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6.3./Alternsforschung:
Zunahme von Alzheimer als Definitionsproblem
Nach einer Meldung auf
SPIEGEL-Online schon vom 31. Januar steigt die Zahl der Alzheimererkrankungen und anderer neurologischer Altersleiden schon seit längerem drastisch an und soll in Zukunft noch weiter zunehmen. Sehr
interessant dabei ist aber die angegebene Begründung für diesen zunächst nur medizinstatistischen Zusammenhang. Neben dem üblichen Hinweis auf die steigenden Lebensalter habe diese Entwicklung vor allem
auch mit verbesserter Diagnostik und einer Umdefinition von Alterserscheinu ngen zu tun:
‘Dies bestätigte auch Jens Volkmann, Neurologe an der
Universität Kiel: "Die Diagnostik hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert." Außerdem sei das Bewusstsein bei Patienten und Ärzten gestiegen. "Früher hat man vielen
älteren Menschen, die vergesslich wurden, erklärt, das sei halt so im Alter." Heute diagnostiziere man häufiger Alzheimer.’
Mit anderen Worten: Altersphänomene, die früher als Teil des ‘normalen’ oder ‘natürlichen’ Alterungsprozesses verstanden und einfach
so hingenommen wurden, gelten in jüngerer Zeit nun als Krankheiten, die prinzipiell behandelbar sind. Paradoxerweise läßt diese fundamentale Veränderung der Wahrnehmung
und Definition die statistischen Fallzahlen zunächst zwar drastisch ansteigen, aber (...) weiter
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6.3./Zitate:
‘Schon allein die Musik zu ‘Spiel mir das Lied vom Tod’ hat ihn unsterblich gemacht.’
(Zitat aus dem ARD-Kulturmagazin ‘Titel,
Thesen, Temperamente’ vom 18.2. über den Filmkomponisten Ennio Morricone, der vorletztes Wochenende den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk erhalten hat. Typische Ruhmes-Unsterblichkeit, wie sie monatlich
dutzendweise in den Medien zu finden ist, hier allerdings in einer unfreiwillig komischen Variante.)
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13.3./Termine:
Drewermann in der Berliner Urania
Auch an dieser Stelle sei noch einmal auf
den kommenden Vortrag des abtrünnigen katholischen Theologen, Kirchenkritikers und Psychoanalytikers Eugen Drewermann in der Berliner Urania hingewiesen, der nächste Woche, Donnerstag d. 22.3., 19 Uhr
30, zum Thema ‘Was ist des Menschen Seele? Angst, Person und Unsterblichkeit’ spricht. Drewermann wird darin voraussichtlich die entsprechenden Kapitel seines neuen Buches ‘Atem des Lebens’ genauer
darstellen, in dem es bekanntlich um die Bedeutung der neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung für das theologische Verständnis vom Menschen geht, siehe News 26. Anscheinend gibt er darin sogar die traditionelle Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele auf, wobei sich noch zeigen muß, ob etwas anderes an deren Stelle tritt oder welche sonstigen geistigen wie praktischen Konsequenzen sich aus dieser Preisgabe(?) christlicher Essentials ergeben.
Egal was man von der Person oder den Theorien Drewermanns halten mag, aber es handelt sich hier um einen seltenen Brückenschlag
zwischen Natur- und Geisteswissenschaft im existentiellen Kern des menschlichen Wesens, der die lähmende Sprachlosigkeit zwischen den verschiedenen Kulturen und weltanschaulichen Grundpositionen
überwinden könnte. Die Urania-Vorträge Drewermanns sind übrigens in der Regel sehr gut besucht, so daß bei stärkerem Interesse rechtzeitiges Erscheinen oder Kartenvorverkauf angeraten scheint.
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13.3./Zitate:
‘Wer richtig lebt, wird also im nächsten Leben befördert. Er oder sie gelangt in eine höhere Kaste. Schade nur, dass die meisten
Menschen ihr früheres Leben komplett vergessen. Sie werden belohnt oder bestraft, aber wissen nicht, wofür – ein riesiger pädagogischer Aufwand, der zu nichts führt. Die Welt könnte, nach und nach,
perfekt werden, wenn die Menschen lernen und sich erinnern dürften. Aber die Götter wollen dies offenbar nicht. So wissen die Menschen lediglich, dass alle Hierarchie auf Erden gerecht ist und göttlichem
Willen entspricht. Wahrlich, wahrlich, der Erfinder des Hinduismus könnte ein Firmenchef sein.’
(Harald Martenstein in der ZEIT vom 8.3., im Rahmen der siebenteiligen ZEIT-Serie Religion - siehe News 27 - die sich in der aktuellen Ausgabe mit dem Hinduismus beschäftigt. Zur Problematik der Reinkarnation und des spirituellen Vergessens, siehe auch den ebenfalls in News 27 verlinkten Text von Prentice Mulford ‘Reinkarnation versus REGENERATION’. Die meisten Texte der bisher erschienenen Beiträge der ZEIT-Serie sind übrigens nun auch im Internet auf einer speziellen
Übersichtsseite einsehbar.
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27.3./Alternsforschung:
SPIEGEL-Interview mit zwei Alternsforschern
Unter der Überschrift ‘Altern beginnt in
der Wiege’ interviewte der SPIEGEL vom 19.3. zwei deutsche Alternsforscher (einen Neurobiologen und einen Psychologen) über aktuellere Einsichten und methodische Probleme ihrer Disziplin. Der Schwerpunkt
des Gesprächs lag dabei auf der Alterung des Gehirns bzw. auf der fortschreitenden Beeinträchtigung unserer geistigen Fähigkeiten mit zunehmendem Alter und möglichen Gegenstrategien, wobei die viel
beschworene Schrumpfung des Gehirns nicht der entscheidende Punkt sei. (Hübscher Vergleich, der erwähnt wurde: die Schrumpfung sage nicht viel über die Leistungsfähigkeit aus, denn: ‘So eine
Schrumpfung kann auch bloß eine Konzentration bedeuten wie bei einer eingekochten Sauce.’)
Hingewiesen wurde u.a. auch wieder auf die ‘Neurogenese’, also die Neubildung von Neuronen im Gehirn, was man noch vor 15 Jahren für
eine ‘ketzerische Idee’ gehalten habe. Diesen Prozeß könne man wahrscheinlich durch körperliches und geistiges Training unterstützen - ‘am besten in einer Gruppe’ - allerdings nur wenig mit dem in der Öffentlichkeit viel beschworenen ‘Gehirnjogging’, das in seiner Wirkung stark überschätzt werde. Bei der Grundsatzfrage, wie groß denn generell unser individueller Spielraum sei, den Alterungsprozeß erfolgreich zu verzögern, betonten sie zwar einerseits unsere Flexibilitätspotentiale und die Sinnhaftigkeit lebenslangen Lernens, nahmen aber andererseits doch eher eine nüchtern-konservative bis schicksalsergebene Position ein: ‘Es
wäre fatal zu glauben, unser Schicksal sei durchweg durch unser Verhalten veränderbar.’ (Ulman Lindenberger). ‘Auf keinen Fall darf es nur darum gehen, auf Teufel komm raus jugendlich zu werden. Aus
70-jährigen dürfen keine falschen 40-jährigen werden.’ (Gerd Kempermann)
Schwierig auf methodischem Gebiet sei vor allem auch die Frage, inwieweit verschiedene untersuchte Altersmerkmale der heutigen Alten
ausschließlich biologisch-medizinische Phänomene seien oder inwieweit sie generationenspezifische und damit historisch veränderliche Elemente enthielten, die man nicht falsch verallgemeinern dürfe. Die
wichtigste Passage des ganzen Interviews war aber zweifellos folgender Abschnitt:
‘Kempermann: ‘(...) Die Forscher um Jim Vaupel in Rostock haben gezeigt, dass es keine zuverlässige Prognose darüber gibt, wann
wir Menschen das mögliche Höchstlebensalter erreicht haben. Laut ihren Daten steigt die Lebenserwartung seit mehr als einem Jahrhundert Jahr für Jahr um etwa drei Monate.’
SPIEGEL: Es ist also denkbar, dass die Lebenserwartung irgendwann bei 120 oder sogar 150 Jahren liegen wird?
Lindenberger: Das ist nicht auszuschließen. (...)’ (S. 154)
Eine Lebenserwartung von 150 Jahren als durchaus realistische Perspektive - eine solch grenzsprengende Aussage findet sich in den meinungsbildenden Massenmedien bislang noch so gut wie nie, in denen leider immer noch das ältere Dogma der vermeintlichen 120 (130)-Jahre Obergrenze vorherrscht! Interessant auch noch der Hinweis zu Anfang, daß Altern keineswegs auschliesslich mit Abbau und Verlust gleichzusetzen sei, wobei man auf die generell weit verbreitete Überschätzung von ‘Verjüngung’ einmal an anderer Stelle und ausführlicher eingehen müßte. Die Ausführungen gegen Ende des Gesprächs schliesslich über eventuell notwendige Anpassungen unseres Rentensystems an individuelle Bedürfnisse des einzelnen blieben dagegen etwas unpolitisch und fielen gegenüber dem vorangegangen ein wenig ab.
PS: Eingebaut war zu Anfang auch noch der Hinweis auf das in Planung befindliche neue Max Planck-Institut, das sich ausschließlich mit der Biomedizin des Alterns beschäftigen soll und wahrscheinlich in Köln angesiedelt wird. In diesem Zusammenhang fand ein ganz neu erschienener entsprechender Sammelband der Max Planck-Gesellschaft Erwähnung, bei dem der Vorsitzende der Wissenschaftsvereinigung, Prof. Peter Gruss, als Herausgeber fungiert:
‘Die Zukunft des Alterns - Die Antwort der Wissenschaft’.
Beck-Verlag München, 288 Seiten, 16,90 Euro, März 2007. (Der Link führt zum Nachweis des Titels auf der Seite des Buchversenders amazon.)
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31.3./Zitate:
‘Wer ein Jahr jünger ist, hat keine
Ahnung. Er redet von Statistiken und Zahlen aber nicht vom Alter.’
(Martin Walser anlässlich seines 80. Geburtstages kürzlich im FOCUS, ursprünglich aus seinem Roman ‘Ohne einander’. Man könnte das
Zitat auch als prägnante Veranschaulichung der in der Soziologie geläufigen Unterscheidung von ‘Systemwelt’ und ‘Lebenswelt’ ansehen. Die ‘Kolonialisierung’ der alltäglichen Lebenswelt durch die
Systemwelt, wie der Sozialphilosoph Jürgen Habermas die zunehmende Dominanz der großen institutionellen Strukturen über das Alltagsbewußtsein genannt hat, führt auch auf den Gebieten der Demographie und
der Altersforschung zu einer fortschreitenden Entwertung oder Irrealisierung der unmittelbaren persönlichen Erfahrung. Dabei steigert der rationale Zugang zu den Dingen - die ‘Zahlen’, die Messbarkeit
und Quantifizierbarkeit - wie er eben in der Wissenschaft, der Wirtschaft, den staatlichen Bürokratien oder in den Medien zuhause ist, zwar unaufhörlich unser technologisch-abstraktes Wissen, verfehlt
aber auch zunehmend lebensfördernde Qualitäten, die sich nur im direkten und sinnlich-emotionalen Austausch von Mensch zu Mensch entfalten.)
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14.4./Alternsforschung:
BILD: ‘Wir werden alle (bald) 100 Jahre alt!’
‘Wissenschaft vor dem Durchbruch,’ titelte
die BILD-Zeitung schon am 31.3., um in den darunter stehenden großen Lettern zu verkünden: ‘Wir werden alle 100 Jahre alt!’ Das kleine einschränkende ‘bald’ über dem ‘e’ von ‘alle’ war dagegen erst auf
den zweiten und genaueren Blick erkennbar. Der zugehörige Artikel im Innenteil berichtete von der experimentellen Grundlagenforschung am Jenaer Leibniz-Institut für Altersforschung, wo unter anderem bei einer
kurzlebigen Fischart, dem Prachtgrundkärpfling, durch Kreuzungen eine 50%-ige Steigerung der durchschnittlichen Lebenserwartung erreicht werden konnte. Tieferes Ziel ist die Identifikation von
Langlebigkeitsgenen bzw. das tiefere Verständnis genetischer Mechanismen im Alterungsprozeß, um Medikamente für den Menschen abzuleiten, mit deren Hilfe man das gesunde Alter des Menschen gezielt auf
einhundert Jahre und mehr verlängern will. Dies könne schon in ca. 15 Jahren der Fall sein, wovon also die heute 50-jährigen - ‘hoffentlich’ - noch profitieren würden: ‘Man braucht etwa fünf Jahre, um
die Funktion eines Gens zu verstehen. Weitere fünf Jahre, um ein Medikament zu entwickeln, und noch einmal fünf Jahre, um es zur Marktreife zu bringen,’ wurde ein Forscher des Instituts zitiert...
Die Alternsforschung steht allerdings bis jetzt leider immer ‘vor dem Durchbruch’, was über die wirkliche Zeitperspektive seines
Eintretens nicht viel aussagt, denn es gehört nun einmal zum entscheidenden Wesen eines Durchbruchs, daß er nicht vorhersagbar ist, weil bislang ungeklärte Phänomene und Widerstände entscheidend mit im
Spiel sind. Anderfalls wäre es ja auch kein Durchbruch, keine Entdeckung bislang völlig unbekannter und neuer Gesetzmäßigkeiten, sondern nur die technisch-praktische Umsetzung von längst bekanntem
Wissen, etwa wie beim Bau des Eurotunnels oder dem Flug zum Mond. Der Vergleich mit dem Apollo-Projekt, der in der immortalistischen Szene gelegentlich zu finden ist, als Forderung einer analogen
politisch-technologischen Initiative in der Alternsforschung, hinkt daher auch gewaltig.
Lebensverlängerung durch Züchtungs und Kreuzungsexperimente sind für die Grundlagenforschung sicher von einiger Bedeutung, ihre
praktisch-therapeutische Übertragbarkeit auf den Menschen tendiert dagegen gegen Null, weil bei ihm ganz andere Zeitperspektiven im Spiel wären. Entsprechende Erfolge bei nicht-säugetierartigen
Modellorganismen sind im Prinzip auch nichts neues, siehe die Lebensverlängerung bei Zellkulturen und Würmern oder Michael Roses Züchtungen langlebiger Fliegen, die schon von Anfang der 90er datieren.
Aubrey de Greys SENS-Projekt bzw. der von ihm begründete Methusalem-Maus-Preis ist hier wesentlich ambitionierter, eben weil der Modellorganismus Maus als Säugetier eine größere Vergleichbarkeit - und
damit Übertragbarkeit potentieller Ergebnisse! - zur menschlichen Gattung aufweist. Ob die damit verbundenen forschungsstrategischen Hoffnungen über diesen ganz allgemeinen Aspekt hinaus aber tatsächlich
so aussichtsreich sind, wie von den Verfechtern des Maus-Preises unaufhörlich behauptet, muß allerdings einer eigenständigen Untersuchung vorbehalten bleiben.
Offenbleiben muß an dieser Stelle auch, wie weit der genetische Einfluß auf das Altern wirklich reicht. Eine Faustformel weist den
Genen nur einen Anteil von 25% zu, während weitere 25% die Lebensbedingungen in Kindheit und Jugend ausmachen und die restlichen 50% dem aktuellen wie zukünftigen individuellen Verhalten und Lebensstil
geschuldet sein sollen. (Siehe z.B. Titelgeschichte der Bild der Wissenschaft vom Mai 2005, News 14.) Da es den hier in Frage stehenden Forschern allerdings
auch nicht um die komplette Abschaffung des Alterns an sich sondern um deutlich bescheidenere Ziele geht, erscheint eine erfolgreiche Beeinflussung einzelner genetischer Mechanismen durchaus im Bereich
des Möglichen, wenngleich gezielte Veränderungen des Lebensstils mindestens das gleiche wenn nicht sogar ein größeres Lebensverlängerungspotential aufweisen - zumindest wenn es tatsächlich nur um die
Erweiterung der durchschnittlichen Lebenserwartung um zwei bis drei Jahrzehnte gehen soll. Wie schon öfters an anderer Stelle betont, braucht man hier aber auch keinen künstlichen Gegensatz zwischen
Lebensstilfaktoren und neuen medizinischen Therapien aufmachen, da es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein wechselseitiges Ergänzungs- und Optimierungsverhältnis handelt. Dieses Ergänzungsverhältnis
wird vielleicht auch noch aus einem ganz anderen Grund ins Zentrum der Betrachtung rücken, weil die neuere biologische Unterdisziplin der Epigenetik immer mehr aufzeigen kann, wie veränderliche Umweltfaktoren direkt auf das Funktionieren einzelner Gene und genetischer Regelkreise, ihre Aktivierung und Deaktivierung, zurückwirken. Das mechanisch-statische Verständnis genetischer Funktionen vergangener Zeiten, das mindestens noch via Verkürzungszwänge in den populären Medien in Millionen Köpfen des Alltagsbewußtseins herumgeistert, muß daher längerfristig einem angemesseneren dynamischen und systemischen Denken weichen, wobei die resultierenden Komplexitäten wahrscheinlich nur noch mit hochformalen Modellen der Bioinformatik handhabbar sein werden.
PS: An dieser Stelle auch noch einmal der Hinweis auf den öffentlichen Vortrag von Prof. James Vaupel an eben diesem Jenaer Institut nächste Woche, 19.4., 17 Uhr 30 zum Thema ‘The remarkable rise in life expectancy and the prospects for further improvements.’ Näheres inclusive Link, siehe
Termine.
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14.4./Zitate:
‘FOCUS: Die Psyche ist für Sie also reine Biochemie?
Holsboer: Nun, in unserem Verständnis wird die Psyche durch ein Netzwerk von Zellen unseres Gehirns gebildet, die letztendlich aus
Eiweißbausteinen biochemisch geformt werden. Diese Netzwerke verändern sich ununterbrochen, ihre Chemie ist im Fluss. Zum Beispiel durch schöne Erlebnisse wie Verliebtsein, schreckliche Erfahrungen wie
einen Flugzeugabsturz, Hungersnöte, durch Ernährung oder unser soziales Umfeld. Jeder Gedanke verändert die Biochemie unseres Gehirns. Ein Trauma gräbt sich in unsere Zellkerne ein und verändert die
Genaktivität. Veränderungen in der Psyche müssen ja ihre Auswirkungen auf die Biochemie unseres Gehirns haben.
FOCUS: Was bedeutet das für das Verständnis vom Altern?
Holsboer: Dies ist eine zentrale Erkenntnis. Die Art und Weise, wie wir altern, wie wir Stress, positive und negative Erlebnisse in
unserem Leben verarbeiten, hinterlässt tiefe biochemische Spuren in den Zellen. Die Gene, mit denen wir auf die Welt kommen, bilden die Grundlage für unser Leben. Aber die Umweltfaktoren entscheiden, ob
eine genetische Disposition zum Tragen kommt oder nicht. (...)’
(Aus einem FOCUS-Interview mit Alternsforscher Florian Holsboer, siehe unten ‘Kurz notiert’, 14.4., das die innige
Wechselwirkung von Genen und Umwelt im Hinblick auf den Alterungsprozeß prägnant auf den Punkt bringt. Die wichtige Rolle von Denken und Fühlen, die Unsterblichkeitspionier Prentice Mulford/Link schon
Ende des 19. Jahrhunderts intuitiv richtig erkannt hatte, liegt hier gewissermassen in einer naturwissenschaftlich modernen Fassung vor. Die biochemische Betrachtungsweise müsste dabei allerdings
mindestens noch um eine bioelektrische Dimension ergänzt werden, denn es kann kein Zweifel daran bestehen, daß gerade auch bei den Funktionen der Nervenzellen im Gehirn elektrische Phänomene entscheidend
mit im Spiel sind.)
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19.4./In eigener Sache:
Radiosendung über Rudolf Bahro
Wen der geistige Hintergrund und Ursprung,
aus dem dieses Magazin (mit-)entstanden ist, tiefer interessiert, dem sei eine ca. 27-minütige Radiosendung über den 1997 verstorbe nen Philosophen, Sozialökologen und ehemaligen SED-Dissidenten Rudolf Bahro
empfohlen, die am 5.4. auf SWR 2 ausgestrahlt wurde und jetzt auch als Podcast im Netz herunterladbar ist. FOREVER läßt sich zum Teil sowohl als
Fortsetzung wie auch als genaues Gegenteil zum Werk des so genialen wie fatalen Öko-Apokalyptikers Bahro verstehen, der sich letztlich trotz all seiner
konstruktiven Ambitionen - ‘Logik der RETTUNG’ heißt sein 1987 erschienenes Hauptwerk - in den Schattenseiten seiner permanenten Untergangsbeschwörungen tragisch verstrickt hat.
Die Sendung beschreibt gut seinen persönlichen wie geistigen Entwicklungsweg vor allem bis zur Wendezeit 1989, während sie seine sich anschließenden langjährigen Vorlesungsreihen
an der Berliner Humbold-Universität vernachlässigt. Der Autor bleibt in seinen Bewertungen zwar etwas subjektiv, harmlos und oberflächlich und kann damit dem intellektuellen Ereignis
Rudolf Bahro samt dessen charismatischer Rhetorik nicht wirklich gerecht werden; als erster Einstieg und Übersicht zu Bahros Leben und Werk ist die Sendung aber allemal hörenswert.
(Auf der entsprechenden Unterseite des Südwestrundfunks oben rechts den Link (Sendung
zum...) ‘Hören’ anklicken.) |
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19.4./Empirie:
Neue Kriminalstatistik versus ‘gefühlte Kriminalität’
Letzte Woche wurde auf SPIEGEL-Online nach
einer Umfrage von dpa die Kriminalitätsstatistik für zehn ausgesuchte deutsche Ballungsgebiete für das Jahr 2006 veröffentlicht. In der Grundtendenz und im
langjährigen Vergleich nimmt die Zahl der Straftaten immer mehr ab, wenngleich es einzelne Delikte wie jugendliche Gewalttaten oder Internetkriminalität gibt, die partiell zunehmen. Dies hat vor allem
auch mit dem demographischen Wandel der Gesellschaft zu tun, da im Durchschnitt Straftaten überwiegend von Menschen jüngeren Alters begangen werden, deren Zahl und Anteil seit vielen Jahren
kontinuierlich zurückgeht. (Die von Fremdenfeinden und Rechtsradikalen gerne hervorgehobene höhere Verbrechensquote von Ausländern erklärt sich ebenfalls zum Teil nur aus diesem demographischen Effekt,
da Einwanderer, Asylanten oder Deutsche mit Migrationshintergrund noch mehr Kinder bekommen und damit statistisch überproportional in den verbrechensrelevanten Generationen vertreten sind. Zum anderen
Teil stellen sie einen höheren Prozentsatz in einkommensschwachen und bildungsfernen Schichten, die ebenfalls - auch unter Deutschen - eine höhere Kriminalitätsrate aufweisen. Der Rest sind paradoxe
Effekte der Ausländerdiskriminierung selbst, Stichwort self fulfilling prophecy u.ä.)
In immortalistischer Hinsicht ist vor allem - neben dem kontinuierlich sinkenden Risiko, Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden -
folgende Beobachtung interessant, wonach es zu einer grossen Diskrepanz zwischen dem realen Vorkommen bestimmter Straftaten und der von der Bevölkerung bloß angenommenen und vermuteten Häufigkeit kommt.
Dies gälte z.B. für die Einschätzung eben der Ausländerkriminalität, die glatt doppelt so hoch wie tatsächlich angesiedelt wird oder - besonders krass - bei Sexualmorden. Die ‘gefühlte Kriminalität’, wie
die Kriminologen diese subjektive Einschätzung des Verbrechensrisikos nennen, ist hier sage und schreibe SECHSMAL größer als die reale, was ziemlich genau mit dem proportionalen Anstieg der
Berichterstattung der letzten Jahre in bestimmten Medien korreliert! Nicht Fakten sondern medial inszenierte Meinungen dominieren also die Öffentlichkeit bzw. das allgemein herrschende Bewußtsein,
weshalb auch der Verweis mancher Immortalisten und Propagandisten für spezifische Alternsforschungsprojekte auf die scheinbar für sich selbst sprechenden Mortalitätsstatistiken erst mal völlig ins Leere
zielt. Zwischen objektiven Risikoverteilungen und subjektiven Risikowahrnehmungen liegen eben (Interpretations-)Welten, eben die Welten der Eigendynamiken menschlicher Kommunikation und
gesellschaftlicher Selbstverständigungsprozesse. Dies liesse sich ganz aktuell auch am Vergleich zwischen den öffentlich-medialen Erregungswellen über die 30 Amoktoten in Virginia versus den 200
Attentatstoten nur zwei Tage später im Irak und vielen anderen Beispielen verdeutlichen. Der allgemeine Aufmerksamkeits- und Nachrichtenwert der Menschen, die an Krankheiten oder gar am Alter sterben,
tendiert jedenfalls gegen Null, es sei denn, sie sind prominent, weshalb die medienstrategischen Erwartungen, die sich vor allem auch auf Aubrey de Greys Methusalem-Maus-Preis bzw. das SENS-Projekt
richten, völlig überzogen sind. Andererseits versteht man so wiederum auch besser den ein oder anderen irrational anmutenden Aspekt seines ganzen Auftretens und Wirkens, aber ob hier unterm Strich Minus
mal Minus wirklich ein massenmobilisierendes Plus ergibt, muß wohl jeder selbst entscheiden...
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24.4./Zitate:
‘Mein Gehirn ist 62.’
(TV-Moderator Jörg Pilawa (41) in einem aktuellen TV-Werbespot für eine ‘Gehirn-Jogging’-Software. Das hatten wir allerdings auch
ohne solche neumodischen Hilfsmittel doch schon immer geahnt.)
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24.4./Anti-Aging:
"Sex ist wichtig“
Peter Paul Gantzer, Vizepräsident des
Bayerischen Landtags, hat ein Buch über das Altern geschrieben. In dem Kapitel "Sex in the sixties“ erklärt er die ungeheuren Auswirkungen körperlicher Leidenschaften. Zum Interview vom 18.4.07 auf Sueddeutsche.de
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5.5./Alternsforschung:
Jungbrunnen-Mechanismus im Fadenwurm entdeckt
Fasten hieß bislang die Devise für
Versuchstiere, die ein möglichst hohes Alter erreichen sollten. Jetzt haben US-Forscher ein Gen entdeckt, das Fadenwürmern ein 20 bis 30 Prozent längeres Leben schenkt - und die Frage aufwirft: Essen und
Altern, verträgt sich das? Autor: Stefan Schmitt ----- Weiter zum Artikel auf SPIEGEL-Online vom 3.5.07
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13.5./Zitate:
‘Er glaube sogar, dass "das Ganze
unterschwellig ein Selbstmordkommando war". Aust verwies auf ein Brecht-Zitat, das sich in mehreren Briefen von RAF-Mitgliedern wiederfand: "Furchtbar ist es, zu töten, aber nicht andre nur,
auch uns töten wir, wenn es not tut, da doch nur mit Gewalt diese tötende Welt zu verändern ist, wie jeder Lebende weiß." ‘
(Aus dem SPIEGEL-Online-Bericht vom 24.4. über den Chat mit SPIEGEL-Chefredakteur Stefan Aust zur RAF. Das Passage bringt prägnant
die mörderisch verkürzte Weltsicht der RAF-Terroristen zum Ausdruck, die die primären Todesursachen der menschlichen Sterblichkeit zugunsten der sekundären ausblendeten, so daß nur noch ‘die tötende
Welt’ - also vor allem die zwischenmenschliche Gewalt, gegen die gewaltsamer Widerstand geboten schien - übrigblieb. Die Selbstmordtendenz schien damit zwangsläufig zu sein, als Wiederkehr des
Verdrängten und unbewußte Projektion des eigenen natürlichen Todes, wobei solche tödlichen Selbstbestrafungsmechanismen letztlich schon magisch-archaischen Opferkulten zu Grunde liegen, die einst mit den
Anfängen aller Religionsbildung verknüpft waren. Zum linksradikalen Terrorismus als todeskompensierender Ersatzmythologie, siehe auch einen Hinweis in News 27.)
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13.5./Ökologie:
Weltuntergang mit T.C. Boyle
Ein lupenreines weil zugespitztes Beispiel
von ökologischem Weltuntergangspessimus veröffentlichte die ZEIT vom 26.4. mit einem Text des US-Schriftstellers T.C.Boyle: ‘Hoffnung? Keine!’. Darin konstatiert er in einem
philosophisch-politischen Rundumschlag das Ende der menschlichen Zivilisation, das unaufhaltsam und gewissermassen schon besiegelt sei. Es fällt schwer, darauf nicht in zynischer Weise zu erwideren, etwa
nach dem lapidaren Motto einer dadaistischen Gruppe, das ein Bekannter von mir zu zitieren pflegt: ‘Save the planet, kill yourself!’ Die morbide Übertreibung des Literaten macht andererseits sehr gut
deutlich, wie die ganze ökologische Problematik längst zur modernen Projektionsfläche für die individuelle Sterblichkeit geworden ist, bei der die kollektive Untergangsbeschwörung nur den eigenen Tod
verdrängt, der schlussendlich auch ganz ohne Klimawandel, Kernkraft, Erschöpfung der Ressourcen, Gift in der Nahrung usw. usf. droht! Dieser Hinweis soll allerdings nicht darauf hinauslaufen, daß
jegliche Ökologieproblematik per sé und NUR eine Projektion wäre, also grundsätzlich irrelevant oder nebensächlich, denn da käme es sehr auf das einzelne Thema bzw. eine differenziertere Bewertung an!
Oder, mit den Worten eines anderen zynischen Spruches: ‘Die Tatsache, daß du paranoid bist, heißt nicht, daß sie dich NICHT verfolgen!’
Gerade aus der Perspektive eines rationalen und effektiven
Umgangs mit den verschiedenen ökologischen Bedrohungen wäre eine bewußte Unterscheidung zwischen durchaus angemessenen Ängsten und sachfremden emotionalen Aufladungen allerdings von höchster Bedeutung. Dies setzte aber eine aktive Selbstreflexion psychologischer wie existentieller Fragestellungen voraus, denn nur dann könnte man entscheiden, was blosse ‘neurotische’ Projektion von allgemeinem Weltschmerz, subjektiver Krise oder unbewußter Begegnung mit der Vergänglichkeit des Lebens ist und was zusätzliche, abwendbare und konkrete Gefahr.
PS: Wenn man allerdings die gleichermassen irrationale Haltung vieler Klimaskeptiker bemerkt, wie sie sich aktuell gerade im Forum auf SPIEGEL-Online massiv
äußert, wird einem erschreckend klar, daß die Verdrängung des Todes keineswegs auf Öko-Apokalyptiker beschränkt ist, sondern sich im schlecht gelaunten
‘Optimismus’ des typischen Rationalisten nur besser tarnt. Anders gesagt: der ökologische Weltuntergangspessimismus mag projektiv noch so übersteigert und verzerrt sein, aber er scheint aufklärerischen
Argumenten prinzipiell noch zugänglich, weil er einen längerfristigen Zeithorizont besitzt. Der selbstgefällige bis zynische Alltagsrationalist dagegen nutzt seine ganze Intelligenz und Kritikfähigkeit
nur noch zur Rundumabwehr aller möglichen Bedrohungsszenarien, um seine subjektiven Wohlfühlinseln im hier und jetzt möglichst lange zu verteidigen, bestärkt damit das generell kurzfristige Denken des
Alltagsbewußtseins und die herrschende allgemeine Pseudounsterblichkeit, die anscheinend die existentielle Realität des Todes durch schlichtes Nichtbefassen ausblenden will.
Es spricht leider alles dafür, daß es letztere und nicht erstere Haltung ist, die uns mittel- und langfristig erst die ganzen
ökologischen Probleme einbrockt, auf die dann die Öko-Apokalyptiker mit ihrer komplementären Irrationalität, ihren Übertreibungen und teils fragwürdigen Aufklärungsstrategien reagieren, und so gesehen
haben wir es bei diesem Diskurs wohl mit zwei Seiten der gleichen Medaille zu tun. Aber wie können wir aus diesem fatalen dialektischen Muster aussteigen, wie???
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13.5./Zitate:
‘Der Flensburger Klimaforscher Olav
Hohmeyer fasst in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur die Aussagen des dritten Teilberichts so zusammen: "Erstens: Wir haben nicht mehr viel Zeit zum Handeln, die Reduktionsziele für den
Treibhausgasausstoß müssen ehrgeiziger sein. Zweitens: Wir haben alle Technologien, die wir dafür brauchen, das Problem nachhaltig anzufassen. Drittens: Wir müssen handeln und dürfen keine zehn Jahre
mehr warten. Viertens: Die Handlungsmöglichkeiten sind preiswert." ‘
(Aus einem SPIEGEL-Online-Artikel vom 4.5. über den dritten Teil des Weltklimaberichts der UNO, der die strategischen
Handlungsmöglichkeiten der Menschheit aufzeigt
. Hierbei stellen nicht die Kosten sondern die Zeit die größte Herausforderung dar. Man beachte - nebenbei bemerkt -
auf eine in dem Artikel verwendete Illustration, die stark an das FOREVER-Logo erinnert.)
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14.5./Immortalismus:
‘Sabine Christiansen’ und die Akzeptanz des Todes
In der Talk-Show ‘Sabine Christiansen’ vom
13.5. zu aktuellen Problemen der Altenpflege bzw. der Pflegeversicherung wurde eingangs mehrfach von ‘der Verdrängung des Todes’ gesprochen, wobei sich insbesondere Schauspieler Ilja Richter mit dem Lob
früherer Zeiten bzw. ländlicher Verhältnisse hervortat und die ‘Natürlichkeit’ von Altern und Tod betonte. Das Pathos von der Natürlichkeit wirkt bei einem Künstler immer besonders widersinnig, denn sein
ganzes Metier ist der Natürlichkeit abgerungen, wie sich Kunst und Kultur geradezu als zur Natur entgegengesetzt interpretieren lassen. Die Gleichsetzung von ‘natürlich’ mit ‘gut’, also von einer
Faktenaussage mit einer Bewertung der Fakten, die man in der Philosophie auch unter dem Namen ‘naturalistischer Fehlschluss kennt, geschieht dabei immer nur selektiv und reduziert sich anscheinend auf
jene Dinge und Phänomene, die der Mensch noch nicht zu beherrschen gelernt hat wie z.B. den Alterungsprozess. Ansonsten nimmt man die Errungenschaften von Wissenschaft, Technik und Medizin wie
selbstverständlich in Anspruch oder ist sogar stolz darauf, nicht mehr den Unbilden der Natur hilflos ausgesetzt zu sein.
Davon abgesehen herrschte in früheren Zeiten wie auch heute noch verstärkt unter ländlichen Bevölkerungsgruppen natürlich die
traditionell-christliche Religion, die mit der Akzeptanz des körperlichen Todes die Aussicht auf ein ewiges Leben, also eine traditionelle und transzendente Form von Unsterblichkeit, verbindet. Das
stereotype und moralisierende Lamento über die moderne ‘Verdrängung’ des Tod zielt daher in der Regel völlig ins Leere, solange dieser religiöse bzw. philosophische Hintergrund des Themas nicht mit
reflektiert wird, denn für den traditionellen Immortalismus ist mit dem Tod keineswegs das letzte Wort gesprochen, wie es bestimmte zugespitzte Positionen des weltlichen ‘Humanismus’ bzw. ihre
gedankenlosen Vulgarisierungen den modernen und religionslos gewordenen Menschen zumuten wollen. In der Regel handelt es sich dabei schlicht um eine unbewußte Vermischung von traditionellen mit modernen
Elementen, die im tiefsten und letzten aber völlig unvereinbar sind, da die säkulare Aufklärung von der strikten Zurückweisung des Glaubens an Gott, Auferstehung und ewigem Leben ausgeht und von daher
ihren Ausgang nimmt. Der ganze technisch-wissenschaftliche Alltag der Moderne wird von dieser Disposition her entscheidend mitbestimmt und prägt damit alle möglichen anderen kulturellen, sozialen oder
geistigen Verhältnisse, wie z.B. auch den institutionellen Umgang der Gesellschaft mit ihren Alten. Streiten kann man sich nur darüber, warum diese gedankenlose Vermischung von traditionell-religiösen
mit modernen Vorstellungen so weit verbreitet ist und auch so häufig bei an sich intelligenteren Zeitgenossen vorkommt. Liegt es einfach an der anhaltenden Stärke der traditionellen Religion, die auf
Jahrtausenden aufbaut, oder liegt es an der überhistorischen und furchteinflössenden Gewalt des Todes, für die die Moderne - noch? - keine eigenständige Antwort anbietet, was Rückgriffe und
Inkonsistenzen aller Art provoziert??
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14.5./Zitate:
‘Ja auch so manches alte Lied
gehört zu meinem Leben.
Half mir, wenn ich gefallen war,
mich wieder zu erheben.
Da fliessen Brunnen klar und kalt,
wer daraus trinkt wird nimmer alt
und warum soll es solche Brunnen
nicht auch wirklich geben?
So einen Brunnen habe ich
bis heute nicht gefunden.
(...)’
(Anfang einer melancholischen Balade von Liedermacher Hannes Wader, die er
am 6.5. in der Sendung ‘nachtstudio’ des ZDF über ‘die Magie der Stimme’ zum Besten gab, und worin der Schmerz der Vergänglichkeit aber auch die zeitlose Kraft der Musik beschworen werden.)
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18.5./Alternsforschung:
Deutschlandradio Kultur: ‘So werden wir altern’ Zum Report der Max-Planck-Gesellschaft
Unter der Überschrift ‘So werden wir
altern’ berichtete das Deutschland Radio Kultur am 3.5. in einer halbstündigen Sendung über den neuesten Report der Max-Planck-Gesellschaft zu aktuellen Fragen der Alternsforschung. Zu Wort kamen vor
allem Florian Holsboer, Prof. für Psychiatrie und Direktor des Max Planck-Instituts München, zur medzinischen Behandlung von Alterserkrankungen, Gerd Kempermann, Prof. am Berliner Max-Dellbrück-Zentrum
für Stammzellbiologie, zum Problem der Alterung des Gehirns und Ursula Staudinger, Professoin für Psychologie der Universität Bremen, zur Frage der Lernfähigkeit im höheren Alter. Das Radiofeature deckte
damit nur einen kleineren Teil des im März unter dem genaueren Titel ‘Die Zukunft des Alterns - Die Antwort der Wissenschaft’ herausgegebenen Bandes ab (Hrg. Peter Gruss, C.H.Beck-Verlag, 16, 90 Euro),
wobei Kerngedanken von Kempermann und Holsboer hier in News 28 schon am 27.3. (SPIEGEL-Interview) und am 14.4. (FOCUS-Interview) zu lesen waren, siehe oben.
Als sowohl informativer wie eingängiger Radiobeitrag war die Sendung gelungen, wobei im Moment offen bleiben muß, ob sie auch noch als Audio-Datei und Podcast angeboten wird. Das umfangreiche
Textmanuskript steht dagegen schon im Netz zur Verfügung, es sei aber nur besonders interessierten zur Lektüre empfohlen, die besser gleich die 16,90 Euro für den sehr viel dichteren und umfassenderen Originalband investieren sollten. ‘Die Zukunft des Alterns’ wird außerdem bei der nächsten Erneuerung der Unterseite mit den zehn Lektüreempfehlungen zum Langlebigkeits- bzw. Unsterblichkeitsthema neu mitaufgenommen bzw. einen älteren Titel ersetzen, da es eine gute Übersicht auf hohem Niveau über die verschiedensten neueren Aspekte der Alternsforschung liefert (siehe
‘Die zehn Essentials’). Eine ausführlichere Besprechung des Buches muß allerdings noch etwas warten.
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KURZ NOTIERT:
6.3./Religion: Die umfassende Titelgeschichte der Februar-Ausgabe der ‘Bild der Wissenschaft’ beschäftigte sich ebenfalls mit dem Phänomen Religion unter dem Gesichtspunkt ihrer gesellschaftlichen Nützlichkeit. Einerseits findet man dort eine hervorragende einführende Übersicht zu evolutionstheoretischen und soziobiologischen Erklärungsansätzen von Religion auf aktuellem Stand, andererseits verfehlt auch dieser Text wie andere populäre Veröffentlichungen der letzten Wochen und Monate - siehe
News 27 - den Todesursprung traditionellen religiösen Denkens, der gerade mal in ein oder zwei Nebenbemerkungen unangemessene Erwähnung findet. ----- 6.3./Alternsforschung: Der schon seit Anfang 2006 existierende - englischsprachige -
Blog von Leonid Gavrilov stellt eine hervorragende Quelle für Neuigkeiten, Untersuchungen, Buchhinweise u.ä. aus der wissenschaftlichen Alternsforschung dar. Dr. Gavrilov ist wie seine Frau, Dr. Natalia Gavrilova, Altersforscher der Universität Chicago, sie stammen beide ursprünglich aus Rußland und haben gemeinsam zahlreiche einschlägige Publikationen bzw. Aufsätze auch über demographische und biomedizinische Entwicklungen ihrer russischen Heimat veröffentlicht. Leonid Gavrilov ist außerdem Sympathisant von Aubrey de Grey und SENS sowie Mitglied des Immortality Instituts, in dessen Forum er in jüngster Zeit eine größere Aktivität entfaltete. ----- 6.3./Politik: Am 1.3. beklagte sich auf SPIEGEL-Online ein jüngerer Autor über den Verlust seiner Jugend angesichts des Praktikumstresses, der mangelnden Arbeitsplatzaussichten und der üblichen Anforderungen an eine berufliche Karriere. Das höchste Lebensglück und Jugendideal scheint für ihn und seinesgleichen darin zu bestehen, Nachts um die Häuser ziehen zu können und beim Türsteher des angesagtesten Clubs Einlass zu finden, was mit ‘zunehmendem Alter’ (über 25, über 30??) immer schwieriger würde. Der Text liest sich als kleine und fast schon komisch wirkende Veranschaulichung für die sozialen und psychologischen Aspekte des Alterungsprozesses, der auch hier weitaus früher einsetzt, als es die Klischees des Alltagsbewußtseins vermuten lassen. ----- 10.3./Alternsforschung: Nur einen Tag nach der Veröffentlichung des obigen Textes vom 6.3. zur Frage, inwieweit Alzheimer eine ganz bestimmte ‘Schlüsselkrankheit’
einer eng begrenzten Zahl von Schlüsselkrankheiten des Alterungsprozesses darstellt, machte das heute-journal des ZDF mit einer geradezu sensationell klingenden Neuigkeit auf. Kernaussage der zitierten
Göttinger Forscher: Alzheimer resultiere nur aus Ablagerungen auf den Synapsen der Nervenzellen, nicht aber aus dem kompletten Absterben der Nervenzellen selbst, wodurch die Krankheit in grundlegender
Weise behandelbar und längerfristig vermutlich auch heilbar würde. Näheres siehe die Seite des heute-journals, wo auch der entsprechende Beitrag noch einmal angeschaut werden kann. ----- 10.3./Demographie: In der ZEIT vom 1.3. versuchte sich Redakteurin Susanne Gaschke in ‘ageism’ auf feinsinnigem Niveau, di e sich allen Ernstes von Horden junger Alter verfolgt und belästigt fühlt, deren
‘unanständigen Zeitreichtum’ sie beneidet, so daß sie sich beinahe die Lebenserwartung und geringere Rentnerzahl des Jahres 1970 zurückwünscht: ‘Furchtbar rüstig’. Trotz Bemühungen um Differenzierung polemisch überzogener und völlig untauglicher Versuch, sich mit neueren Aspekten der
demographischen Entwicklung auseinanderzusetzen, wenn man ausgerechnet die zartesten Pflänzchen eines neuen und optimistischeren Altenbildes bespötteln und angiften muß, in
denen schließlich substantielle medizinische und soziale Fortschritte zum Ausdruck kommen. Wie es mit dem ‘Zeitreichtum’ einer Bevölkerungsgruppe mit weniger als 20
Jahren durchschnittlicher Restlebenszeit immer noch tatsächlich aussieht, bekommt man dagegen in Philip Roths aktuellem Roman ‘Jedermann’ so anschaulich wie deprimierend
vorgeführt. (Siehe auch die Replik ihres pensionierten Kollegen Haug von Kuenheim in der ZEIT vom 8.3.: ‘Schau mir in die Augen, Susanne’.) ----- 13.3./Philosophie: Der Nachruf von Thomas Assheuer in der ZEIT vom 8.3. zum Tode von Jean Baudrillard (‘Der symbolische
Tausch und der Tod’) zeichnete in komprimierter Form die Bedeutung und Entwicklung des einstigen französischen Soziologen und Modephilosophen der Postmoderne nach, dessen
umfassende Zeitdiagnose vom zunehmenden ‘Verschwinden’ der sozialen Realität hinter dem Horizont medialer Simulation immer schon einen grundlegenden Bezug zur existentiellen
Bedrohung durch den Tod aufwies: Der letzte Prophet
. Die kulturkritische Verallgemeinerung
der Simulationsthese war allerdings immer schon eine haltlose Übertreibung, der letztlich die bekannte und irreführende Historisierung der Sterblichkeit des Menschen zu Grunde lag. In
Wirklichkeit resultiert die steigende Medialisierung und Irrealisierung der Welt gerade umgekehrt aus der immer weiteren und an sich positiven technisch-ökonomischen Entlastung
des Körpers, die allerdings einer immer stärkeren Verdrängung des menschlichen Todes Vorschub leistet, nicht zuletzt bei privilegierten Geistesarbeitern und Intellektuellen, aktuell in
den wahnhaften Verstiegenheiten des cyberspace und von virtual reality. ----- 13.3./Medizin: Die drei Dokumentationen des ARTE-Themenabends vom 27.2. über neuere Entwicklungen
auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin waren zwar nicht uninteressant, hatten aber nur wenig mit der gestellten Ausgangsfrage ‘Werden wir unsterblich?’ zu tun. Im ersten Beitrag
wurde allerdings noch einmal James Vaupel zitiert, Direktor des Max Planck-Instituts für Demographische Forschung in Rostock, der sich zwar keine Unsterblichkeit vorstellen kann,
wohl aber eine extreme Langlebigkeit, da es keine genetisch programmierten Altersgrenzen gäbe und das bislang bloß empirisch festgestellte maximale Lebensalter von ca. 120 Jahren
‘noch lange nicht’ das Ende der natürlichen Fahnenstange darstelle. ----- 17.3./Anti-Aging: Die Stiftung Warentest hat 16 Nachtcrèmes unter anderem auf ihre faltenglättende
‘Anti-Aging’-Wirkung getestet und dabei 6, die vor allem von den preiswerten Discountern angeboten werden, als ‘gut’ bewertet. Die genaueren Ergebnisse können im entsprechenden
Artikel der März-Ausgabe der Zeitschrift ‘Test’ nachgelesen werden, der insbesondere klar macht, was man generell von solchen Versprechungen durchaus erwarten kann und was
nicht (nämlich keine Wunder). ----- 18.3./Klimawandel: Auch wenn man die drohende Erwärmung des Erdklimas vor allem durch den ungebremsten Anstieg der CO 2-Emissionen
nicht psychologistisch auf das Verhalten des einzelnen Individuums reduzieren sollte, so tragen der individuelle Lebensstil und massenhafter persönlicher Konsum doch zu einem
gewissen Anteil zum Gesamtproblem bei. (Die zugespitzte Alternative Individualverhalten versus institutionelle Strukturen ist übrigens so gut wie immer irreführend und so auch im
ganzen Bereich körperlicher Langlebigkeit.) Die eigene jährlich produziere CO 2-Menge kann nun jeder mit Hilfe einfacher CO 2-Rechner im Internet näherungsweise in 5 bis 10 Minuten
ausrechnen, wenn er seine Schadstofbilanz gezielt verbessern möchte. Ein Artikel auf
SPIEGEL-Online listet die verschiedenen Anbieter auf und beschreibt kurz ihre Vorgehensweisen, Hintergründe und Unterschiede. Siehe auch ein entsprechendes Quiz, in dem man sein Wissen über CO 2-Emissionen testen kann. ----- 18.3./Demographie: Der jüngst erschiene neue Bevölkerungsbericht der UNO prophezeit bis 2050 einen Anstieg der
Weltbevölkerung um 2,5 Milliarden Menschen auf 9,2 Milliarden, was trotz stagnierender oder partiell sogar abnehmender Geburtenraten vor allem einer globalen Steigerung der
durchschnittlichen Lebenserwartung zu verdanken sein wird. Statt zunehmender ‘Alterung’ der Weltgesellschaft, wie es an im begleitenden Pressebericht heißt, könnte man diesen generellen Langlebigkeitstrend durchaus positiver formulieren, insbesondere wenn man
bedenkt, wie niedrig die Lebensalter in vielen Teilen der Welt heute im Schnitt immer noch sind. ----- 18.3./Medizintechnik: Der Titelschwerpunkt der Märzausgabe der ‘Technology
Review’ ‘Das vernetzte Haus’ zeigte in einem Beitrag anhand heute schon existierender Beispiele und Modellprojekte wie auch das Altenheim der Zukunft aussehen könnte, in dem
man alte, kranke und demente Menschen mit Hilfe fortgeschrittener Computer- und Robotertechnik medizinisch rund um die Uhr überwacht oder ihnen einen Teil ihrer
Autonomie bzw. Mobilität zurückgibt. Dabei lassen sich auch Personal- und Verwaltungskosten stärker reduzieren, wobei die Verbesserungen allerdings nur dann
wirklich zum Tragen kommen, wenn sich nicht der Mensch der Technik unterordnet sondern wenn sich die technologischen Entwicklungen an den tieferen individuellen wie sozialen
Bedürfnissen der alten Menschen orientieren (Grillfest versus High Tech-Schnickschnack). ----- 18.3./Transhumanismus: Die schon erschienene April-Ausgabe des
populärwissenschaftlichen Magazins ‘P.M.’ bringt eine nett geschriebene aber verhalten krische Zusammenfassung transhumanistischer Visionen von der künstlichen Verbesserung
und Überwindung des Menschen, die auch die Option extremer Lebensverlängerung beinhalten. Interessanter noch als der spekulative Zukunftsausblick ist dabei ein einführendes Schaubild, das aufzeigt und veranschaulicht, was HEUTE schon längst medizinische und
soziale Realität ist, von den 180000 jährlich eingesetzten Hüftgelenken, über Herzschrittmacher, Cochlea-Implantate, neueste Prothesentechnik und weiteres mehr bis hin
zu - ganz aktuell - Neurochips, die Blinde wieder sehend machen können, zumindest teilweise. (Zu letzterem, siehe den Beitrag im heute-journal vom 14.3.) ----- 21.3./Medizin: Die März-Ausga be des US-Wissenschaftsmagazins ‘The Scientist’ ließ führende Wissenschaftler, da runter ImmInst-Mitglied S. Jay Olshansky (siehe
News 27) und die lebende Legende der biologischen Alternsforschung Leonard Hayflick unter der Überschrift ‘What if Humans were Designed to Last?’ darüber
spekulieren, wie der biologische Bauplan des Menschen in ausgewählten Kernbereichen grundlegend verändert werden müßte, um eine drastische Ausdehnung seiner Lebenserwartung zu erreichen. Die
Antworten fielen gemischt aus, wobei sich in den zahlreichen Leserkommentaren am Fuß der Seite auch noch eine Grundsatzdiskussion über Sinn und Zweck von Langlebigkeit entwickelte. ----- 27.3./Anti-Aging: Der FOCUS vom 19.3. brachte ein Kurzportrait des 103-jährigen Johannes Heesters unter der Überschrift ‘Das ewige Leben’ anlässlich eines
kürzlichen Konzertes von ihm in der Münchner Philharmonie und vermutete, daß Bühnenauftritte und Künstlerdisziplin sein wahres Lebenselixier darstellen. ----- 27.3./Immortalismus: Times-Online veröffentlichte schon Ende Januar Auszüge aus einem neuen Buch, die jetzt erst im Forum des Immortality Instituts Erwähnung fanden. Darin portraitiert Autor Bryan Appleyard, der November 2005 auch Besucher der ersten großen ImmInst-Konferenz in Atlanta war, u.a. ImmInst-Gründer Bruce Klein bzw. zeichnet die
neueren Diskussionen um Aubrey de Greys SENS-Projekt nach: ‘How to Live Forever or Die
Trying’. ----- 31.3./Empirie: Im Rekordsommer 2003 gab es laut einer jüngst
veröffentlichten internationalen Studie weit mehr Hitzetote als bislang angenommen, nämlich 70000 statt nur
35000 bis 50000 Menschen. Frühere Meldungen wiesen allerdings schon darauf hin, daß die umstandslose Hochrechnung und Übersetzung der globalen Klimaerwärmung in einen
entsprechenden Anstieg der Mortalitätsrate für die nördlichen Breiten in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts irreführend sei, weil der Mensch grundsätzlich ein großes
Anpassungspotential besitzt. Dies käme insbesondere bei Veränderungen zum Tragen, die sich nur langsam und langfristig in Szene setzen, wie ja auch die Hitzetoten von 2003 durch
öffentliche Aufmerksamkeit und einfachste Maßnahmen weitgehend hätten verhindert werden können. (Siehe dazu auch News 25, über den wichtigen Unterschied zwischen tendenziell
aussagelosen statistischen Durchschnittswerten und ungünstigen Verteilungen von Höchstwerten.) ----- 31.3./Alternsforschung: Ein Forscher der Universität Oxford will im noch unbestätigten Tierversuch bei Würmern herausgefunden haben, daß durch Nahrungsmittel,
die mit seltenen Isotopen angereichert wurden, die schädliche Wirkung der freien Radikale im Körper vermindert werden könne, woraus eine 10-%ige Lebensverlängerung resultiere.
Nun plant man die Isotopanreicherung der menschlichen Nahrung im großen Stil, wobei verschiedene deutsche Experten im
Artikel auf SPIEGEL-Online auch die fragwürdigen und
reduktionistischen Aspekte des ganzen Ansatzes benennen. ----- 6.4./Besprechung: Eine
Rezension in der April-Ausgabe der ‘Psychologie Heute’ stellt ebenfalls das Buch des Unternehmensberaters Nicolas Strange ‘Keine Angst vor Methusalem! Warum wir mit dem
Altern unserer Bevölkerung gut leben können’ (2006, 16,80 Euro) vor, das im Gegensatz zum demographischen Alarmismus der Frank Schirrmachers und co eine sachlichere
Bestandsaufnahme der demographischen Entwicklung liefert. (Siehe bereits News 25, die
Erwähnung des Buchs in einem FOCUS-Artikel zur Kritik des ‘Methusalem-Pessimismus’.) Nach seiner Analyse müssten vor allem ökonomische Kapazitätsreserven mobilisiert werden,
die im Produktivitätsfortschritt, dem Abbau der Arbeitslosigkeit, der Frauenerwerbsquote und im Bildungssystem liegen, um das Rentensystem angesichts steigender Lebensalter absichern zu können. ----- 6.4./Psychologie: Laut einer Meldung im April-Heft von ‘Bild der Wissenschaft’ auf Basis einer neuen Studie sollen Nobelpreisträger signifikant länger leben
als Wissenschaftler, die nur für den Preis nominiert gewesen waren. Die Forscher vermuten, daß der Ruhm bzw. die größere soziale Anerkennung hierfür der ausschlaggebende Faktor sei. ----- 6.4./Demographie: Nach einem Artikel ebenfalls im April-Heft der ‘Bild der
Wissenschaft’ schlagen Forscher des Max Planck-Instituts für demographische Forschung in Rostock eine neue Rentenformel vor, die durch die Einbeziehung des ‘prospektiven Alters’
den z.B. auch von der UNO prognostizierten Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung in Deutschland bis 2050 mitberücksichtigt. Bisher bauen administrative Zukunftsszenarien für
die Berechnung künftiger Ausgaben im Renten- und Gesundheitssystem nur auf retrospektiven Daten und Modellen auf, die zu verzerrenden - und tendenziell krisenhaft-alarmistischen -
Ergebnissen und damit auch falschen politischen Entscheidungen in der Gegenwart führen. Die zentrale Konsequenz einer noch weiteren drastischen Anhebung des Renteneintrittsalters
auf 70 bis 73 Jahre, wie es die Wissenschaftler vorschlagen, ist zwar logisch-mathematisch in sich stimmig und konsequent, baut aber zum einen auf einem sich ungebrochen in die
Zukunft fortsetzenden Langlebigkeitstrend auf, der zumindest angreifbar wäre, zum anderen dürfte er politisch wie psychologisch das heute herrschende Alltagsbewußtsein stark überfordern. (Siehe auch
News 16 aus dem Juli 2005 über einen ganz ähnlich gelagerten Vorschlag zweier anderer Forscher in ‘Nature’ zum sogenannten ‘standardisierten Alter’.) ----- 10.4./Transhumanismus: Verschiedene Kernthemen des Transhumanismus wie z.B. die
Frage, ob bis 2030 unsere Hirnfunktionen mittels Computerchips aufgepeppt werden können, die Singularität oder ob wir gar schon bald in der Lage sein werden, unser komplettes
Bewußtsein auf eine Festplatte ‘upzuloaden’, um so der Sterblichkeit des Körpers zu entgehen, behandelte eine britische Dokumentation von 2006, die Ostersonntag auf VOX
ausgestrahlt wurde (und bei der Terminerstellung leider übersehen wurde): ‘Mensch - Version 2.0’. Den phantastischen Visionen einzelner Wissenschaftler wie z.B. auch denen des in der
Sendung vorgestellten Ray Kurzweil wurden analoge Ängste und Befürchtungen gegenübergestellt, die ausgerechnet in der radikalen Technologiekritik und den
mörderischen Aktionen des Una-Bombers kulminierten. ----- 10.4./Alternsforschung: Den
rund 28-minütigen Vortrag
von Aubrey de Grey zur Einführung in das SENS-Projekt, d en der britische Alternsforscher am 30.3.07 auf dem Aging-Symposium im kanadischen Edmonton gehalten hat, kann man nun als Videostream im Netz
herunterladen. Auf einer Übersichtsseite
des Symposiums, die sämtliche Vortragende mit ihren Themen versammelt, wurden auch noch zwei weitere
Video-Präsentationen zur Verfügung gestellt, andere sollen folgen. Ebenfalls dort schon anklickbar eine knapp 46-minütige Podiumsdiskussion
zwischen de Grey, Daniel Callahan und Gregory Stock zu ethischen Konsequenzen der Lebensverlängerung. ----- 14.4./Alternsforschung: Der FOCUS vom 7.4. interviewte den Psychiater, Genforscher und Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München,
Florian Holsboer, über den Einfluß von Genen und Umwelt auf den menschlichen Alterungsvorgang. Kernaussage: Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Bewegung und
insbesondere auch psychische Erfahrungen modulieren die Genexpression, erhöhen oder verringern damit Krankheitswahrscheinlichkeiten und beschleunigen oder verzögern so das
Altern, wobei die Forscher mittels spezifischer Biomarker ein genaueres Risikoprofil für den individuellen Alterungsprozeß ableiten wollen. Das ganze wird auch mit den jüngsten
Ergebnissen zur Resveratrol-Forschung und der vermuteten Wirkung der Sirtuine in Verbindung gebracht und klingt generell wie eine tiefere Untermauerung, Verbesserung und
Verfeinerung von Verfahren, wie sie in der konventionellen Anti Aging-Medizin schon seit vielen Jahren Standard sind. (Holsboer ist übrigens auch einer der Autoren des oben schon
erwähnten neuen Buches der Max Planck-Gesellschaft ‘Die Zukunft des Alterns’, siehe oben 27.3., das SPIEGEL-Interview, unter PS). ----- 19.4./Politik: In der ZEIT vom 12.4. zeichnete
ein Autor die öffentliche Debatte um das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens nach, listete verschiedenste und teils prominente Befürwortern auf, erwog pro und contra und
tendierte schließlich auf Grund eines eher pessimistischen Menschenbildes zu einer ablehnenden Haltung. Eine Kritik dieses Artikels im Blog der Initiative ‘Freiheit statt Vollbeschäftigung’ liest man
hier , zur Idee des bedingungslosen Grundeinkommens aus immortalistischer Sicht, siehe dagegen News 26 anlässlich eines Berliner Vortrags von Götz Werner. ----- 19.4./Katastrophenschutz: Nach einer neuen Studie sind die Deutschen im
Falle einer großen Katastrophe nur sehr unzureichend vorbereitet. Es fehlt vor allem an ausreichenden Nahrungs-, Trinkwasser und Medikamentenvorräten, um selbst im Falle eines
nur kurzfristigen Zusammenbruchs der öffentlichen Versorgung wenigstens mehrere Tage bis zwei Wochen autark überleben zu können. ----- 19.4./Politik: Ein Artikel
in der ZEIT vom 12.4. verdeutlichte sehr plausibel, wieso das Thema der demographischen Entwicklung
Deutschlands gerade auch innerhalb der gegenwärtigen Bundesregierung eine ziemlich hohe Priorität genießt. Dies sei vor allem auf das langfristige Wirken des Ex-Generalsekretärs der
CDU und früheren Ministerpräsidenten von Sachsen, Prof. Kurt Biedenkopf, zurückzuführen, der schon seit Ende der 70er Jahre auf die vermeintlichen oder tatsächlichen Probleme mit
Nachdruck hinweist. ----- 24.4./Politik: Die Debatte um das bedingungslose
Grundeinkommen - siehe oben, 19.4. - hat nun auch SPIEGEL-Online erreicht, wo sich am
22.4. ein junger SPD-Bundestagsabgeordneter in einem Gastkommentar prinzipiell dagegen aussprach aber eigentlich nur das Althaus-Modell zugrundelegte. Genau dieses Modell von
CDU-Ministerpräsident Dieter Althaus wurde in einem Bericht der ZDF-Politsendung ‘Berlin Direkt vom gleichen Tag eher sachlich und neutral vorgestellt, während sich in der neuesten
Ausgabe der ZEIT vom 19.4. der ehemalige CDU-Sozialminister Norbert Blüm ebenfalls ablehnend zu Wort meldete. Unabhängig vom sachlichen Für und Wider des Konzepts selbst
ist hier vor allem auch die Herausforderung an die utopische Vorstellungskraft des Alltagsbewußtseins interessant, wie sie z.B. in den angeschlossenen Forendiskussionen
vehement zum Ausdruck kommt, denn es kann keinen Zweifel geben, daß die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens im Vergleich etwa mit den Zielen des modernen
Immortalismus noch wesentlich gemäßigter und machbarer erscheint, als die Perspektive der extremen Langlebigkeit. ----- 24.4./Psychologie: Ein ausführlicher Text in der April-Ausgabe
der ‘Bild der Wissenschaft’ berichtete über neuere Experimente in der Gedächtnisforschung und ‘die Gnade des Vergessens’. Das Vergessen besitzt generell eine weithin unterschätzte
mentalhygienische Funktion, in dem es Platz für neue Informationen schafft und so die Lernvorgänge unterstützt, was anscheinend bis zu einem gewissen Grad durch aktive
Willensanstrengung gefördert werden kann. Über ‘die hohe Kunst des Vergessens’ schrieb
auch schon Unsterblichkeitspionier Prentice Mulford in seinem gleichnamigen Essay Ende des 19. Jahrhunderts, als Element der permanenten geistigen Erneuerung, die mit der
körperlichen Regeneration einhergehen müsse. ----- 24.4./Politik: Eine kritische Übersicht
über die deutsche Förderpolitik und deutsche Forschungslandschaft war in der Titelgeschichte der April-Ausgabe der Technology Review zu lesen. Tenor: Die Vergabe der Fördermittel sei
völlig unübersichtlich, der Förderdschungel müsse reformiert werden und Großkonzerne würden bevorzugt, was den Innovationskräften nur bedingt zu Gute käme. ‘Der Umfang der Forschung’ speziell in der biomedizinischen Alternsforschung ist dagegen hier in FOREVER schon in einem Text Ende 2004 näher eingegrenzt worden. ----- 30.4./Religion: Der Münchener Professor für Soziologie Armin Nassehi charakterisierte in der ZEIT vom 12.4. Religion im allgemeinen und den Katholizismus im besonderen als eine soziale Institution,
die das Unbestimmbare im menschlichen Leben zur Sprache bringe und handhabbar mache, wobei es weniger auf die tiefere Wahrheit theologischer Inhalte als die
sprachlich-symbolischen und vor allem die rituellen Formen der religiösen Rede ankäme. Auch hier wurde die Bedeutung der Sterblichkeit des Menschen für die Religionsentstehung
nur gestreift - immerhin - ohne ihr einen angemessenen Stellenwert einzuräumen, wobei ZEIT-Redakteur Jens Jessen in seiner umfassenden Erwiderung in der Folgeausgabe ganz
richtig hervorhob, daß Nassehi mit der Abwertung theologisch-religiöser Inhalte zugunsten der Form die Absolutheitsansprüche traditioneller Religion völlig auf den Kopf stelle. Man
kann vielleicht die herkömmlichen Antworten der Religion abergläubisch und irrational nennen oder sie prätentiös unter funktionalistischen Gesichtspunkten relativieren - die
existentiellen FRAGEN, auf die diese Antworten zielen oder die das Funktionieren von sozialen Gemeinschaften entscheidend mitbestimmen, werden vom wirklichen Leben gestellt
und berühren auch den Alltag und das subjektive Selbstverständnis von atheistischen Sozialwissenschaftlern. ----- 30.4./Immortalismus: Eine (Bild-)Redakteurin von ‘Spektrum der Wissenschaften’ outete sich im aktuellen Mai-Heft als ehemalige Leserin der Perry
Rhodan-Serie anlässlich der Besprechung eines neuen Readers mit Daten, Fakten und Hintergrundinformationen zum unsterblichen Science Fiction-Helden, der nunmehr seit über
45 Jahren durchs Universum düst (bzw. - nach den Zeitmaßstäben des ‘Perryversums’ - sogar schon seit einigen Jahrtausenden). Für ein seriöses Wissenschaftsmagazin ist das ein eher ungewöhnliches Bekenntnis. ----- 30.4./Religion: SPIEGEL-Online veröffentlichte am 26.4. einen Verriss von Ex-Theologieprofessor Gerd
Lüdemann des jüngst mit großem Medien-Echo erschienenen Jesus-Buches des Papstes (‘Jesus von Nazareth’), der die Ergebnisse der vergleichenden Bibelforschung zum historischen Jesus mißachten
oder fragwürdig umdeuten würde: ‘Eine peinliche Entgleisung’
. Lüdemann bekam 1999 die Lehrerlaubnis von der Evangelischen Kirche entzogen, weil er in seinen Schriften den
überirdisch-göttlichen Charakter von Jesus Christus und vor allem dessen Auferstehung leugnete - Hauptwerk: ‘Die Auferstehung Jesu. Historie, Erfahrung, Theologie’, 1994 - und ist seither nur noch
Professor für die Geschichte des Christentums an der Universität Göttingen. ----- 10.5./Psychologie: Nach einer
Meldung auf SPIEGEL-Online vom 30.4. ist die älteste Uni-Absolventin der Welt die US-Amerikanerin Nola
Ochs, die am 12. Mai ihren Abschluß im Alter von 95 Jahren machen wird. Damit verdrängt sie laut Guinness Buch der Weltrekorde den bisherigen Rekordhalter, einen 90-jährigen. ----- 10.5./Immortalismus: Ein ausführlicher Artikel des Mai-Heftes des populärwissenschaftlichen
Magazins P.M. widmete sich der Ethnologie des Vampirglaubens, seinen Ursprüngen, seiner Verbreitung in einigen Balkan-Regionen und seiner mythologischen wie sozialen Bedeutung.
Der Vampirismus ist in ländlichen Regionen Rumäniens teilweise heute noch lebendig und knüpft u.a. an weithin unbekannte Eigenarten des Verwesungsprozesses menschlicher
Leichen an, wie der deutsche Medizinhistoriker hervorhebt, dessen Arbeit der Artikel porträtiert. Der traditionelle Glaube an untote Vampire, die ursprünglich gar keine Blutsauger
waren - eine literarische bzw. filmische Zutat - stellt generell eine Art Zerr- und Schattenform körperlicher Unsterblichkeit dar und dient gelegentlich auch der Denunziation des modernen
Immortalismus. ----- 10.5./Anti-Aging: Die Titelgeschichte von Heft 10 der Frauenzeitschrift
‘Brigitte’ vom 26.4. beschäftigte sich in einer großen Übersicht mit dem Anti-Aging-Thema, freilich nur unter dem beauty-Gesichtspunkt: welche Mittel und Crèmes helfen wirklich, die
Haut jung zu erhalten, was ist von allen Verfahren außer medizinischen Operationen zu halten, was läßt wirklich jünger aussehen?? Eine junge israelische Teilnehmerin in einem - englischsprachigen - Diskussionsstrang im Forum des Immortality Instituts von letztem Sommer, der aktuell neu belebt wurde, sieht übrigens in der
weitverbreiteten weiblichen Orientierung auf Schönheit DEN strategischen Aufhänger, um mehr Frauen für den modernen Immortalismus zu gewinnen. Das ist zwar nicht völlig falsch sondern nur
ziemlich verkürzt, denn es müßte schließlich auf ALLE Fragen zeitnaher Lebensqualität ausgedehnt werden, um nicht nur mehr Frauen sondern auch mehr Männer begeistern zu können. ----- 18.5./Anti-Aging: Heft 3/2007 der Männerzeitschrift ‘Best Life’
bringt unter der Überschrift ‘Forever fit’ bzw. ‘Fit forever’ eine Übersicht mit medizinischen Hinweisen zum gezielten Anti-Aging, wobei unter anderem folgender Satz fällt, sinngemäß:
Vieles, was als Alterungsprozess erscheint, ist einfach nur die Folge mangelnder Bewegung! (Eine Einsicht, die zweifellos von dem ganz ausgezeichneten SPIEGEL-Titel ‘Jungbrunnen
Bewegung’ von Anfang letzten Jahres beeinflusst wurde, siehe News 22.) Eine Fitness- und
Anti-Aging-Rubrik etwa mit dem Namen ‘FOREVER Fitness’ wäre zwar auch hier nicht schlecht, aber FOREVER überlässt solche Themen lieber den einschlägigen Publikationen und
Ratgebern, von denen es ja Dutzende gibt, und konzentriert sich stattdessen mehr auf die tieferen geistig-philosophischen Zusammenhänge. ----- 18.5./Medizin: Der FOCUS vom 14.5. veröffentlichte eine Liste zum Ranking der deutschen Universitäten in den Studienfächern
Biologie, Medizin und Chemie. Der Schwerpunkt Alternsforschung findet dort zwar nur ganz am Rande Erwähnung, aber zumindest als erste Groborientierung und Zusatzinformation
könnte die Liste trotzdem für den ein oder anderen diesbezüglichen Interessierten hilfreich sein. Zur neueren Lage der Biologie als Studienfach bzw. als ‘Leitwissenschaft des 21.
Jahrhunderts’ siehe dagegen auch News 24, kurz notiert. ----- 23.5./Transhumanismus: Ein
sehr umfangreiches Portrait des bekannten Computerexperten, Transhumanisten und Langlebigkeitspropagandisten Ray Kurzweil wurde am 2.5. auf den Online-Seiten des
Wirtschaftsmagazins ‘Fortune’ unter dem Titel ‘The smartes (or the nuttiest) futurist on Earth’
veröffentlicht. Von Kurzweil (‘Fantastic Voyage - Live long enough, to live forever’, 2004; ‘The Singularity is near’, 2005) ist bisher nur eine ältere Arbeit auf deutsch erschienen: ‘Homo
S@piens’, 2000. Siehe aber auch den Kurzweil-Essay in der Januar-Ausgabe 2006 von ‘Spektrum der Wissenschaften’ und den Kommentar in News 21 zu dieser Form von euphorischer Techno-Zukunftsspekulation. ----- 23.5./Alternsforschung: Die Ausgabe vom 30.4. des renommierten US-Magazins ‘The New Yorker’ berichtete unter der Überschrift ‘The Way We Age Now’ in einer grossen Übersicht über den aktuellen Stand der Alternsforschung
bzw. der Altersmedizin. Der achtseitige Artikel ist seit kurzem doch noch im Internet einsehbar, kurze Auszüge daraus, die sich mit seiner eigenen Arbeit beschäftigen, finden sich aber auch im Blog von Dr. Leonid Gavrilov, Wissenschaftler der Universität Chicago. ----- 26.5./Demographie: Der Artikel ‘Mythos Babyboom’ auf ZEIT online vom 23.5. beschreibt am
Beispiel der aktuell grassierenden Behauptung, die Fußball-WM hätte e inen Babyboom in Deutschland ausgelöst, geradezu lehrbuchhaft den notorisch missbräuchlichen Umgang mit Demographie und Statistik in den Medien. Der Text sei daher vor allem
jenen empfohlen, die etwas über die tieferen Fallstricke bei der Interpretation amtlicher Statistiken, über die potentiellen Differenzen von Durchschnittswerten,
Höchstwerten, absoluten Zahlen und relativen Anteilen etc., lernen möchten, wie sie prinzipiell auch im ganzen Bereich der Altersentwicklung und Lebenserwartung existieren. ----- 26.5./Transhumanismus: Die Titelgeschichten der Juni-Ausgabe der ‘Bild der Wissenschaft’ informieren über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der
Neuroimplantate, die es bestimmten Patientengruppen wie Querschnittsgelähmten, Parkinsonkranken u.ä. einmal ermöglichen sollen, Computer und andere Geräte mit der
blossen Kraft ihrer Gedanken zu steuern. In dieser medizinisch-praktischen Hinsicht kommt die Forschung gut voran, wobei in den Texten auch die Frage diskutiert wird, inwieweit
kommende Möglichkeiten der medizinischen Prothesentechnik auch für die gezielte Verbesserung der Fähigkeit von Gesunden eingesetzt werden dürften, wie es in
transhumanistischen Kreisen diskutiert und ersehnt wird. Von Nebenprodukten der Medizinforschung für den Bereich der Computerspiele abgesehen, seien diese Aussichten
allerdings noch ferne und spekulative Zukunftsmusik. ----- 26.5./Katastrophenschutz: In der
ZEIT vom 24.5. werden die Versuche verschiedener internationaler Vereinigungen und Gremien beschrieben, der möglichen Gefahr eines Asteroideneinschlags zu begegnen. Auch
wenn die Wahrscheinlichkeit einer Kollision in absehbarer Zeit gering ist, wären die globalen Folgen unter Umständen verheerend, wobei der Artikel und ein zusätzliches Interview mit
einem Ex-US-Astronauten sowohl die technisch-praktischen als vor allem auch die organisatorisch-politischen Probleme umreissen. So ist es anscheinend leichter, ein einzelnes
Land durch geringfügige Bahnabweichungen mittels Raketentechnik o.ä. nach dem St. Floriansprinzip zu schützen als die gesamte Erde, was schon im Vorfeld einer drohenden
Naturkatastrophe massive internationale Konflikte auslösen könnte. |
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Termine:
Wichtige oder interessante Termine sowie vor allem ein paar Hinweise auf ausgewählte TV-Sendungen, aktuelle Kinofilme oder neuere DVD-Veröffentlichungen mit thematischem Bezug zu den Inhalten des Magazins finden sich wie immer auf der
Terminseite:
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News-Folge 27/November 2006 - Februar 2007
Aus dem Inhalt:
Technology Review zu positiven Nebeneffekten der Alternsforschung - New York Times über neuere Studien zur Kalorienreduktion -
Weitere Texte zur Resveratrol-Debatte - Paul Baltes gestorben - US-Politiker unterstützen Langlebigkeitsdividende - SPIEGEL-Titel zum Ursprung des Monotheismus - Weitere Texte zum Thema Religion -
Besprechung: ‘2030 - Aufstand der Alten’ - Terrorismus und Millenarismus - Prentice Mulford: Reinkarnation versus REGENERATION - Zur Veränderung des News-Konzepts - Zitate... und weiteres mehr:
Zur News-Folge 27
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Texte, Essays, Buchbesprechungen etc. und ältere News-Folgen finden sich wie immer im Archiv, in dem auch die News-Schlagzeilen (ab News-Folge 9) als
erster Einstieg in ein echtes News-Archiv aufgelistet werden. Erläuterungen zu wichtigen und regelmäßig wiederkehrenden Begriffen kann man dagegen im Glossar anklicken. Teilweise sind dort auch schon im Sinne einer Registerfunktion inhaltliche Verweise auf frühere News-Folgen verlinkt. Interne Links auf ältere News-Inhalte führen bis News 26 nur zum Anfang des jeweiligen Unterabschnitts der News-Folge und noch nicht exakt zur genauen Position des spezifischen Beitrags. Bei allen im übrigen erwähnten und kommentierten externen Zeitungs- oder Zeitschriftenartikeln wurde ebenfalls ein Link ergänzt, sofern die jeweiligen Texte im Internet zur Verfügung stehen. Der in allen anderen Fällen in früheren News-Folgen hinzugefügte Hinweis ‘Nicht im Internet (einsehbar)’ soll allerdings aus Gründen der Vereinfachung und des besseren Leseflusses in Zukunft entfallen. Es sei auch noch auf den Jahresrückblick 2005 am Anfang von
News 20 hingewiesen, der schwerpunktartig das ganze Spektrum wichtiger Themen und Informationen vermittelt, das in FOREVER behandelt wird.
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L.M.M.
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