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NEWS vom 29. November 2004
(Folge 9)
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1. In eigener Sache:
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Informationen zum Relaunch des Magazins: ‘FOREVER erscheint nun s eit über einem Jahr und
nach fünf kompletten Ausgaben und seit April 04 acht weiteren umfangreichen News-Folgen liegen genügend Erfahrungen vor, die einige einschneidende
Veränderungen ratsam erscheinen lassen. Es hat sich vor allem herausgestellt, daß...’ weiter |
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Mit dem Relaunch erscheinen gleich mehrere neue eigene Texte, die sonst unter dem Stichwort der längeren Titelgeschichte ‘Perspektiven der Alternsforschung’
den Kern von Forever Nr. 6 gebildet hätten. Darin geht es vor allem um die verschiedenen Folgekonsequenzen des aktuellen Standes der biomedizinischen Alternsforschung für eine
moderne Unsterblichkeitsbewegung, der einleitend in seinen wesentlichen und allgemeinen Punkten skizziert wird. Der Empirietext listet unter der Überschrift ‘Der Umfang der Forschung’ insbesondere einige Zahlen zur Frage auf, wieviel öffentliche Gelder zur Zeit in die Alternsforschung investiert werden. Die Buchbesprechung stellt dagegen ein neueres Übersichtswerk aus der altersmedizinischen Grundlagenforschung vor, das sich in vielen Einzelbeiträgen zwar vor allem an Fachleute wendet, aus dessen Machart und tieferer Geisteshaltung sich aber auch einige allgemeinere und eher kritische Einsichten gewinnen lassen:
‘Molekularmedizinische Grundlagen von altersspezifischen Erkrankungen’
, Hrsg. Ganten/Ruckpaul/Ruiz-Torres, 2004.
Die je neuen Texte finden sich künftig chronologisch aufgelistet im Archiv, das in der nebenstehenden Navigation an einen
prominenteren Platz gerückt ist. Das Titelbild einer kompletten Ausgabe 6 hätte dagegen etwa SO ausgesehen:
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Das ‘Club archiv der toten Dichter’ präsentiert diesmal einen Auszug aus DEM Nationaldrama
der Deutschen, dem Faust, das nicht nur etwas und durchaus problematisches zum Thema Verjüngung zu sagen hat sondern - in Faust 2 -
ja sogar eine höchst aktuelle poetische Vision der Schaffung eines künstlichen Menschen enthält. Der Leibarzt von Goethe war übrigens Christoph Martin Hufeland, der Autor des Buches ‘Makrobiotik oder Die
Kunst das menschliche Leben zu verlängern’, das als ein früher Klassiker der modernen Alternsforschung und Altersmedizin gilt und in Teilbereichen durchaus auch noch von der heutigen Medizin Anerkennung findet.
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News-Folge 8 vom 28. Oktober und noch im alten Gewand kann man hier aufrufen. Dort finden sich auch weitere Links zu den älteren News.
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2. Diskussionsforen/Homepages:
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Nach langer Ankündigung ist das erste Buch des
Immortality-Instituts endlich erschienen. Es trägt den Titel ‘The Scientific Conquest of Death’ und versammelt 19 Essays von teils namhaften Autoren wie Michael Rose, Aubrey de Grey oder Marvin Minsky zu sowohl
wissenschaftlichen wie philosophischen Aspekten rund um das Thema der Lebensverlängerung. Das Buch kann auf amazon.de bestellt werden, der Preis beträgt 17,60 Dollar und unter folgendem Link findet man eine genauere
Übersicht über den Inhalt des Buches bzw. kurze Zusammenfassungen der einzelnen Texte, natürlich nur auf Englisch. Eine ausführliche Besprechung wird hier zu einem späteren Zeitpunkt erscheinen, aber im Moment finde ich es doch erstaunlich, daß das erste größere Projekt einer virtuellen Internetgemeinschaft, die eine ungeheure Fülle von teils hochkarätigen, teils mittelprächtigen, teils peinlichen und in den meisten Fällen formal nicht durchgearbeiteten Texten bzw. Forumsbeiträgen produziert hat, sich ausgerechnet wieder dem klassischen Printmedium zuwendet. Das hat sicher auch einfache ökonomische Gründe, weil sich über ein handfestes materielles Produkt wahrscheinlich leichter Spendengelder für das Gesamtprojekt Immortality-Institut gewinnen lassen, aber interessant ist es doch, daß der traditionelle Weg der Theorieproduktion anscheinend einen Prozeß der qualifizierten Auswahl, Redaktion und Bewertung erzwingt, der im virtuell-elektronischen Raum oft schmerzlich vermisst wird.
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Im Bioethik-Forum auf 1000Fragen.de hat der Diskussionsstrang
‘Haben Sie auch Angst, unsterblich zu werden?’, der sich mittlerweile in ca. zweihundert Unterthreads aufteilt, Anfang November nach nur etwa einem halben Jahr Laufzeit die Grenze von eintausend
Einzelbeiträge überschritten. (Aktueller Stand 29.11.: über 1200) Damit hält er weiterhin die Spitze in der Teilnehmerresonanz von allen 50 Ausgangsfragen, die auf 1000Fragen.de für die öffentliche Diskussion
ausgewählt wurden. Die in einer früheren News-Folge berichtete Annahme, daß die Forumsdiskussionen Anfang August eingestellt und von den Betreibern ausgewertet würden, beruhte anscheinend auf einem Mißverständnis,
obwohl man tatsächlich schon seit längerem das Gefühl hat, daß die Macher des ganzen das Interesse an ihrem Projekt etwas verloren haben. (Letzt er Moderationsbeitrag im September!?) Inhaltlich ist weiter am interessant esten, daß in diesem Forum tatsächlich gleichermaßen Anhänger wie Gegner der extremen Lebensverlängerung
zu Wort und öfters auch ins Gespräch kommen, wenngleich es nicht selten in die Niederungen bloßer moralisierender Bekenntnisse oder gar auf die Ebene persönlicher Beleidigungen abrutscht. Das sachliche
Niveau ist dabei - von Ausnahmen abgesehen - allerdings gering, weil der Kontext der Bioethik wahrscheinlich eine Haltung der bloßen individuellen Meinungsbekundung begünstigt, während es sich
immer deutlicher herausschält, daß verallgemeinerbare ethisch-moralische Bewertungen nur vor dem Hintergrund tieferer Aussagen über die Natur der Realität Sinn
machen. Solche Aussagen laufen nicht zufällig auf philosophische, religiöse oder spirituelle Annahmen und Konzepte hinaus, und die Grenze des bioethischen Diskurses selbst muß man
daher nicht unbedingt ihren Teilnehmern anlasten. Im übrigen erweist sich hier wieder einmal sehr drastisch, daß der Wissens- und Erkenntnisfortschritt in unmoderierten und
voraussetzungsfreien Foren nur wie eine Schnecke vorankommt, denn mit jedem neuen Teilnehmer fangen alle möglichen Diskussionen und Verständigungsprobleme tendenziell immer wieder von vorne an. |
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Der älteste Mann der Welt ist seit kurzem ein
111-jähriger Deutscher aus Düsseldorf, wobei die Spitzenpositionen der Langlebigkeit natürlich weiterhin von mehreren noch älteren Frauen aus anderen Teilen der Welt eingenommen werden. Die vollständige
(dpa-)Meldung kann hier im deutschen Bereich des Immortality-Instituts nachgelesen werden.
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3. Zeitschriftenartikel/TV-Sendungen u.ä.:
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In der ZEIT vom 28.10. portraitierte Harro Albrecht unter der Überschrift
‘Im Paradies für Stammzellenzüchter’ zwei große Forschungszentren in Singapur bzw. Japan auf dem Gebiet der Entwicklungsbiologie, wobei nebenher auch noch einmal der Zusammenbruch der Biotech-Blase am Aktienmarkt und die generellen ökonomischen Zwänge in diesem Kontext Erwähnung finden. Tenor: in Fernost ist - vielleicht - alles besser, weil es weniger staatliche Restriktionen gäbe als hierzulande oder im Westen generell, aber ob man wirklich umwälzende Forschungsergebnisse durch strategische Infrastrukturplanung und Schaffung einer ‘kritischen Masse’ von Forschern erzwingen könne, sei noch nicht raus.
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Wer sich die inhaltliche Essenz von Milan Kunderas Roman ‘Die Unsterblichkeit’ in einer journalistischen Billigversion zu Gemüte führen will, der lese Mathias Mattuseks
Betrachtungen auf SPIEGEL Online vom 2.11. über den Zusammenhang der modernen Suche nach Ruhm im Rahmen der Pop-Kultur und der Suche nach
‘Unsterblichkeit’. Durchaus flott und interessant geschrieben dilettiert er etwas über religionswissenschaftliche Zusammenhänge, ohne die tieferen und
existentiellen Aspekte des Themas zu berühren, aber das ist letztlich schon bei Kundera so. |
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Am 11. November begann der STERN mit seiner
sechsteiligen Serie über die großen Weltreligionen, die wahrscheinlich ‘geschickterweise’ mit dem Thema Christentum eine Woche vor Weihnachten endet. Im Netz ist nur das Editorial vom 11.11. frei abrufbar, das sich mit der Serie befasst, wobei es vor ein paar Monaten schon eine ähnliche Titelgeschichte des FOCUS gab, die historische Hintergründe, Zahlen und aktuelle Probleme der religiösen Tradition in komprimierter Form darstellte. Siehe auch den Dezember-Titel der Zeitschrift PM zum Ursprung des Christentums.
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Am 30.10. schrieb der Heidelberger Ägyptologe Jan Assmann in der Neuen Züricher Zeitung einen längeren Essay über die Frage, inwieweit die monotheistischen Religionen zwangsläufig mit Gewalt und Intoleranz einhergehen müssen. Fazit: es sei tatsächlich aus strukturellen wie religionsgeschichtlichen Gründen als Disposition in ihnen angelegt, aber eine Zwangsläufigkeit im Sinne eines Automatismus gäbe es nicht.
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Am 13.11. fand unter der Überschrift ‘Schwester auf
Eis’ in der SAT 1- Serie ‘2 bei Kallwass’ die Thematik der Kryonik Eingang in eine pseudodokumentarische Ratgebersendung. Die Psychologin Kallwass hatte zwischen dem Wunsch eines aus den Vereinigten Staaten
stammenden Ehemanns, der seine verstorbene(?) deutsche Frau kryonisch konservieren ließ, und seiner Schwägerin zu vermitteln, die ein ‘ordentliches’ Begräbnis für ihre Schwester forderte. Für ein solches Sendeformat
auf dem Kommerzsender war das ganze ziemlich gut recherchiert und differenziert inszeniert, und manchmal kam einem der Eindruck, die Autoren hatten sich auch im alten Kryonik-Forum auf unsterblich.de sachkundig
gemacht, das Anfang Januar gelöscht wurde. Für den Kryonisten hatten sie zwar einen Darsteller gecastet, der aussah, wie der kleine Bruder von Gene Wilder als Dr. Fronkensteen, aber über weite Strecken ließen sie
ihn sachlich durchaus kompetent und menschlich sympathisch agieren. Sogar die später hinzukommende Schwiegermutter schlug sich auf seine Seite, während der Schwiegervater wie seine Tochter ihn vehement angriffen und
beschimpften. Die Schlußwendung war daher angesichts der internen psychologischen Verwicklungen durchaus überraschend, obwohl man mit ihr von Anfang rechnen konnte, denn es endete in einem eindringlichen Plädoyer
der Psychologin für das innere Loslassen und Abschiednehmen. Dabei wurde die Kryonik als ferne Zukunftsoption nicht einmal grundsätzlich denunziert - ‘Lassen Sie die Wissenschaft ihren Gang gehen’ - sondern ihr
unterentwickelter Stand hier und heute hervorgehoben, der die konkreten Wiedersehenshoffnungen der beteiligten Personen tatsächlich illussionär erscheinen läßt.
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Die ZEIT vom 18.11.
berichtete über Bestandteile des Erbgutes, die lange Zeit als Abfall galten und in Wirklichkeit wichtige Prozesse reguli eren, woraus sich nicht nur neue effektive
Werkzeuge für die Forschung abgeleitet haben sondern sich weitreichende Therapieoptionen samt Börsenphantasien ergeben. Die Schnelligkeit, mit der hier aus Grundlagenforschung medizinische
Therapien und ökonomische Profite werden sollen, reizt eher zum kritischen Einwand, denn echte Kreativität verträgt sich nur sehr bedingt mit dem ungeheuren Druck der Eigendynamiken an den internationalen
Finanzmärkten, auf denen eine riesige Anzahl von Spekulanten schon kleinste Gewinne im äußerst kurzfristig orientierten Tagesgeschäft erwirtschaften wollen. |
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Das September/Oktober-Heft der Zeitschrift ‘Bio’,
einer zweimonatlich erscheinenden alternativen Gesundheitszeitschrift ‘für Körper Seele Geist’, brachte im Titelschwerpunkt ‘Well Aging’ u.a. ein sehr ausführliches Interview mit dem führenden Anti Aging-Mediziner
Michael Klentze rund um die Fragen eines präventiven und gesunden Lebensstils, der das heute schon gegebene Langlebigkeitspotential optimal ausschöpfen kann.
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Am anderen Ende des intellektuellen Spektrums erschien dagegen in der November-Ausgabe der Zeitschrift ‘Spektrum’ ein Artikel über zentrale Ansätze der
biomedizinischen Alternsforschung mit dem Focus auf einer differenzierten Weiterentwicklung der Theorie der freien Radikale durch zwei US-Mediziner: ‘Das Wunder der über 120-jährigen’. (Der Artikel ist im Netz nur gegen eine Gebühr von 1,00 Euro via Firstgate
abrufbar.)
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Im November-Heft der Technology Review gab es unter dem Schlagwort
‘Baustelle Mensch’ gleich mehrere Artikel über Fortschritte in der Medizintechnik zu lesen, die es zunehmend erlauben sollen, natürliches Gewebe und Organe durch künstliche und austauschbare Strukturen zu ersetzen. Pflichtlektüre für jeden, der sich die extreme Lebensverlängerung durch die sukzessive Verwandlung in eine Art Mensch-Maschine erhofft. Alle anderen zucken mit den Achseln oder gruseln sich gar. (Der Link führt nur zur Inhaltsübersicht.)
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Schließlich noch der Hinweis auf eine interessante Studie auf SPIEGEL Online vom 25.11., worin britische Mediziner überraschenderweise die Leistungsfähigkeit ausgerechnet der Notfall- und Intensivmedizin an Hand eines historischen Vergleichs in Zweifel ziehen und demgegenüber die Kraft der körperlichen Selbstheilungskräfte neu bewerten. Die gälte es im medizinischen Alltag besser zu berücksichtigen und genauer auf den Einzelfall abzustimmen.
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4. Sonstiges/Termine:
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Mit dem Sieg von George W. Bush scheint ein spezifisch
christlicher Fundamentalismus auf dem Vormarsch zu sein, wobei die Wiederwahl des Präsidenten dem europäischen Publikum zumindest schon einmal eindringlich vor Augen geführt hat, daß Hollywood und die Sichtweise
libera ler Berichterstatter nur einen Teilausschnitt der US-amerikanischen Wirklichkeit
widerspiegeln. Die Kommentatoren und Demoskopen waren sich einig, daß die sogenannten ‘moral values’ den Aussschlag gegeben haben, wobei es eine alte und wenig bekannte Einsicht der
Soziologie darstellt, daß ‘Moral’, also verbindliche Regeln des menschlichen Zusammenlebens, nie im weltanschaulich leeren Raum steht, sondern sich immer von ‘den letzten Dingen’ ableitet,
also religiöse Begründungen braucht. Religion selbst wiederum ist im tiefsten und letzten eine grundsätzliche geistig-symbolische wie
rituelle Antwort auf die existentielle Bedrohung des Todes, und man darf vermuten, daß ohne den kollektiven Schock des 11. September die US-Politik einen völlig anderen Verlauf
genommen hätte. Auch wenn die religiöse Rechte mit samt ihrem Präsidenten nun erst einmal triumphiert, aber der abendländische Prozeß der Säkularisierung läßt sich nicht so einfach
durch ein oder zwei Wahlen oder aggressive Machtpolitik im äußeren rückgängig machen. Die Religionsgeschichte belegt eindringlich, daß die traditionell religiösen Antworten auf die
existentiellen Grundfragen des Lebens nie bleibende Letztantworten auf die tagtäglichen Herausforderungen darstellen können, weil bloße Symbolik allein, bloße kollektive
Selbstvergewisserung, die höchst praktischen, konkreten und materiellen Aspekte des Überlebens noch nicht sicherstellt, und dies ist auch der tiefste und letzte Grund für den
bisherigen Erfolg der Aufklärung in der Geschichte. Der aktuelle Triumpf der religiösen Rechten, der auch die immer noch weitgehend ausgeblendete Sterblichkeit des Menschen
durch die weltlich orientierten westlichen Denker widerspiegelt, muß sich daher nun im politischen wie gesellschaftlichen Alltag bewähren und da auch die Bush-Wähler - wie der
Präsident selbst - allen pathetisch-sakralen Jenseitsbeschwörungen zum Trotz doch höchst diesseitig orientiert sind, wird sich der Katzenjammer bald einstellen. Man kann nur hoffen, daß
die vorauszusehende Desillussionierung der christlich-fundamentalistischen Wähler gemäßigt ausfallen wird und nicht mit einem weitere Erstarken des Patriotismus oder gar einer großen
wirtschaftlichen Depression zusammenfällt, sonst wird es tatsächlich fürchterlich, wie manche Berichterstatter sowieso schon befürchten. Auch die oberflächlichen Kommentare vieler sonst
hochkarätiger liberaler Journalisten stimmen einen da nicht besonders frohgemut, denn die fundamentalistische Rückkehr zur traditionellen Religion, egal ob unter christlichen oder
islamistischen Vorzeichen, läßt sich mit den konventionellen aufklärerischen Haltungen, Konzepten und Vokabeln nicht wirklich fassen. |
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Auch der Mord an dem niederländischen Filmemacher Theo van Gogh und die von den resulierenden Unruhen ausgelöste innenpolitische Debatte um die deutsche
Ausländerpolitik steht im Zeichen des Erstarkens des religiösen Fundamentalismus. Der Fall illustriert eindringlich vor allem auch den grundsätzlichen Zusammenhang von Religion und Sexualökonomie, denn es
waren die auf die nackte Haut der Muslimin tätowierten Koranverse, die bei dem fundamentalistischen Attentäter die letzten zivilisatorischen Sicherungen durchbrennen ließen. Man ahnt, daß die Titelgeschichte von
FOREVER Nr. 4 - ‘Sex und Unsterblichkeit’ - nur eine erste Annäherung an den ganzen Themenkomplex sein konnte.
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In diesem Zusammenhang sei auch auf die ZDF-Sendung
‘Philosophisches Quartett’ vom 28.11. hingewiesen. Rüdiger Safranski und Peter Sloterdijk diskutieren diesmal das Thema ‘Vom Nutzen und Nachteil der Religion für das Leben’, wobei die Sendung am 12.12., 13 Uhr 30
auf 3 SAT erneut ausgestrahlt wird.
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Der neue und wahrscheinlich auf dem kürzlichen Jahreskongreß gewählte(?) Präsident der ‘Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie’ (DGGG) heißt Prof.
Dr. Thomas Klie. Er löst die bisherige Präsidentin Dr. Ann-Kathrin Meyer ab, auf die noch in der letzten News-Folge gesondert hingewiesen worden war.
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Am 16.11. plädierte Bundeskanzler Gerhard Schröder auf
dem Deutschen Arbeitgebertag 2004 in Berlin u.a. für die Angleichung des nominalen an das reale Renteneintrittsalter, also für eine generelle Abkehr von der weitverbreiteten und langjährigen betrieblichen Praxis der
Frühverrentung, die dazu geführt hat, daß die Arbeitnehmer in Deutschland im Durchschnitt 5 Jahre früher als ursprünglich vorgesehen in Rente gehen. Dies wäre im Gegensatz zur oft erhobenen Forderung nach einer
genereller Heraufsetzung des Renteneintrittsalters wohl tatsächlich schon ein wirksames Mittel, um die sich durch die demographische Entwicklung abzeichenden Probleme der Rentenversicherung zu überwinden.
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Am Donnerstag, d. 9.12., 17 Uhr 30, gibt es in der Berliner Urania einen Vortrag zum Thema ‘Qi Gong und Tao Yoga - Lebensqualität, Philosophie und Praxis’ von Udo
Treide. Qi Gong wird laut Programmvorschau als ‘ältestestes überliefertes Anti Aging-Programm der Welt’ vorgestellt, d as eine Vielzahl von Methoden zum Erhalt der Vitalität und Lebenskraft bereitstellt. Udo Treide ist ein langjähriger Ausbilder auf dem Gebiet des
altchinesischen Tao Yoga, einer teils mystisch-esoterischen, teils meditativ-praktischen Selbsterfahrungslehre, in der es prinzipiell um die Kultivierung und Umwandlung der Sexualenergie u.a. zur Steigerung der
Lebenserwartung geht, wobei in den taoistischen Traditionen ein völlig anderer Zugang zum oben angesprochenen Verhältnis von Religion und Sexualität vorliegt wie im jüdisch-christlich-islamischen Kulturkreis.
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Bei der regelmäßigen Terminvorschau ist mir für den
8.11. der Film ‘Demolition Man’ aus dem Jahre 1993 mit Sylvester Stallone, Wesley Snipes und Sandra Bullock durchgerutscht, eine intelligente und witzige SF-Actionkomödie mit Anspielungen auf Huxleys ‘Schöne neue
Welt’, die u.a. zeigt, daß man eine funktionierende kryonische Konservierung auch als Strafe nutzen könnte. Ganz neue Aspekte.
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Weitere Filmtips und Termine finden sich dagegen wie immer auf der Terminseite:
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