluß vom Autor stark gemachte These einer sinnlich-psychologischen oder rein ästhetischen Nützlichkeit. Der säkulare und glaubensferne moderne Mensch mag vielleicht eine traditionell christliche Liturgie oder ein beliebiges anderes überkommenes Ritual als eine besondere ästhetische Erfahrung, als eine Art ‘Oper’ empfinden, wie es im Text einmal heißt, und daraus Genuß, Trost oder partiellen Sinn ziehen. (Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt hat genau diese Haltung in seinem kürzlichen Talk-Show-Auftritt bei ‘Beckmann’ auf die Frage nach seinen religiösen Überzeugungen so anschaulich wie nüchern zum Ausdruck gebracht.) Von der inneren Wirklichkeit des typischen traditionell Gläubigen ist er dabei allerdings Lichtjahre entfernt, für den die Elemente der Liturgie, die Gebete, Lieder, Formeln, weihevollen Handlungen oder Auslegungen religiöser Texte, Bestandteile einer geoffenbarten übersinnlichen (‘transzendenten’) WAHRHEIT sind und keine beliebigen menschengemachten Artefakte zwecks individueller Erbauung! Ohne eine solche primäre religiöse Grundhaltung, die auf diese tiefere subjektiv geglaubte wie kollektiv überlieferte Wahrheit der jeweiligen religiösen Inhalte statt auf die instrumentalisierbare und frei verfügbare ‘Nützlichkeit’ setzt, gäbe es längst keine althergebrachten religiösen Bräuche, Rituale und Zeremonien mehr, die der moderne Mensch dann auf seinen bloß sinnlichen oder ästhetischen Gehalt (‘Oper’) reduzieren könnte. Gleiches gilt dann auch für die Unbedingtheit oder Ernsthaftigkeit spezifisch ethisch-moralischer Handlungsanweisungen, die sich aus diesen inhaltlichen Überzeugungen ableiten, denn wer sollte all’ die Gottesdienste zumindest in dieser Form noch veranstalten, wer sollte die konkreten ethisch-moralischen Forderungen zumindest in ihren zugespitzten Verhaltenszumutungen noch ernst nehmen, wenn alle nur noch in solch aufgeklärt-abgeklärten Weise über den traditionellen Glaubensdingen stünden und der Kern der Rituale auf eine Leerstelle verwiese!? (Eine philosophische Kritik pragmatistischer und utilitaristischer Religionsbegründungen findet man dabei übrigens bereits in Bertrand Russells populärem Klassiker ‘Warum ich kein Christ bin’ vor über 70 Jahren.)
Dabei ist die Nutzen-Perspektive gar nicht mal richtig zu Ende gedacht, und vielleicht lösen sich so die meisten im Text selbst schon
vorgetragenen Relativierungen und Einwände auf, denn wie in der SPIEGEL-Titelgeschichte fehlt auch hier wieder die Kernfunktion von Religion als rituelle, mythologische aber letztlich fiktive Überwindung des Todes!
Die stärkste Annäherung daran findet sich dabei noch in folgendem Zitat, das aber auch nicht zum wesentlichen durchdringt: ‘Der französische Anthropologe und Religionswissenschaftler Pascal Boyer etwa vergleicht die
Angst vor Geistern mit derjenigen vor Leichen, Bestattungsrituale deutet er als religiös inszenierte hygienische Handlungen.’ (S. 74) Diese notorische Auslassung und mangelnde Konsequenz ist hier besonders schade,
denn zum einen liefert der Autor ansonsten eine sehr prägnante und anschauliche Zusammenfassung wesentlicher Punkte und Probleme, zum anderen langt EIN Besuch eines christlichen Gottesdienstes um gerade mit all’
diesem Wissen im Hinterkopf die oberste Priorität des Todes- und Unsterblichkeitsthemas (nicht nur) für die christliche Überlieferung sofort zu erkennen.
Wirklich ärgerlich ist dagegen der letzte Satz in einer hinzugefügten vergleichenden Auflistung der großen Weltreligionen in Form einer Tabelle
(bei der allerdings der Taoismus fehlt), in der auch der Atheismus gewissermassen als Kontrast aufgenommen wurde: ‘Gefestigte Atheisten und Agnostiker sind der Ansicht, dass der Mensch gerade wegen seiner
Endlichkeit aus sich selber heraus Sinn schöpfen kann.’ (S. 79) Von der analytischen Ausblendung der Sterblichkeit also zur philosophisch überhöhenden Legitimation von Todesakzeptanz - dies ist die böse und fatale
Schattenseite einer sich oft so hochmütig-polemisch gebenden wie im tiefsten und letzten aber unreflektierten atheistischen Religionskritik, die sich selbst geistige Reife bescheinigt (‘gefestigt’), aber in
Wirklichkeit ein destruktives Potential an Wiederkehr des Verdrängten bereithält, welches dasjenige der traditionellen Religion bei weitem in den Schatten stellt, siehe oben den Kommentar zum SPIEGEL-Titel über den Ursprung des Monotheismus.
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30.12./Empirie:
Ausgaben der christlichen Kirchen für soziale Projekte
‘Bei der christlichen Kernkompetenz der Nächstenliebe
ist die Lage zumindest in Deutschland anders als viele denken. Laut einer Forsa-Umfrage würden nämlich 47% der Kirchenmitglieder austreten, wenn die Kirche ‘nur einen sehr geringen Teil oder gar nichts für soziale
Zwecke ausgeben’ würde. Den Befragten ist offensichtlich nicht bekannt, dass - je nach Berechnung - maximal knapp zehn Prozent der Kirchensteuer entsprechend verwendet werden. Kirchenkritiker Carsten Frerk kommt gar auf nur vier Prozent. Caritas und Diakonie sind Träger sozialer Einrichtungen wie andere Wohlfahrtsverbände auch: So sind konfessionelle Kindertagesstätten im Durchschnitt nur zu zehn Prozent kirchlich finanziert, Altenwohnheime und Krankenhäuser müssen nach den üblichen Regeln und ohne Kirchengelder finanziert werden.’
(Aus dem oben besprochenen FOCUS-Artikel über die Nützlichkeit der Religion.)
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30.12./Zitate:
‘Das ist was anderes.’
(Berliner Psychotherapeut und Satsang-Lehrer in der Dezemberausgabe eines Berliner esoterischen Anzeigenblattes und Programmkalenders (‘SEIN’) in
einem Interview über die Überwindung der Todesangst auf Nachfrage, ob der Körper nicht doch noch Angst empfinden könne, wenn man beispielsweise auf deinem Brückengeländer balanciert, obwohl erleuchtete Mystiker doch alle Angst hinter sich gelassen hätten. Manchmal hat man den Eindruck, als ob die ganzen spirituellen Erleuchtungslehren bloß an der philosophischen Unterscheidung von Furcht und Angst ansetzen, in dem sie nur die neurotisch antizipierte und vorgestellte verallgemeinerte Angst verneinen, wenn sie nicht sowieso auf dem existentiellen Hintertürchen Reinkarnation aufbauen. Reinkarnation ist aber auch nichts anderes als ‘physische Unsterblichkeit mit Umsteigen’.)
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7.1.2007/Alternsforschung:
SPIEGEL-Online: Bildung verlängert, Stress am Arbeitsplatz verkürzt Leben
SPIEGEL-Online veröffentlichte am 3.1. in direkter
Aufeinanderfolge zwei verschiedene Artikel, in denen anhand neuester Untersuchungen psychosoziale Aspekte von Gesundheit und Langlebigkeit genauer dargestellt wurden. Im ersten Text werden unter Bezugnahme auf eine Nachricht in der New York Times verschiedene Studien und insbesondere die einer Wirtschaftswissenschaftlerin der Columbia-Universität besprochen, nach denen eine höhere Lebenserwartung mit einer längeren schulischen Ausbildungszeit in Verbindung stehen solle. Der Unterschied beträgt allerdings nur wenige Jahre, es handelt sich nur um einen statistischen Zusammenhang, wobei der eigentlich wirksame Faktor unklar bleibt. Hat es mit ‘vorausschauendem Denken’ zu tun, das aus höherer Bildung resultiere und sich wiederum auf die Fähigkeit oder Bereitschaft zur Gesundheitsprävention günstig auswirke oder mit den positiven Nebeneffekten höheren materiellen Wohlstandes??
Im zweiten und interessanteren Artikel werden verschiedene teils länderübergreifende aktuelle Studien zur Arbeitszufriedenheit bzw. zum Stress am Arbeitsplatz übersichtsartig zusammengefasst, mit erschreckenden Ergebnissen. Danach blieben Ausmaß und Ursachen des Problems in vielen Betrieben unerkannt oder es würden nur Lippenbekenntnisse zur Stressprävention abgegeben. Als Folge nehmen Unzufriedenheit, Krankenstände oder Burn-out-Syndrome immer mehr zu - letzteres gerade im IT-Bereich - , Motivation und Leistungsbereitschaft dagegen kontinuierlich ab. Wichtiger Punkt der Arbeitszufriedenheit sei vor allem auch die Wertschätzung der eigenen Leistung, sei es durch materielle
Entlohnung, sei es durch ideelle Anerkennung, wobei nach Aussage des Medizinsoziologen Professor Johannes Siegrist von der Universität Düsseldorf schon ein Drittel aller Erwerbstätigen in Westeuropa unter einer
‘Gratifikationskrise’ litten.
Die Frage der Stressprävention würde dabei - gerade in Deutschland - oft nur als ein individuelles Problem angesehen, dem man mit Kursen zum
persönlichen Stressmanagement oder dem Lernen von Entspannungstechniken begegnen müsse. Der individuelle Umgang mit Stress sei zwar tatsächlich wichtig, wird demgegenüber hervorgehoben, aber genauso wichtig wenn
nicht wichtiger seien die äußeren Arbeitsbedingungen, die Leistungs- und Terminvorgaben bzw. die institutionalisierten Strukturen, in denen der einzelne funktionieren müsse: ‘Wenn Deadlines unumstößlich sind, jedoch im Laufe eines Projekts ständig neue Anforderungen zu erfüllen
sind, wenn der Chef Ziele nur diffus formuliert. Wenn 16-Stunden-Tage erwünscht und Pausen verpönt sind - dann regiert der Stress. Ganz gleich wieviel Stress-Trainings man besucht hat.’ Entscheidend wäre daher eine
zweigleisige Strategie, in der individuelle wie strukturelle Faktoren gleichermassen berücksichtigt würden.
Im zweiten Teil des Artikel werden schliesslich noch positive Beispiele dargestellt, wobei vor allem Schweden hier eine Vorbildfunktion einnehmen soll. In Deutschland habe dagegen von den großen Betrieben die Firma BASF schon das grosse ökonomische Einsparpotential erkannt, das in umfassenden Programmen zur Stressverhütung läge. Wenn jedenfalls 59% aller deutschen Beschäftigten Angst um ihren Arbeitsplatz oder ihre Position im Unternehmen haben oder sich gar 24% vom Zeitdruck und den Anforderungen im Job so gestresst fühlen, daß sie sich nicht vorstellen können, bis zum Rentenalter gesund weiterzuarbeiten, dann ist der derzeitige wirtschaftliche Erfolg vieler Unternehmen tatsächlich keine zukunftsweisende Strategie, wie zum Schluß noch einmal der Medizinsoziologe zitiert wird. Solchen Menschen kann man dann auch nichts von den Freuden der Langlebigkeit oder den Perspektiven körperlicher Unsterblichkeit erzählen und es spricht vieles dafür, daß ein Großteil der Kritik am modernen Immortalismus letztlich nur solchen und ähnlichen sozialen Misständen geschuldet ist.
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17.1./Zitate:
‘Ab heute sagen Sie nie mehr, Sie sind 63 Jahre alt - ab heute sagen Sie, Sie sind 63 Jahre jung!’
(Deutschlands älteste Anlageberaterin (84) in der Sendung ‘Menschen bei Maischberger’ vom 9.1.07 zum Thema ‘Die graue Revolution: Sind wir bereit
für die Altenrepublik?’)
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17.1./Besprechung:
GEO-Titel: ‘Das Paradies - Die Geschichte einer großen Sehnsucht’
‘Heilige Bücher haben es beschrieben, Propheten
verkündet. Gelehrte haben seine Bedeutung abgewogen, Forschungsreisende es in fernen Gegenden gesucht. Und seit Jahrtausenden wird es den Menschen der unterschiedlichsten Kulturkreise versprochen, sofern sie sich
nur immer strebend bemühen: das Paradies, die
selige Gegenwelt, der Ursprung der Schöpfung - und das Ziel all unserer Hoffnungen und Anstrengungen.’
So beginnt die Titelgeschichte der Januarausgabe der Zeitschrift GEO, die in einem weiten inhaltlichen Bogen die Religions- und Kulturgeschichte
der menschlichen Paradiesvorstellungen darstellt, von den alten Sumerern, Persern und Babyloniern, deren Lehren und Mythologien die Vorläufer und zentralen Einflüsse der biblischen Paradieserzählungen des Alten Testamentes bildeten, über die (...)
weiter
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17.1./Zitate:
‘Ohne Opium ist das Leben gar nicht zu ertragen.’
(Aus der Titelgeschichte der Weihnachtsausgabe 2006 des FOCUS über den Nutzen von Religion, siehe oben, in Anspielung auf den bekannten Ausspruch
von Karl Marx, Religion sei ‘Opium für’s Volk’.
Auch die marxistische Religionskritik hat im Fahrwasser der Aufklärung schon immer das existentielle Grundproblem des Menschen ausgeblendet und nur die sekundären, historisch-beliebigen Schattenseiten traditioneller
Religion angegriffen.)
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5.2.07/Besprechung:
ZDF: ‘2030 - Aufstand der Alten’. Die Dialektik des demographischen Alarmismus
Zwar nimmt die Öffentlichkeit die Perspektive der
körperlichen Unsterblichkeit nur in Ausnahmefällen zur Kenntnis, aber das Thema der extremen Langlebigkeit verbirgt sich zumindest indirekt in wichtigen gesellschaftlichen Großdiskursen. Dies könnte man leicht an
den aktuellen Anlässen etwa zu Krieg und Frieden, islamischer Terrorismus, zur Gesundheits- oder zur Forschungspolitik demonstrieren, aber auch an den verschiedenen ökologischen Krisenszenarien oder im Kontext der
Debatte um die Wiederkehr der Religion und ähnlicher Diskussionen, wie sie die Medien beherrschen. (Nicht ganz so offensichtlich: ökonomische Fragestellungen, Kriminalität, Migration, Verkehrs- und Energiepolitik
usw.) Besonders prägnant kommt dieser implizite aber auch widersprüchlich-ambivalente Zusammenhang dabei beim Thema der demographischen Entwicklung zum Ausdruck, da das dauerhafte Krisengerede bezüglich der
Sicherheit künftiger Renten bzw. des gesamten Rentensystems die Grenze des individuellen Lebens permanent mitthematisiert, wenngleich eben nur indirekt, gebrochen oder unbewußt. In der längeren Besprechung vom 28.1. des kürzlichen ZDF-Dreiteilers ‘2030 - Aufstand der Alten’ kann man mehr über diese interessante Dialektik erfahren. Sie läßt sich vor allem auch als Hinweis und Chance verstehen, wie man den modernen Immortalismus besser an die konventionellen Selbstverständigungsprozesse der Gesellschaft anknüpfen kann.
‘2030 - Aufstand der Alten’ wird übrigens nicht nur am 7. Februar, 14 Uhr ff, komplett auf 3 SAT wiederholt sondern die Teile 1 bis 3 auch am
12., 13. und 14.2. jeweils um 20 Uhr 15 im ZDF-Doku-Kanal.
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5.2./Zitate:
‘Wir sind in der beneidenswerten Situation, daß wir
nicht nur älter werden, sondern daß wir fitter und gesünder älter werden.’ (Marianne Koch)
‘Man altert in Sparten. In Schüben und Sparten.’ (Silvia Bovenschen)
‘Politiker reagieren ja erst, wenn sie ganz persönlich betroffen sind.’ (Dagobert Lindlau)
(Drei Zitate aus der nachtstudio-Sendung des ZDF vom 21.1., die sich im Rahmen der ‘Woche der
Demographie’ anlässlich der Ausstrahlung der Doku-Fiction ‘2030 - Aufstand der Alten’ ebenfalls mit der demographischen Entwicklung beschäftigte.
Das dritte Zitat formuliert dabei auch eine gewisse Paradoxie, wie man am kürzlichen politischen Ende von CSU-Chef Stoiber aufzeigen kann, dessen Niedergang wochenlang die Schlagzeilen beherrschte. Denn: wenn Politiker tatsächlich ‘betroffen’ sind und u.a. wegen ihres fortgeschrittenen Alters Amt, Würden und politische Einflussmöglichkeiten verlieren, können sie auch keine altenfreundlichere Politik mehr durchsetzen. Man mag übrigens von Stoiber politisch wie menschlich halten, was man will, aber ein wesentlicher Teil der parteiinternen Kritik an ihm wurde tatsächlich mit seinem Alter begründet. Letztlich kommt also auch in der Reproduktion von Führungskräften und politischen Eliten im unaufhörlichen Ablösungsprozeß der Generationen die ganz selbstverständliche und unausgesprochene Todesorientierung des Alltagsbewußtseins zum Ausdruck, die z.B. auf ältere Politiker einen bloß biologisch-demographischen Druck ausübt, der sich auf die inhaltlichen Sachfragen oder die Entwicklung der politischen Kultur überhaupt nicht gerade positiv auswirkt. Schließlich sollte die Kritik z.B. an Stoiber primär mit sachlich-politischen Argumenten geführt werden, wie es ja auch nur ein weit verbreitetes Klischee ist, daß Jugend qua Jugend automatisch kreativer, innovativer oder fortschrittlicher sei. In Wirklichkeit reproduzieren sich im Wandel der Generationen immer auch Unwissen, Unvernunft und Unreife, wie fernöstliche Reinkarnisten ja auch nicht zufällig vom ‘Rad’ des Karmas sprechen, von der ewigen Wiederkehr des immer gleichen. Geistig-kultureller Fortschritt ist eben KEINE Sache der Biologie, und physische Unsterblichkeit könnte sich hier tatsächlich einmal als ein geistig-kultureller Fortschrittsbeschleuniger der besonderen Art herausstellen.)
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5.2./Politik:
Terrorismus und Millenarismus
Zur aktuellen Debatte um die Frage, ob man die
führenden RAF-Terroristen Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt früher aus der Haft entlassen soll bzw. zur Aufarbeitung des bundesrepublikanischen Terrorismus überhaupt - siehe die Sendung ‘Sabine Christiansen’ vom
28.1., die SPIEGEL-Titelgeschichte vom 29.1., die Rezension in der ZEIT vom 25.1. zum entsprechenden Übersichtswerk eines Historikers und vieles mehr - könnte gerade auch aus immortalistischer Sicht entscheidendes beigesteuert werden. An dieser Stelle muß allerdings folgendes Zitat aus Luigi De Marchis Buch ‘Der Urschock’ genügen, in dem ein zentrales Argument in knapper Form benannt wird, im Kapitel über die politische Abwehr der Todesangst durch weltlich-ideologische Ersatzreligionen:
‘Auf den Zusammenbruch der religiösen Abwehr reagierte die menschliche Psyche mit dem üblichen Mechanismus: Sie versuchte, einen neuen
heilgeschichtlichen Mythos zu erzeugen, der in der Form von revolutionären Utopien und Aktionen dem Anschein nach realistischer und ‘wissenschaftlicher’ ist. Aber diese Ersatzmythen konnten sich nicht lange halten,
da sie entschieden weniger trostspendend und sehr viel stärker widerrufbar sind als die religiösen Mythen. Der eine oder andere mag daher heute die Rückkehr zu ihnen anstreben, ohne recht verstanden zu haben, daß
der politische revolutionäre Mythos gerade aus dem unaufhaltsamen Zerbröckeln des religiösen Mythos im Gefolge der ethischen und intellektuellen Evolution des Menschen geboren wurde. Selbst wenn die terroristische
Version der heilsgeschichtlichen Lehren mit ihrer Explosion in den 60er und 70er Jahren auf dramatische Weise die Tendenzen und den häufig monströsen Ausgang der paranoiden Umwandlung von Todesangst gezeigt hat, so beweist sie jedoch durch ihren gegenwärtigen Niedergang die innere Unsicherheit totalitärer politischer Surrogate, mit denen unser Jahrhundert die religiösen Millenarismen ersetzen wollte.’
(Aus: Luigi De Marchi, ‘Der Urschock. Unsere Psyche, die Kultur und der Tod’, Luchterhand, 1988, S. 90/91.)
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12.2./Zitate:
‘In der Tat war der Forscher alles andere als ein Hedonist. Sonst würde er heute wohl kaum zu den erfolgreichsten deutschen Psychologen zählen.’
(Aus der aktuellen Februar-Ausgabe der ‘Psychologie Heute’, in einem Porträt des kürzlich verstorbenen Altersforschers Paul Baltes (siehe oben, 21.11.06), das noch vor seinem Tod entstand. Die Autorin zeichnet darin u.a. Baltes zunehmenden Pessimismus bezüglich der Entwicklungschancen des von ihm so getauften ‘vierten Alters’ nach, jenes Lebensabschnitts jenseits der achtzig oder fünfundachtzig, wobei er selbst nicht mal die Freuden des dritten genießen durfte. Zum generellen Verhältnis von Hedonismus und Immortalismus wäre ebenfalls noch eine Menge zu sagen, aber das ist ein eigenes umfassendes Thema.)
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12.2./Besprechung:
ZEIT-Serie: ‘Was soll ich glauben?’ - Über den Todesursprung von Religion
Am 8.2.07 startete die Wochenzeitung ‘Die ZEIT’ unter
der Titelschlagzeile ‘Was soll ich glauben?’ eine siebenteilige Serie zum ‘Fluch und Segen der Weltreligionen’. Folge 1: ‘Das Christentum. Warum es auch nach 2000 Jahren noch für Überraschungen gut ist.’ ...
Die kurze Besprechung der verschiedenen Texte zu Folge 1 konzentriert sich dabei vor allem auf die ambivalente Art und Weise, wie der Todesursprung von Religion im Leitartikel von Thomas Assheuer zur Sprache kommt und deutet an, welche Art von philosophischer Kritik nötig wäre, um der Unsterblichkeitsperspektive auch unter den Bedingungen der Moderne Gehör und Geltung zu verschaffen.
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12.2./Zitate:
‘Da waren ja nur alte Leute...!’
(Aus einem kürzlichen SPIEGEL-Online-Bericht über eine 100-jährige, die wieder aus dem Altersheim ausgezogen und in ihr Haus zurückgezogen war, weil sie mit den anderen Heimbewohnern nichts anfangen konnte.)
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19.2./Religion:
Reinkarnation versus REGENERATION
Vorbemerkung: Der moderne Mensch, die moderne Wissenschaft und die im Westen vorherrschenden diesseitig orientierten Philosophien kennen zwar kein Jenseits mehr, kein Leben
nach dem Tode oder sonst noch irgendeine Form traditioneller Metaphysik, aber angesichts des anhaltenden Sinnverlusts des aufklärerischen Rationalismus im Gefolge politischer, wirtschaftlicher und geistiger Krisen
stoßen alternative spirituelle Angebote auf wachsende Zustimmung, siehe die Konjunkturen des New Age, der Esoterik, des Buddhismus und weiterer fernöstlicher Heilslehren. Im Unterschied zur
jüdisch-christlich-islamischen Tradition sind diese neu-alten religiösen Sinnangebote von wenigen Ausnahmen abgesehen (wie z.B. der philosophische Taoismus oder einzelne buddhistische Strömungen) fast immer mit dem
Konzept der Reinkarnation verbunden, wobei Umfragen anzeigen, daß die Idee der Wiedergeburt auch in weiten Teilen der übrigen Bevölkerung populär ist und sogar in eigentlich christlich geprägte Milieus hineinreicht.
(Letzteres signalisiert allerdings mehr den fortschreitenden Bedeutungsverlust bzw. den Verlust der theologischen Definitionshoheit des organisierten Christentums.) Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter
erstaunlich, daß Kritik am modernen Immortalismus oft von Menschen geäußert wird, deren Welt- und Menschenbild eben von der Idee der Reinkarnation ausgeht, wobei es nicht selten sogar intelligentere, sensiblere und
an philosophischen bzw. spirituellen Themen stärker interessierte Zeitgenossen sind, die sich in solchen Auseinandersetzungen vehement zu Wort melden.
Die Schlußpassage aus dem Essay des Unsterblichkeitspioniers Prentice Mulford ‘Die ziehende Kraft des Gemüts’ (aus dem Buch ‘Unfug des Lebens und des Sterbens’, Besprechung siehe
hier), zeigt nun aber, daß die Idee der körperlichen Unsterblichkeit auch eine konsequente Reaktion auf die Schattenseiten des Reinkarnationsgedankens darstellt, die
vor allem von westlich-modernen Anhängern ausgeblendet werden, während sie in den hinduistisch-buddhistischen Traditionen noch eher präsent sind. Dort spricht man ganz selbstverständlich vom ‘Rad’ des Karmas, dem
‘Fluch’ der ewigen Wiederkehr oder auch vom ‘spirituellen Gedächtnisverlust’ und daher von der fundamentalen Notwendigkeit, die Kette der Wiedergeburten zu transzendieren, während westliche Reinkarnationsanhänger
einer Art automatischem Fortschrittsmodell anhängen, als ob der fortlaufende Prozess von Tod und Wiedergeburt gewissermassen wie von selbst zur spirituellen Vervollkommnung führen würde. Diese Haltung entspricht
aber wohl mehr dem atheistisch-rationalistischen Fortschrittsmodell der Moderne, das unbewußt auf exotische und kulturfremde religiöse Traditionen übertragen wird, was zu sinnentstellenden Konsequenzen aller Art
führt.
Prentice Mulford hat dagegen in seinem ursprünglich schon Ende des 19. Jahrhunderts erschienenen Text herausgearbeitet, wie ein recht
verstandenes Konzept körperlicher Unsterblichkeit auch dem beschleunigten spirituellen Wachstum dienen kann. In der ersten Hälfte von ‘Die ziehende Kraft des Gemüts’, dem Schlußessay von ‘Unfug des Lebens und des
Sterbens’, fasst er noch einmal Kernaussagen über die Kraft der Gedanken zusammen, bevor er sich im hier dokumentierten zweiten Teil dem Verhältnis von Reinkarnation zur Regeneration zuwendet. Inwiefern er dort und
in seinen anderen Essays ausschliesslich auf die spirituelle Entwicklung des einzelnen setzt, wäre dabei eine weitere interessante Fragestellung, die aber einer späteren Betrachtung vorbehalten bleiben soll. Es wäre
dann zu zeigen, daß Mulford der geistig-seelischen Entwicklung zwar die eindeutig erste Priorität zuweist, daß er aber durchaus weitere medizinische, körperliche oder rein materielle Faktoren gelten läßt, mindestens
als Anreger und Erreger geistiger Kraft- und Motivationsquellen.
Wie weit die Regenerationskraft psychosomatischer Wechselwirkungen nun tatsächlich reicht, wie man es unter modernen Gesichtspunkten zuspitzen
kann, muß in FOREVER zunächst offen bleiben, aber daß rein äußerliche ‘Unsterblichkeitselixiere’ bzw. kommende medizinische High Tech-Methoden gegen Krankheit und Altern bei tief verinnerlichten Todesorientierungen
jeglicher Art weitgehend unwirksam oder ineffektiv bleiben werden, ist keine besonders gewagte Hypothese. Genausowenig wie Stammzellforschung oder Gentherapie etwas gegen Kriege, Klimawandel oder Armutsfolgen etc.
ausrichten können, genausowenig könnte die Pille gegen das Altern schließlich das Leben von Menschen verlängern, die nicht einmal in der Lage sind, die bisherige Lebensspanne sinnvoll und zufriedenstellend
auszufüllen. Oder, in den Worten Prentice Mulfords:
‘Umverkörpertes Leben im Physischen heißt bewußt gesteigertes Leben. Heißt: in jeden neuen Tag mit frischeren Fähigkeiten hinein erwachen, alles immer wieder zum erstenmal sehen. (...) Es heißt, die Talente in sich bis zur Genialität wachsen fühlen; jubeln in der Zuversicht, alle Möglichkeiten und Entwicklungen immer noch vor sich zu haben, so daß die
Nachfreude am Erreichten stets mit der Vorfreude am Erwarteten an einem hohen Mittag ohne Ende zusammenfliessen.’
Reinkarnation versus REGENERATION Von Prentice Mulford, ca. 1885-1890
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19.2./Zitate:
‘Was in der Medizin oft als nebensächlich angesehen
wird - Gedanken und Emotionen - ist nichts anderes als eine Mischung aus Chemikalien und elektrischen Schaltkreisen im Gehirn, die sich entwickeln und verändern.’
(Aussage eines führenden Harvard-Mediziners aus der Titelgeschichte der Februar-Ausgabe von ‘Welt der Wunder’, die den neuesten Forschungsstand
zu den Themen Selbstheilungskräfte des Körpers, Psychosomatik/Psychoneuroimmunologie und Placeboeffekt sehr anschaulich und prägnant zusammengefasst hat. Für den Kenner allerdings nichts wirklich neues, der sich im
Grunde genommen nur darüber ‘wundert’, daß man immer noch das Vorzeichen ‘Wunder’ für Zusammenhänge braucht, die schon vor Jahrzehnten auch naturwissenschaftlicher Forschung zugänglich geworden sind.)
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27.2./In eigener Sache:
Zur Veränderung des News-Konzepts
Anfang November 2006 wurde mit der noch laufenden
Folge 27 das News-Konzept grundlegend umgestellt. Die FOREVER-News erscheinen seither nicht mehr blockweise in größeren zeitlichen Abständen sondern werden nun unregelmäßig-fortlaufend ergänzt, um die Aktualität einzelner Nachrichten und Informationen noch besser berücksichtigen zu können. Die Unterteilung in vier allgemeine Grundrubriken wurde zugunsten eines größeren Spektrums inhaltlich-thematischer Oberbegriffe aufgegeben, die im - jetzt vollständigen und komplett verlinkten - Inhaltsverzeichnis dem jeweiligen Erscheinungsdatum zugeordnet sind. Der Umfang der News ist außerdem noch etwas reduziert worden, vor allem durch die starke Einschränkung der Berichterstattung über Forendiskussionen und ähnliche Internetaktivitäten. Die Relevanz dieser Öffentlichkeitsplattformen erscheint im Vergleich zum qualitativen Stellenwert und vor allem zur quantitativen Reichweite der konventionellen Medien einfach noch viel zu gering, als daß sich der bisherige Aufwand dafür wirklich schon lohnte - Ausnahmen bestätigen die Regel. Eine andere und abgespeckte Lösung für diesen Bereich ist allerdings bereits in Arbeit.
Die Flut an interessanten und mitteilenswerten - oder kommentierungswürdigen - Meldungen hält dabei unvermindert an und würde ohne weiteres für
ein Magazin mit deutlich größerem Umfang reichen, insbesondere, wenn man auch noch die englischsprachigen Quellen systematischer auswertete. Wie schon mehrfach in der Vergangenheit betont, wäre die dann anfallende
Arbeit der inhaltlichen Aufbereitung, Hintergrundrecherche, Kommentierung, technischen Umsetzung, Illustration u.ä. von einem einzelnen allerdings nicht mehr zu bewältigen. Da mit dem bestehenden Internetauftritt
die notwendige Basisarbeit aber schon geleistet wurde und weiter geleistet wird, müßte bereits eine kleine personelle Ergänzung in Richtung eines arbeitsteiligen Redaktionsteams zu einer grundlegenden Verbesserung,
Erweiterung und Ausdifferenzierung des Magazins führen. Ein solches Team dürfte in der Lage sein, ein bedeutendes Informations- und Meinungsportal rund um die verschiedensten Aspekte körperlicher Langlebigkeit und
physischer Unsterblichkeit auf die Beine zu stellen, das u.a. nicht nur wöchentlich sondern täglich aktualisiert werden könnte, um so ein Vielfaches an Lesern anzusprechen und zu erreichen. Wer daher Interesse an
einer qualifizierten Mitarbeit auf professioneller und verbindlicher Grundlage besitzt, über die Beliebigkeit und Subjektivität von Internetforen, Blogs o.ä. hinaus, schreibe eine Mail an unsterblichkeit(at)gmx.de
mit der Betreff-Zeile ‘Mitarbeit’. Eine ähnliche Wellenlänge setze ich dabei als selbstverständlich voraus. Ohne zusätzliche personelle Unterstützung erscheint FOREVER dagegen bis auf weiteres in der gegebenen und
reduzierteren Form. In News 28 soll dafür noch die Unterrubrik ‘Kurz notiert’ reaktiviert werden, um der Vielfalt an neuen und wichtigen Informationen in anderer Weise besser Rechnung zu tragen.
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28.2./Zitate:
‘Das ist das Geheimnis des Überlebens: Ziehe niemals in den Krieg - besonders nicht mir Dir selbst!’
(Aus dem Film ‘Lord of War - Händler des Todes’ mit Nicolas Cage in der Rolle eines zynischen Waffenhändlers.)
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Termine:
Wichtige oder interessante Termine sowie vor allem ein paar Hinweise auf ausgewählte TV-Sendungen, aktuelle Kinofilme oder neuere DVD-Veröffentlichungen mit thematischem Bezug zu den Inhalten des Magazins finden sich wie immer auf der
Terminseite:
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News-Folge 26/1.11.06
Aus dem Inhalt:
1. In eigener Sache: 3 Jahre FOREVER - Clubarchiv: ‘Gott’...
2. Diskussionsforen/Homepages: 3,5-Millionen Spende für SENS! - Neues SENS-Forum - Imminst-Gründer Bruce Klein überfallen...
3. Zeitschriften/TV-Sendungen...: ‘Atem des Lebens’ -
‘Die zehn gefährlichsten Orte der Welt’ - ‘Schluß mit dem Methusalem-Spuk’ - Spektrum-Titel zur Langlebigkeit! - P.M.: ‘Für immer Kind’?...
4. Sonstiges/Termine: Glaube versus Vernunft - Die Macht der Gefühle - ‘Eine unbequeme Wahrheit’ - Bedingungsloses Grundeinkommen? - Der Urtraum der Menschheit...
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Weitere Texte, Essays, Buchbesprechungen etc. und ältere News-Folgen finden sich wie immer im
Archiv, in dem auch die News-Schlagzeilen (ab News-Folge 9) als erster Einstieg in ein echtes News-Archiv aufgelistet werden. Erläuterungen zu wichtigen und regelmäßig
wiederkehrenden Begriffen kann man dagegen im Glossar anklicken. Teilweise sind dort auch schon im Sinne einer Registerfunktion inhaltliche Verweise auf frühere News-Folgen verlinkt. Interne Links auf ältere News-Inhalte führen bis News 26 nur zum Anfang des jeweiligen Unterabschnitts der News-Folge und noch nicht exakt zur genauen Position des spezifischen Beitrags. Bei allen im übrigen erwähnten und kommentierten externen Zeitungs- oder Zeitschriftenartikeln wurde ebenfalls ein Link ergänzt, sofern die jeweiligen Texte im Internet zur Verfügung stehen. Der in allen anderen Fällen in früheren News-Folgen hinzugefügte Hinweis ‘Nicht im Internet (einsehbar)’ soll allerdings aus Gründen der Vereinfachung und des besseren Leseflusses in Zukunft entfallen. Es sei auch noch auf den Jahresrückblick 2005 am Anfang von
News 20 hingewiesen, der schwerpunktartig das ganze Spektrum wichtiger Themen und Informationen vermittelt, das in FOREVER behandelt wird.
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L.M.M.
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